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Soziale Netzwerke und moderne Unternehmenskulturen als Standortvorteil

Arbeiten bei der Generation “Digital”

Von Steffen Greschner

Wenn im Tegernseer Tal über „Weichenstellungen für die Zukunft“ gesprochen wird, geht es oft um den Verkehr, die Entwicklung im Tourismus oder Wohnprogramme für junge Familien.

Ein eher seltenes Thema ist dabei die zukünftige Entwicklung, die die folgenden Generationen für sich und ihr Berufsleben sehen.

Anspruchsvoll und transparent bis zur Schmerzgrenze

Die Generation der heute 30-Jährigen, die ganz selbstverständlich mit Internet und sozialen Netzwerken aufgewachsen ist, wird gerne als „Digital Natives“ bezeichnet. Sie ist es gewohnt zu teilen, zu empfehlen, das eigene Privatleben offen und online transparent zu handhaben und sich Information jederzeit und überall im Internet abzurufen, anstatt sie auswendig zu lernen.

In einem sehr lesenswerten Artikel im Fachmagazin „Marketing und Kommunikation“ hat der Autor die Wünsche der heute 30-Jährigen sehr gut beschrieben

Digital Natives streben nach einer sinnvollen, erfüllenden Tätigkeit. Eine transparente Kommunikationskultur ist ihnen wichtig, ebenso ein hohes Maß an Freiheit und Flexibilität, die Zusammenarbeit in Teams und selbstverständlich der Zugang zu neuesten Technologien und Medien.

Wenn es um die Begründung von Entscheidungen geht, wollen sie überzeugt, nicht überstimmt werden. Stimmen diese Faktoren, dann ist ihre Identifikation mit dem Unternehmen sehr hoch, und sie sind mit Leidenschaft dabei.

Es steht also eine Generation in den Startlöchern, die studiert oder eine Ausbildung absolviert hat, während die Welt in Euro- und anderen Wirtschaftskrisen steckt. Diese Generation hat wie selbstverständlich gelernt, dass die gewohnten Prinzipien von Sicherheit, lebenslangem Arbeitsplatz, Boni-Zahlungen und Mauscheleien nicht funktioniert haben.

Die die eigene Selbstverwirklichung der Anpassung vorzieht, lieber Freiberufler wird, anstatt in Unternehmen zu arbeiten, in denen sie sich kontrolliert und beschnitten fühlt. Diese Generation fordert Offenheit und Transparenz. In der Politik, in Unternehmen und auch im eigenen Freundeskreis.

Unternehmen mit Heimlichkeiten erscheinen dubios

Während die Elterngeneration noch panisch und sorgenvoll den öffentlichen Umgang des Privatlebens der eigenen Kinder beäugt, vor der Preisgabe des Privaten in sozialen Netzwerken warnt und am liebsten jedes eingestellte Foto verhindern würde, hat sich das Verständnis innerhalb dieser Generation bereits komplett gewandelt.

Dort herrscht nicht mehr die Angst, dass diese private Transparenz die Chancen im nächsten Bewerbungsgespräch verschlechtert, sondern im Gegenteil das Misstrauen, wenn es der zukünftige Chef, der potenzielle Arbeitgeber nicht genauso tut.

Es steht eine Generation in den Startlöchern, die nicht mehr bereit ist, sich den Wünschen des potenziellen Arbeitgebers um jeden Preis anzupassen. Vielmehr wird die Anpassung vom Arbeitgeber erwartet. Frei nach dem Motto: „Wenn ich bei dir arbeiten soll, will ich auch, dass mir das Spaß macht.“

Die Generation 30 ist gewohnt, immer und überall online zu sein. Quelle: David Shankbone http://piqs.de/fotos/150139.html

Diese Einstellung hat nichts mit Arroganz oder Realitätsverlust zu tun. Es ist schlicht die eigene Erfahrungswelt. Durch den ganz alltäglichen Umgang mit dem Internet und den Möglichkeiten der Vernetzung, der Offenheit, dem Umgang mit dem eigenen Wissen und den eigenen Fähigkeiten hat diese Generation gelernt, dass so mehr erreicht werden kann. 

Vernetzung erlaubt neuen Wissenszugang

Durch das neue Gemeinschaftsgefühl der Vernetzung wächst beispielsweise der Zugriff auf Wissen enorm. Sucht jemand heute eine Wohnung, fragt er zuerst im eigenen Onlinenetzwerk nach – und erst dann beim Immobilienmakler.

Ist die Generation 30 auf der Suche nach Wissen, das sie für die Arbeit braucht, verfährt sie ähnlich: sie sucht nicht, sie fragt. Irgendwer im eigenen, oft globalen Netzwerk wird die Antwort schon wissen oder den entscheidenden Tipp haben.

Unternehmen, die diese Art der Kommunikation nicht unterstützen oder im Gegenzug sogar verhindern möchten, indem der Zugang zu den privaten Netzwerken der eigenen Angestellten unterbunden wird, werden es zunehmend schwer haben, junge und motivierte Mitarbeiter zu finden. 

All diese Punkte, das gegenseitige Vertrauen, der neue Umgang mit Kommunikation und Transparenz, die ständige Suche nach Zufriedenheit und Flexibilität in der eigenen Arbeitsweise, stellen neue Herausforderungen an moderne Unternehmenskulturen.

Wichtige Entwicklungen auch im Tegernseer Tal

Manche Unternehmen beginnen bereits mit mutigen und großen Schritten, sich darüber Gedanken zu machen, neues auszuprobieren und zuzulassen. Das Softwareunternehmen Synaxgon hat beispielsweise die eigene Organisation komplett auf den Kopf gestellt. Dort entscheiden nicht mehr die Chefs, sondern jeder Einzelne darüber, wie er sich und seine Arbeit organisiert. Von Mitarbeitern eingebrachte Initiativen und Vorschläge werden von den Chefs umgesetzt, sobald sie genügend Unterstützer im eigenen Unternehmen haben.

Gerade für Unternehmen in ländlichen Gebieten wie im Tegernseer Tal können moderne Arbeitsformen zunehmend entscheidend werden, um im Wettbewerb um gute Mitarbeiter zu bestehen. Wenn man der prognostizierten Entwicklung glauben möchte, wird sich der Arbeitsmarkt, vor allem bei sehr gut ausgebildeten Mitarbeitern, bald grundlegend wandeln: Nicht mehr der Arbeitgeber wählt den Arbeitnehmer aus, sondern genau andersherum. Ein Arbeitgeber, der nichts zu bieten hat, wird kaum noch gutes Personal von sich überzeugen können.

Das sind Themen, die neben all den Diskussionen um Verkehr, Tourismus und einem wie auch immer geförderten Zuzug von Familien auch bei uns im Tal nicht zu kurz kommen sollten.


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