30.000 Euro für Wiesseer Fischereibruthaus

Geburtenkontrolle: Rettet den Saibling

Der Saibling zählt zu den schönsten und kulinarisch interessantesten Fischarten unserer Alpenseen. Doch sein Bestand ist in Gefahr und eine Selbsterhaltung der Art derzeit nicht möglich. Um den natürlichen Erhalt der Population zu unterstützen, wurden jetzt 30.000 Euro in das Bruthaus Bad Wiessee investiert.

v. l.: Christoph von Preysing, Dr. Uli Wunner, Simpert Ernst und Dr. Bernhard Gum an den neuen Langstromrinnen.
v. l.: Christoph von Preysing, Dr. Uli Wunner, Simpert Ernst und Dr. Bernhard Gum an den neuen Langstromrinnen.

Als der Bezirk Oberbayern im Jahr 1998 das Bruthaus an der Wiesseer Söllbachmündung in Betrieb nahm, stand es schlecht um die drei Hauptfischarten im Tegernsee. Die Bestände von Seesaibling, Renke und Seeforelle waren durch die enormen Belastungen der Gewässer durch den Menschen seit den 1960er und 70er Jahren stark zurückgegangen.

Durch Europas erste Ringkanalisation dieser Art und künstliche Erbrütung konnten sich Renke und Seeforelle seither in ihrem natürlichen Vorkommen soweit erholen, dass man sich nun dem Sorgenkind Saibling zuwenden kann.

Zwar habe sich auch die Population an Seesaiblingen wieder stabilisiert, wie Dr. Uli Wunner, Fischereidirektor beim Bezirk Oberbayern, erklärt, doch brauche die Fischart noch externe Unterstützung. Ziel sei es, so Wunner, vor allem den sogenannten Wildfangsaibling in deutlich größerer Zahl im See anzusiedeln.

Künstliche Befruchtung von 300.000 Fischeiern

Dazu soll im Bruthaus in Abwinkl ein besonderes Augenmerk auf die Erbrütung von Seesaiblingen gelegt werden. Das Haus an der Söllbachmündung, direkt gegenüber des Aquadoms Bad Wiessee, wird von der Fischerei Tegernsee eigenverantwortlich geführt.

Trotzdem behält die Fachberatung für Fischerei beim Bezirk Oberbayern die Aufsicht über das Aufzuchtsprogramm und hat nun 30.000 Euro in eine Umrüstung der Anlage investiert. Ziel sei es, in den nächsten Jahren bis zu 300.000 Fischeier gleichzeitig zu befruchten und auszubrüten.

Im hinteren Teil des Bruthauses wurden dazu vier Rundstrombecken entfernt und an deren Stelle elf Langstromrinnen eingebaut. Darin könnten die kleinen Seesaiblinge optimal gehalten und gefüttert werden, weil sie den Bedingungen der Zuflüsse zum Tegernsee nachempfunden seien, erklärt Wunner. Zwar beobachte man auch wieder öfter Saiblinge in der Weißach und anderen Seezuflüssen, dennoch reiche der natürliche Lebensraum derzeit nicht aus.

Für 30000 Euro wurde das Bruthaus Bad Wiessee umgebaut.
Für 30000 Euro wurde das Bruthaus Bad Wiessee umgebaut.

Auch die Wasserversorgung sei für die Bedürfnisse der Saiblinge optimiert worden, so Wunner. Künftig fließe das durch den Pumpenbetrieb häufig gasübersättigte Zulaufwasser in offenen Halbschalen. Dadurch soll das Wasser den von Natur aus sehr empfindlichen Jungsaiblingen möglichst „entspannt“ die richtige Umgebung ermöglichen. Auch die im Sommer ausgefallene zentrale Pumpe wurde ausgetauscht und versorgt nun wieder Bruthaus und Aquadome mit Frischwasser.

Aus etwa 90 Prozent des Laichs, wie die Fischeier in der Fachsprache genannt werden, würden sich dann auch sogenannte Larven entwickeln, weiß Fischereirat Bernhard Gum. Auch er ist beim Bezirk Oberbayern in der Fischereiberatung tätig.

Im Spätherbst fangen Christoph von Preysing und seine Mitarbeiter dazu die Laichfische im See und streifen sie, wie in unserem Video zu sehen, ab. Dabei werden den weiblichen Tiere die unbefruchteten Fischeier durch vorsichtiges Drücken entnommen. Gleiches passiert mit den männlichen Exemplaren, deren Samen für die äußerliche Befruchtung benötigt wird.

Bis zum Sommer reif für den See

Wie im Video zu sehen, müssen die äußerst empfindlichen Eier vorsichtig mit einer Feder mit dem hochkonzentrierten Samen vermengt werden. Erst durch die Zugabe von Wasser werden die Samen aktiviert und können den Laich befruchten, wie Fischereimeister Christoph von Preysing erklärt. Wenn die Larven nach etwa 100 Tagen geschlüpft und anschließend zu fressfähigen Brütlingen herangewachsen sind, werden sie in den Brutrinnen noch etwas hochgepäppelt und im Laufe des Sommers in den See entlassen.

Ziel dieser Maßnahmen soll es sein, einen Impuls für die natürliche Reproduktion zu geben und die Bestandsdichte des Wildfangsaiblings im Tegernsee wieder zu erhöhen. Das wird allerdings einige Zeit dauern. Von etwa zehn Jahren ist im Gespräch mit der Tegernseer Stimme die Rede. Wenn sich der positive Trend bis dahin fortsetzen kann.

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