Kinderland Weyarn expandiert kräftig im Oberland
Geschäftsmodell: Kinder

von Anita Westphal

Insbesondere berufstätige Eltern wissen ein Lied davon zu singen. Ganztagesplätze in der Kinderbetreuung sind ein seltenes Gut. Flexible Betreuungszeiten und wenig Schließtage – oft Fehlanzeige. Die Kinderland Weyarn GmbH hat aus dieser Not ein florierendes Geschäftsmodell gemacht.

Immer mehr Kinder im Landkreis kommen im Kinderland Weyarn unter.
Immer mehr Kinder im Landkreis kommen in Standorten im Kinderland Weyarn unter.

An den bestehenden Kinderland-Standorten Weyarn, Gmund, Bad Tölz, Holzkirchen und Wolfratshausen werden derzeit 300 Kinder im Alter von sechs Monaten bis 14 Jahren betreut. Geretsried soll Ende des Jahres öffnen. Wolfratshausen ist ebenso wie Holzkirchen im Ausbau. In der Marktgemeinde sollen die Gebäude für rund 160 Kinder an der Erich-Kästner-Straße im kommenden Jahr bezogen werden. Derzeit residieren eine Kindergarten- und eine Hortgruppe übergangsweise an der Baumgartenstraße.

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Kinderland-Geschäftsführerin Petra Götzenberger hat daher einen äußerst straffen Terminplan. Die 47-Jährige ist selbst Mutter von zwei Kindern im Alter von 4 und 7 Jahren. Die haben nach ihren Angaben „oberste Priorität“. Also kann es auch mal drei Anläufe benötigen, bis ein Interviewtermin zustande kommt. Ihre Rolle im Betrieb spielt sie herunter: „Dafür gibt es ein Verwaltungsteam von drei Personen.“

Dringender Bedarf an Ganztagesplätzen

2009 gründete die gelernte Betriebswirtin zusammen mit der Erzieherin Christine Meier die Kinderland Weyarn GmbH. Grundlage war ihre Aktivität in einer Elterninitiative zur Betreuung von Kleinkindern, „die innerhalb eines Jahres förmlich explodiert ist“. Um die nötige Rechtssicherheit auch als Partner für die Gemeinde Weyarn zu schaffen, wurde aus dem eingetragenen Verein eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung.

„Uns wurde immer bewusster, wie dringend Ganztagesplätze für Krippen-, Kindergarten- und Hortkinder benötigt werden.“ Aber: „Es gibt keine strategische Expansionsplanung. Bisher sind die jeweiligen Kommunen und Unternehmen auf uns zugekommen“, sagt die 47-Jährige. Das Erfolgsmodell liegt wohl in der maximalen Flexibilität.

Das Alter der betreuten Kinder kann zwischen sechs Monaten und 14 Jahren liegen. Zudem werden die Kinder das ganze Jahr über in den Einrichtungen aufgenommen. Die Öffnungszeiten variieren je nach Standort und dem Bedarf der Eltern. In Weyarn ist dies von Montag bis Freitag von 6.45 Uhr bis 20 Uhr. Das kommt vor allem den berufstätigen Eltern zugute. In geschätzten 95 Prozent der Kinderland-Familien arbeiten beide Elternteile. Petra Götzenberger spricht vom „Diktat der Vollzeit“ in der modernen Arbeitswelt.

Ergänzung statt Notnagel

Der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz bringt viele Kommunen in Bedrängnis. Die Geschäftsführerin will das Kinderland jedoch nicht als Notnagel verstanden wissen: „Ich würde eher sagen, dass unser Modell die kommunalen oder kirchlichen Einrichtung ergänzt und das Angebot der Kinderbetreuung abrundet und erweitert.“

Gewinnmaximierung steht nach eigenen Aussagen nicht im Vordergrund: „Wir sind zufrieden mit einer soliden schwarzen Null.“ Qualität in der Kinderbetreuung hängt erfahrungsgemäß eng mit gut ausgebildetem, motiviertem Personal in ausreichender Zahl zusammen: „Bisher konnten wir noch jeden entstandenen Bedarf decken und den Betrieb gut stemmen“, heißt es optimistisch.

Kinder
Kinder sollen beim Kinderland trotz Expansion im Mittelpunkt stehen.

Bezahlt werde leicht übertariflich. Das Schichtensystem durch die langen Öffnungszeiten käme den Bedürfnissen der Mitarbeiterinnen entgegen. Dazu biete das Unternehmen durch die Expansion beste Aufstiegschancen.

Das Team besteht derzeit insgesamt aus 66 Köpfen. Auf der Website stehen weitere Stellenangebote für Sozialpädagogen, Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen und Sozialpädagogische Assistenz. Fluktuation ist offenbar ein Thema, das Götzenberger weglächelt. Es gebe Wechsel insbesondere aufgrund von Schwangerschaften in einer „kinder-affinen Gruppe“.

Ein „stabiler Kern“ an Personal sowie offene Gruppenkonzepte sorgten jedoch dafür, dass die Kinder immer vertraute Abläufe und Strukturen vorfänden. Und: „Kinder brauchen Kinder, um ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln und sich zu entfalten.“

Vertreter der Kinder

Verschiedene Sprachen und Kulturen sowohl beim Personal, als auch bei Eltern und Kindern sieht man als „bereichernd, anspruchsvoll und doch normal“. Förderung von sozialen Kompetenzen, musikalische Früherziehung, Sport und Bewegung, Natur- und Waldpädagogik werden geboten. Ein Küchenteam sorgt für ein gesundes und schmackhaftes Essen.

Auch wenn das auf der hochprofessionellen Website „Foodkonzept“ heißt, will die Geschäftsführerin die Angebote nicht auf Marketing-Etiketten reduzieren lassen: „Wir sind Vertreter der Kinder. Sie sollen bei uns Spaß haben, sich wohlfühlen und den Umgang miteinander lernen.“ Auch das gehört zum expandierenden Geschäftsmodell „Kinderland“.

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