Ergebnisse zu Kreidls Doktorarbeit lassen weiter warten - ein Kommentar
Geopfert auf dem Altar der Unabhängigkeit

von Steffen Greschner

Gestern auf den Tag genau vor acht Monaten wurden erste Plagiatsvorwürfe gegen Landrat Jakob Kreidl laut. Acht Monate, in denen zweimal gewählt und Kreidl von seiner Partei erneut als Kandidat für den Posten des Landrats ins Rennen geschickt wurde.

Selbst die hartnäckigsten Medienvertreter kommen sich langsam dumm vor, das dreißigste Mal bei der Universität Kreidls anzurufen und nach Neuigkeiten zu fragen. Diese beruft sich auf ihre wissenschaftliche Unabhängigkeit – und vergisst dabei ihre Verantwortung.

Die Ergebnisse der Bundeswehruniversität zu den Plagiatsvorwürfen stehen seit acht Monaten aus.
Jakob Kreidl und die Öffentlichkeit warten seit Monaten auf die Ergebnisse der Bundeswehruniversität zu den Plagiatsvorwürfen.

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Die Universität der Bundeswehr München beruft sich konsequent auf ihre wissenschaftliche Unabhängigkeit bei der Prüfung der Doktorarbeit von Landrat Jakob Kreidl. Man lasse sich nicht vom Druck der Öffentlichkeit beeinflussen. Auch Wahltermine oder politischer Druck spielten keine Rolle, lässt der Pressesprecher ein ums andere Mal ausrichten.

Die Universität ist ganz einfach unabhängig. Und prüft … und prüft … und prüft … und vergisst dabei, dass der wissenschaftliche Betrieb nicht nur unabhängig ist, sondern auch eine Verantwortung hat. Die Verantwortung, zur Klärung eines Falles beizutragen, der viele Menschen beschäftigt und gleichzeitig politische Relevanz hat.

Wo kein Schuldspruch, da keine Schuld

Fehlende Ergebnisse führen dazu, dass alles weitergeht wie bisher. Wo kein Schuldspruch, da kein Schuldiger. Die ebenfalls unabhängigen Gerichte haben das inzwischen erkannt und versuchen zumindest zum Teil, ihrer Verantwortung gerecht zu werden: indem Straftäter möglichst schnelle Urteile und auch Strafen bekommen. Lerneffekt nennt man das.

Man macht es sich hinter den Universitätsmauern zu einfach damit, ein Prüfungsergebnis weder anzukündigen noch mit Nachdruck daran zu arbeiten. Es ist kein Angriff gegen die wissenschaftliche Unabhängigkeit, wenn eine Öffentlichkeit Ergebnisse erwartet zur Frage der Redlichkeit des höchsten Politikers im Landkreis. Des höchsten Repräsentanten seiner Bürger, der unter anderem Schülerleistungen auszeichnet und so als Vorbild dienen sollte.

Der Beantwortung offener Fragen verpflichtet

Die Wissenschaft hat sich selbst der Beantwortung offener Fragen verpflichtet. Genau darum genießt sie auch Unabhängigkeit von jeglicher Beeinflussung. Sie soll frei forschen und nach Antworten suchen können, ohne dass diese in religiöse, wirtschaftliche oder politische Muster passen müssen.

Genau solche Fragen sind es aber auch, auf die sich viele Menschen im Landkreis Antworten erwarten. Beantworten kann sie ihnen niemand anderes als die Wissenschaft – in Form der Universität der Bundeswehr München. Es wird – bei aller Unabhängigkeit – Zeit, dass man dieser öffentlichen Verantwortung gerecht wird.

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