Wiesseer Gemeindeangestellte verunsichert: Was passiert in zwei Jahren?

Von Martin

Zweite Ergänzung vom 3. November / 17:24 Uhr
So groß die Vorfreude und Euphorie über den nahenden Kauf des Jodschwefelbad-Areals in Bad Wiessee auch sein mag. Noch ist nichts in trockenen Tüchern.

Und es werden nochmal knapp zwei Jahre vergehen, bis ein potentieller Investor mit Umbaumaßnahmen beginnt. Die Angst bei vielen Gemeindemitarbeitern geht dennoch schon heute um.

Die drängendste Frage, die sich mitterweile viele Mitarbeiter stellen: Wer und wie viele verlieren ihren Arbeitsplatz im Badepark oder im Jodschwefelbad? Und vor allem wann? „Die jetzigen Arbeitsverträge mit der Gemeinde werden in jedem Fall ihre Gültigkeit verlieren, sobald ein Investor die Führung übernimmt“, so Bad Wiessees Geschäftsführer Michael Herrmann, der selbst als Betriebsleiter des Jodschwefelbades betroffen sein könnte.

Eine Jobgarantie gibt es nicht

Michael Herrmann versteht die Bedenken der Mitarbeiter und betont: „Die Gemeinde wird sich mit dem zukünftigen Investor diesbezüglich sicherlich an einen Tisch setzen und über die Übernahme des Personals diskutieren.“

„Eine Jobgarantie hat niemand. Nicht einmal ich“, so Herrmann, der anfügt: „Je nach Art und Umfang der Nutzung wird ein neuer Betreiber des Jodschwefelbads und des Badeparks aber Personal benötigen. Das jetzige Personal ist vorhanden, sehr gut geschult und steht vor Ort bereit.“

Diejenigen, die übernommen werden, können aber auf höher dotierte Verträge hoffen. Die freie Wirtschaft zahlt in der Regel besser als die tariflich festgelegten Sätze für Angestellte des öffentlichen Diensts.

Auf der im Oktober einberufenen Pressekonferenz, hatte Bürgermeister Peter Höß noch verkündet, dass durch den Kauf des Areals und den darauf folgenden Weiterverkauf an einen Investor, Arbeitsplätze in Bad Wiessee gesichert und neu geschaffen werden können. Zumindest für die Mitarbeiter des beiden Badeeinrichtungen könnte ist das Versprechen derzeit noch mehr als wage.

Ergänzung vom 27. Oktober
In einem heute veröffentlichten Interview mit dem Merkur äußert sich Bürgermeister Peter Höß zu den „historischen Plänen“ rund um das Badeareal. Vor allem das Defizit von etwa einer Million Euro durch Jodschwefelbad und Bade Park will man mit der lang angelegten Aktion im Wiesseer Rathaus in der Griff bekommen.

Höß betont, in etwa 18 Monaten sollen Verträge und Investorenauswahl so weit abgeschlossen sein, dass man mit den Bauarbeiten anfangen könnte.

Dass das Jodschwefelbad abgerissen wird, steht jedoch fest. Die gut 200.000 Euro, die man im letzten Jahr in die Sanierung des Bades gesteckt hat, sind damit zwar weg. Aber auch das habe laut Höß sein gutes. Auf diese Art würden die Investoren sehen, dass die Gemeinde hinter dem Bad steht, so zumindest der Versuch des Bürgermeisters die Investitionen der vergangenen zwei Jahre zu erklären.

Finanzieren möchte man den Kauf des Areals über umfangreiche Verkäufe von gemeindeeigenen Grundstücken. Da die derzeitige Situation auf dem Grundstücksmarkt sehr positiv sei, könne man laut Höß dadurch einen signifikanten Teil des Kaufpreises in Höhe von zwölf Millionen Euro aufbringen.

Ursprünglicher Artikel vom 12. Oktober:
Die mit Spannung erwartete Pressekonferenz im Wiesseer Rathaus war lange angekündigt. Doch Details über die Inhalte wurden der Öffentlichkeit vorab nicht einmal auf Nachfrage verraten. Nun ist die Katze aus dem Sack und das Ergebnis wird bestimmt in die Annalen der Gemeinde Eingang finden.

Bürgermeister Peter Höß und die Fraktionssprecher Fitz Niedermaier (FWG), Bernd Kuntze-Fechner (SPD), Kurt Sareiter (CSU) sowie der Architekt und Städteplaner Eberhard von Angerer haben darüber informiert, dass die Gemeinde den kompletten Grund von den holländischen Eigentümern kaufen wird.

Das Areal umfasst insgesamt rund 100.000m². Dazu gehören das Jodschwefelbad, der Badepark, die Wandelhalle, die Tennisanlage sowie alle Nebengebäude und weitere Flächen inklusive eines Seegrundstücks am Strandbad. Auch die Gesellschaften, die Jodschwefel GmbH und die Jungbrunnen GmbH, gemeinsam mit den Quellrechten werden übernommen.

Historische Vertragsunterzeichung spätestens in ein paar Wochen

„In den nächsten Tagen darf ich die Kaufvertragsdokumente unterzeichnen, die für die Gemeinde Bad Wiessee historischen Charakter haben werden“, so Bürgermeister Peter Höß. Spätestes innerhalb eines Zeitfensters von zwei Jahren, welches sich die Gemeinde selbst auferlegt, soll die Planungsphase und Grundstückvergabe abgeschlossen sein und mit Neubauten begonnen werden.

