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Der Rottacher Bürgermeisterkandidat Josef Bogner im TS-Interview

„Geht nicht, gibt’s nicht“

Von Christopher Horn

Spätestens nach der Stichwahl am 30. März wissen wir, wer neuer Bürgermeister in Rottach-Egern wird. Derzeit liefern sich die drei Bewerber Hermann Ulbricht (Freie Wähler), Christian Köck (CSU) und Josef Bogner (Parteifrei) ein offenes Rennen.

Der 56-jährige Gastronom erklärt im Interview, warum er nur als Bürgermeister zur Verfügung steht. Dazu fordert er ein Vorgehen gegen Flächenverdichtung und eine neue Form des Hochwasserschutzes.

Josef Bogner will neuer Rottacher Bürgermeister werden.
Josef Bogner will neuer Rottacher Bürgermeister werden.

Guten Tag Herr Bogner, Sie kandidieren als Bürgermeister. Sollten Sie nicht gewählt werden, wollen Sie aber nicht im Gemeinderat sitzen, warum nicht?

Josef Bogner: Ich war bis 2008 schon für zwölf Jahre Gemeinderat und habe damals bereits einige Dinge mit angeschoben. Trotzdem wurden viele meiner damaligen Vorschläge von der CSU-Fraktion anders gesehen und nicht weiterverfolgt. Nun habe ich gemerkt, dass ich die Geschicke gerne leiten würde. Als Bürgermeister kann man steuern, was auf die Tagesordnung kommt. Diese Stimme hat schon mehr Gewicht als die eines normalen Gemeinderates.

Es gilt also die Devise: Chef oder nichts?

Josef Bogner: Nein, so würde ich das nicht sehen. Ich engagiere mich seit über 30 Jahren in der Gemeinde und konnte Erfahrungen in den verschiedensten Bereichen sammeln. Ich war unter anderem Mitglied im Verkehrsverein, Kassenprüfer für den Schulverband, habe im Kunst- und Kulturverein mitgewirkt und das Kindersingen organisiert. Ich will mich auch weiterhin für Rottach ins Zeug legen, nur eben als Bürgermeister. Sollte ich nicht Bürgermeister werden, bin ich auch weiterhin für Rottach da.

Jugendgemeinderat und Seniorenbeirat

Das Thema Bürgerbeteiligung ist Ihnen besonders wichtig. Was wurde hier in der Vergangenheit versäumt?

Josef Bogner: Wir müssen die Rottacher Bürger einfach noch stärker mitnehmen, sie in Entscheidungsprozesse mit einbinden. Ihnen im Vorfeld von Gemeinderatssitzungen mehr Informationen über die Tagesordnungspunkte im Internet zur Verfügung zu stellen, ist nur ein kleiner Schritt. Ich bin dafür, dass wir junge und ältere Bürger gleichermaßen für die Kommunalpolitik begeistern. Sollte ich Bürgermeister werden, will ich einen Jugendgemeinderat ins Leben rufen. Hier können Jugendliche unter 18 Jahren ein Gremium bilden, das dann der Gemeindeverwaltung und dem Gemeinderat regelmäßig Bericht erstattet. Zudem bin ich auch für einen Seniorenbeirat für unsere älteren Mitbürger.

Was halten Sie von einer Live-Übertagung der Gemeinderatssitzungen?

Josef Bogner: Da habe ich nichts dagegen. Das macht aber nur Sinn, wenn sich alle Mitglieder des Gemeinderates auch dafür aussprechen. Ich halte nichts davon, einzelne Personen auszublenden, da so die Diskussion verfälscht wird.

Vor zwei Wochen brachten Sie die Idee der Dorfgespräche auf. Nicht jeder verstand aber Ihren Ansatz. Manche unterstellten Ihnen, dass Sie den Gemeinderat abschaffen wollen. Können Sie Ihren Ansatz nochmal mit kurzen Worten erläutern?

Josef Bogner: Ich bin dafür, im Vorfeld von Entscheidungen, die den ganzen Ort betreffen, Dorfgespräche zu organisieren. Hier kommen die Bürger und die Mitglieder des Gemeinderates zusammen. Der Gemeinderat kann sich so ein Bild machen, wie die Rottacher über das Thema denken. So entsteht ein gewisses Meinungsbild, das dem Gemeinderat später helfen soll, die richtige Entscheidung zu treffen.

Ist der Gemeinderat also doch überflüssig?

Josef Bogner: Nein, natürlich nicht. Der Gemeinderat trifft schließlich eine endgültige Entscheidung. Die Räte sind die gewählten Volksvertreter, ein Dorfgespräch soll nur dazu dienen, ein Bild davon zu bekommen, wie die Rottacher über bestimmte Themen denken.

Die zunehmende Flächenverdichtung ist ein Thema, das in Rottach derzeit heiß diskutiert wird. Sie haben den Gemeindeverantwortlichen jüngst vorgeworfen, zu wenig gegen die zunehmende Bauwut zu tun. Was würden Sie anders machen?

