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Alice im Oberland: „Gefällt mir“

Von Toni

Facebook ist eine tolle Erfindung. Endlich können wir mal uneingeschränkt zum Ausdruck bringen, was uns wirklich gefällt. Überall leuchtet der „gefällt mir“-Button.

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Ein Klick genügt. Und es ist gesagt, was wir sonst nie zu Fotos mit dem Titel „Himmel über Steglitz, 16.09 Uhr“ oder zu Statements der Art: „Ein Risotto ist unendlich mehr als ein einfaches Eintopfgericht“, sagen würden.

Solche Dinge posten Leute auf Facebook und wenn man besonders nett sein will, klickt man „gefällt mir“ an.

Die Macher des sozialen Netzwerkes legen offensichtlich Wert auf positive Kommunikation. Einen „gefällt mir nicht“-Button gibt es nicht, stattdessen erscheint nach einem „gefällt mir“-Klick „gefällt mir nicht mehr“.

G`standene Weibsbilder und vergessene Gerichte

„Gefällt mir nicht“ sagt man sich in Bayern, speziell im Bayerischen Oberland, von Angesicht zu Angesicht oder von Ohr zu Ohr. Denn die Bayern sind schließlich g’standene Mannsbilder oder wie in dem Fall, der mir kürzlich passierte, g’standene Weibsbilder.

Ich recherchierte alte Rezepte aus der Region um den Tegernsee für Kalenderblätter. Kiache ist so ein seit Jahrhunderten bekanntes altes Gericht, das in unserer Region etwas anders als in Niederbayern zubereitet wird, und nur noch bei Einheimischen bekannt ist.

Ich rief also eine Landfrau an, die mir als besonders kundig empfohlen wurde. Mein Hochdeutsch und meine etwas fremd anmutende Vorwahl – Holzkirchen ist offensichtlich aus der Perspektive von Kreuth sehr weit entfernt und macht sich verdächtig jenseits der Weißwurstgrenze zu liegen – muss sie derart irritiert haben, dass sie mir wohl, wäre dies telefonisch möglich gewesen, am liebsten den Kochlöffel um die Ohren gehauen hätte.

„Sie, ich koche fei. Denn bei uns hier da kocht man noch zu Mittag. Schauen Se‘ halt in einem Kochbuch nach. Ein Rezept für Schuxen oder Kiache wie sei bei uns heißen find’n Se‘ in jedem bayerischen Kochbuch.“ Halleluja, dachte ich und legte den Hörer auf.

“Ein Image ist auch nur ein Bild”

Auf Facebook wäre mir das nicht passiert. Angenommen die Landwirtin wäre Mitglied auf Facebook – solche gibt es zuhauf – und würde ihre Rezepte posten, dann hätte ich den „gefällt mir“-Button geklickt und es in meine Sammlung alter bayerischer Rezepte kopiert. Eine schöne neue freundliche Gefällt-mir-Welt.

Allerdings wäre Bayern, fände die Kommunikation ausschließlich in so einer virtuellen Umgebung statt, um sein Image gebracht. Denn die direkte Art auszusprechen, was gerade gedacht, gehört zum Image der Bayern wie das Weißbier, die Weißwurst, der Tegernsee …

Übrigens die Landwirtin hat mir danach eine Mail geschickt und mir darin mitgeteilt, dass sie mir gern ihre Rezepte geben kann. Die habe ich inzwischen und weiß deshalb, dass die niederbayerischen Schuxen in unserer Region Kiache heißen. Wir haben viel gelacht am Telefon. Ein Image ist eben auch nur ein Bild.

Alice im Oberland – eine Kolumne von Gesina Stärz

Alice findet, die Welt wird den surrealen Bildern des spanischen Malers Salvador Dali immer ähnlicher. Was bisher als sicher galt, das löst sich auf. Nichts ist mehr wie es ist, nur wie ist es dann? Alice berichtet aus einer sich verändernden Welt…


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