Die Gemeinde will Bad Wiessee zu alter Stärke führen indem sie das „Heft selbst in die Hand nimmt“. Höß ergänzte: „Die Jodschwefelquelle war schon immer der Mittelpunkt Wiessees und einst der Ursprung seiner Entstehung.

Neues Leben und bis zu 200.000 Übernachtungen für Bad Wiessee

Auch der Titel „Bad“ in Bad Wiessee ist auf Deutschlands stärkste Jod- und Schwefelquelle zurückzuführen. Das soll in Zukunft wieder mehr in den Fokus gerückt werden. Parteiübergreifend stellt sich die Gemeinde ein etwa 150 Betten großes Hotel auf dem Gebiet vor.

Wer vermarktet das Bad zukünftig? Und vor allem Wie?

Höß schweben durch den Hotelneubau für Bad Wiessee im optimalen Fall in etwa 150.000 bis 200.000 Jahresübernachtungen vor. Arbeitsplätze können so gesichert und auch neue geschaffen werden. „Dem Gemeinde-Viertel soll neues Leben eingehaucht werden. Alle, also Einzelhandel, Gastronomie,Vermieter, Einwohner sogar der Terassenhof sollte davon profitieren können.

Nachtragshaushalt muss noch vom Gemeinderat genehmigt werden

In der morgigen Gemeinderatssitzung wird der Nachtragshaushalt 2011 für die Finanzierung der zweistelligen Millionen Investition beschlossen werden. Die zuständige kommunale Aufsichtsbehörde des Landratsamtes hat dafür schon ihr grundsätzliches Einverständnis in Aussicht gestellt. Außerdem ist eine zeitnahe Bürgerversammlung geplant, in der alle Informationen detailliert vorgetragen werden.

Andererseits müssen, laut Höß, alle anderen Investitionen vorerst zurück gestellt werden bzw. soweit möglich geschoben werden. Das schließt beispielsweise die Seepromenade mit ein. „Außerdem müssen andere kleinere wie größere Gemeindegrundstücke zur Gegenfinanzierung verkauft werden.

Arbeitskreis tagte ab Anfang 2011 vier Mal hinter verschlossenen Türen

Die Grundüberlegungen zum Kaufentschluss entwickelten sich Anfang 2011. Kurz darauf wurde eine Arbeitskreis Kurviertel, bestehend aus Politikern aller im Gemeinderat vertretenen Parteien, aus Wirtschaft, Tourismus als auch der Schutz-Gemeinschaft Tegernseer Tal gebildet, die insgesamt 15 Personen umfasste. Diese tagte bisher vier Mal. Verfeinert haben sich die Absichten in den Sommerklausurtagungen.

Knapp 20 Jahre lang also schon zu Zeiten von Altbürgermeister Herbert Fischhaber suchte die Gemeinde potentielle Investoren für das Gebiet und wurde immer wieder fündig. Zum Teil scheiterte der Verkauf an der gebotenen Summe und/oder an Interessenskonflikten.

Gemeinde ließ zwölf Millionen Euro Angebot kalt

Des weiteren steht eine knapp 100 Anteilseigner umfassende Erbengemeinschaft hinter den Grundstücken. Diese Gemeinschaft hegt eigentlich keine ernsthafte Verkaufsabsichten. Der Grund, die Grundstückspreise in Bad Wiessee steigen tendenziell steigen und darüberhinaus müssen auch Pachten für den anteiligen Grund an sie abgeführt werden.

Dennoch gab es reichlich Interessenten. Und das trotz der Interessenskonflikte und obwohl Teile der vorhandenen Gebäude seit ein paar Jahren unter Denkmalschutz stehen. Auch jüngst gab es wieder einen Investor, der bereit war, bis zu 12.000.000 Euro auf den Tisch zu legen.

Jodschwefelbad und Badepark müssen auf in Zukunft öffentlich zugänglich sein

Die Gemeinde lehnte nicht nur dieses verlockende sondern auch weitere Angebote ab, weil die Bebauungspläne zum Teil massivste Gebäudekomplexe vorsahen. Es hätten Eigentumswohnungen und Wohnimmobilien entstehen sollen, die weder ins Landschaftsbild noch in die zukünftigen Pläne des Orts Bad Wiessee passten.

Die Absichten und Pläne der Gemeinde für das Areal sind andere: Diese sehen den Fortbestand sowie den weiterhin öffentlich zugänglichen Betrieb des Badeparks und des Jodschwefelbads vor.

Zukunftsfähig für Gesundheitstourismus – Hotelbetrieb mit Schwerpunkt Medizin

Bei einem reinen Profit-Orientierten Investor wäre das durchaus unsicher gewesen. Außerdem wünscht sich der Ort ein auf Medizintourismus fokusiertes Hotel auf dem Gelände. Und laut Bürgermeister Höß stehen Hotelbetriebe mit korespondierenden Plänen schon vor den Rathaustüren.

Es sei Ziel der Gemeinde, dass Bad Wiessee wieder gedeiht und einer erfolgreichen Zukunft entgegen sieht. „Unser Ziel ist nicht das Jodschwefelbad – ähnlich wie den Badepark selbst zu betreiben,“ so Höß.


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