Josef Bogner: Mit fehlt hier nach wie vor der Weitblick. Hier müssen nicht die Weichen für die nächsten sechs, sondern für die nächsten 30 Jahre gestellt werden. Man hat hier nicht falsch, aber oft zu spät gehandelt. Wir sollten nicht erst reagieren, wenn eine Bauanfrage da ist, sondern uns ganz gezielt mit der Regierung von Oberbayern in Verbindung setzen und die offensichtlichen Probleme ansprechen. Nach der derzeitigen Rechtslage haben wir in der Tat wenig Möglichkeiten. Daher müssen wir uns jetzt gemeinsam dafür einsetzen, dass diese geändert wird.

Was würden Sie hier konkret unternehmen?

Josef Bogner: Das Problem der zunehmenden Flächenverdichtung haben neben Rottach-Egern auch noch viele weitere Kommunen in Bayern. Diese Verdichtung wird von der Regierung auch so gewollt. Wir müssen uns daher gemeinsam mit anderen Gemeinden dafür einsetzen, dass die Bayerische Bauordnung angepasst wird. Wir dürfen nicht immer sagen, das geht nicht, sondern wir müssen endlich handeln.

Für Bogner
Durch gemeindeübergreifendes Engagement will Bogner eine Anpassung der Bayerischen Bauordnung erreichen.

Was kann Rottach in der Zwischenzeit gegen die Bauwut tun?

Josef Bogner: Wir müssen Straße für Straße durchgehen und schauen, wo über eine Überplanung mit flächenbezogenen Bebauungsplänen noch was zu retten ist. Bad Wiessee macht uns das gerade vor.

Zudem haben Sie die Gründung eines kommunalen Immobilienbetriebs ins Gespräch gebracht. Was erhoffen Sie sich davon?

Josef Bogner: Das geht nur in Zusammenarbeit mit einer Bank. Ich bin schon dafür, dass die Gemeinde in besonderen Fällen hier tätig wird und ein Grundstück erwirbt. Man muss aber jeden Fall für sich betrachten und schauen, was finanziell machbar ist und was nicht. Es geht hier nicht darum, eine Immobiliengesellschaft aufzubauen, sondern in bestimmten Fällen ganz gezielt zu investieren.

Kritiker sagen, dass die Gemeinde dafür nicht die nötigen finanziellen Mittel besitzt und das Risiko zu hoch wäre. Wie schätzen Sie das ein?

Josef Bogner: Das sehe ich nicht so. Wenn ein eideutiges öffentliches Interesse besteht, haben wir hier gute Chancen. Hier muss man sich aber jeden Schritt in Ruhe überlegen und dann entscheiden.

Wäre der Gasthof Glasl ein solcher Fall gewesen?

Josef Bogner: Hier hätte man zumindest darüber nachdenken können. Das kann man aber nicht pauschal mit ja oder nein beantworten. Ich bin nicht im Gemeinderat und kenne in der Causa Glasl nicht alle Details.

Wo liegt für Sie die Grenze zwischen einem Investor und einem Spekulanten?

Josef Bogner: Ein Investor tritt in aktiven Dialog mit der Gemeinde und geht auch auf die Anregungen der Verwaltung ein. Ein Spekulant setzt dagegen alles daran, seine Vorstellungen um jeden Preis zu verwirklichen. Er hat nur das schnelle Geld im Blick.

Kritik am Wasserwirtschaftsamt

Auch beim Thema Hochwasserschutz verfolgen Sie einen anderen Ansatz als Ihre Mitbewerber. Sie sagen, man sollte das Wasser bereits in den Bergen auffangen. Wie wollen Sie das umsetzen?

Josef Bogner: Ich denke, der Ansatz, der hier vom Wasserwirtschaftsamt gewählt wurde, ist falsch. Es nützt wenig, nur die Rottach oder die Weissach auszubauen, um so eine höhere Durchflussmenge stemmen zu können. Das Problem Hochwasser entsteht schon in den Bergen. Hier müssen wir eine Staumöglichkeit finden und das Wasser regulieren, bevor es unten im Ort ankommt. Ich denke an ein Rückhaltebecken in Richtung Wolfsschlucht oder eine Staumöglichkeit im Bachbett rund 300 Meter oberhalb der Mautstation zur Sutten. Wir werden ein Hochwasser nie ganz verhindern können, wir können aber die Spitzen besser abfangen.

Sind Sie für oder gegen den Neubau des Schumacher-Wehrs?

Josef Bogner: Ein Wehr ist hier sicherlich eine Teillösung und ein Neubau richtig. Doch bei einem Hochwasser wie im Juni 2013 bekommen wir auch mit einem neuen Wehr Probleme. Daher müssen wir uns, wie bereits betont, endlich um eine Lösung im Hinterland der Berge kümmern.

Was ist die erste Maßnahme, die Sie als Rottacher Bürgermeister umsetzen würden?

Josef Bogner: Ich werde mir als erstes die finanzielle Situation der Gemeinde ganz genau anschauen und einiges auf den Prüfstand stellen. Es muss geklärt werden, warum der Bau der neuen Turnhalle nun über sechs Millionen Euro kostet. Die ersten Entwürfe für eine kleine Lösung lagen schließlich bei unter drei Millionen. Hier muss klar werden, ob eine so teure Variante wirklich notwendig war.

Herr Bogner, vielen Dank für das Gespräch.


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