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Kommentar zum gefühlten Anstieg der Kriminalität am Tegernsee

Gefühle halten sich nicht an Fakten

Von Steffen Greschner

Gefühle sind irrational. Immer wieder führen sie uns in die Irre. Gefühlt gibt es immer mehr Einbrüche im Tegernseer Tal. Gefühlt locken die teuren Auslagen unserer Einzelhändler vor allem organisierte Banden an.

Marodierend und raubend fallen diese Kriminellen über die Idylle des Tals her. Und es wird immer schlimmer. So sagt es zumindest unser Gefühl. Doch die Fakten stützen das nicht.

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Zweimal in den letzten Monaten wurden Optiker in Rottach ausgeräumt.

Vor allem auf Optiker hatten es Einbrecher in den letzten Wochen und Monaten abgesehen. Dass sie dabei halbe Sachen machen, kann man ihnen wahrlich nicht vorwerfen. Brillen im Wert mehrerer Sportwagen wurden bei Nacht und Nebel eingepackt. Gleiches passierte auch Optikern in Miesbach, Lindau oder Regensburg.

Organisierte Kriminalität: Herkunft unbekannt

Vermutlich stecken organisierte Banden dahinter, da ist sich auch die Kripo in Miesbach sicher: Denn um Hehlerware in dieser Dimension zu Geld zu machen, braucht es bestehende Netzwerke und Abnehmer. Ein unabhängiger Kleinkrimineller bringt schlichtweg keine 1.000 gestohlenen Brillen unters Volk.

Da hört es dann aber auch schon auf mit Wissen und Fakten. Alles Weitere kommt aus dem Land der „untrüglichen Wahrheiten“ ‒ oft auch Gefühl genannt. Denn glaubt man dagegen den Zahlen und Aussagen der Polizei, ist „mit Sicherheit keine signifikante Zunahme“ der talweiten Taten zu verzeichnen. Zwei vollendete und ein versuchter Einbruch in Optikergeschäfte in zwei Monaten – das sind die Fakten. Zwei zu viel. Sicherlich. Aber eben auch nur zwei.

Gewerbeeinbrüche und die Wellenbewegung

Richtig ist dagegen, dass Gewerbeeinbrüche auch in der Vergangenheit fast immer in Wellen über das Tal gezogen sind. Vor einiger Zeit mussten Modegeschäfte dran glauben. Vermutlich waren es auch damals organisierte Banden. Diese Wellen sprechen laut Polizei für organisierte Kriminalität – mit unbekannter Herkunft.

Dass organisierte Räuberbanden in Scharen über das Tal herfallen, lässt sich daraus nicht ableiten. Beweise gibt es dafür bisher nicht. Noch nicht mal wirkliche Hinweise, wie die Kripo in Miesbach beteuert. Man ermittele derzeit in alle Richtungen. Die einzige Zeugenaussage, die es bisher überhaupt zu den aktuellen Fällen gibt, beschreibt zwei Täter in der Dunkelheit. Beobachtet aus gut 50 Metern Entfernung.

Fakten hin oder her. Unser Gefühl sagt uns, dass es zunehmend „gefährlicher“ wird im Tal. Es sagt uns auch, dass die Täter gezielt zu uns kommen, weil es hier viel zu holen gibt. Gefühlt sind die Täter dunkel gekleidet und haben ziemlich sicher in einem Lieferwagen das Weite gesucht. Bedrohlich ist, was sich bedrohlich anfühlt. Die Realität muss nachziehen, um das Gefühl zu bestätigen. Menschen täuschen sich nicht gerne.

In den Sicherheitsberichten steht das Tegernseer Tal meist sehr gut da. Wie auch 2012 bei der Information der Bürgermeister.

Fakt ist aber, dass sich Einbrüche in den letzten Monaten gehäuft haben. Zumindest in Gewerbeobjekten. Eine „Welle“, wie es Kriminalisten nennen. Die Polizei kennt das Business und kennt die Wellenbewegungen der Taten. Unser Gefühl kennt beides nicht. Die Gegenwelle, also einige Monate ohne Einbruch, empfinden wir dagegen nicht als beruhigend. Sie fällt uns einfach nicht auf.

Schnell wird alles in einen Gefühlstopf geworfen. Autoaufbrüche, Gelegenheitsdiebe, wie beim Waakirchner Dorffest, aufgebrochene Spielautomaten oder Gartenhäuser. Jede Einzelne der Taten ist zu viel. Aber mit organisierter Schwemme haben sie nichts zu tun. Vermutlich würden wir sie nicht einmal zur Kenntnis nehmen, wäre nicht unser Gefühlsradar aktuell darauf gepolt, Bestätigung für eine diffuse Angst zu bekommen.

Die Polizei bittet um Hilfe

Die Polizei beteuert, dass verstärkt Streife gefahren wird. Gleichzeitig sei man aber auch auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Man sei für jede gemeldete ungewöhnliche Wahrnehmung dankbar. Oft haben die Ermittler das Problem, dass Zeugenaussagen erst im Nachgang eintrudeln. Bewohner sollten sich dagegen nicht scheuen, Auffälligkeiten direkt über die 110 zu melden – vielleicht haben die Beamten dadurch die Chance, Täter direkt dingfest zu machen.

Was auffällig ist und was nicht? Sie ahnen es: Verlassen Sie sich auf Ihr Gefühl! Das sagt Ihnen schon, was normal und was verdächtig ist. Auch wenn uns im Moment vielleicht mehr verdächtig erscheinen mag als in Zeiten der Ruhe. Und wenn sich unser Gefühl dann doch mal getäuscht hat, ist die Polizei eben einmal umsonst ausgerückt. Dafür ist sie schließlich da. Und wir haben wieder ein besseres Gefühl.

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