Rottacher Traglufthalle: Günstige Einkaufsmöglichkeit ausgebremst
Gesetz torpediert Asyl-Laden

von Robin Schenkewitz

Positives Fazit zu den ersten zwei Tagen Traglufthalle in Rottach-Egern: Die jungen Männer seien einfach nur dankbar. Sorgen bereitet den Verantwortlichen derzeit allerdings, ob die Männer mit dem Essensgeld über den Monat kommen. „Das halte ich für fast unmöglich.“

Seit vergangenen Montag sind die Asylbewerber in die Rottacher Traglufthalle eingezogen.
Seit vergangenen Montag sind die Asylbewerber in die Rottacher Traglufthalle eingezogen.

Allen Befürchtungen zum Trotz: Die ersten zwei Tage, in denen Asylbewerber in der Traglufthalle in Rottach-Egern untergebracht sind, verliefen reibungslos. „Es ist wirklich gut gelaufen“, verkündete Gabriele Schultes-Jaskolla (FWG) gestern im Rottacher Gemeinderat.

Auch der vom Landratsamt angestellte Kümmerer Franz Sailer sei eine echte Bereicherung für die Halle, so die Verantwortliche für den Helferkreis weiter. „Ein gestandenes Mannsbild mit einem großen Herz“, beschreibt Jaskolla den Mann, der sich Vollzeit mit den Belangen der Asylbewerber beschäftigen soll.

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Angekommen sind im Übrigen weniger Asylbewerber als gedacht. 50 sollten kommen, am Ende waren es nur 47. “Drei sind offenbar nicht auffindbar”, so Bürgermeister Christian Köck (CSU). Aber das sei nicht das Problem von Rottach, sondern vom Landratsamt.

“Positiv überrascht”

Laut Thomas Tomaschek (Grüne), ebenfalls vom Helferkreis, seien die Helfer in den ersten Tagen bemüht, dass immer ein bis zwei Ansprechpartner in der Halle sind. „Das hat bisher auch gut geklappt“, so Tomaschek. Die ersten Tage waren für die Neu-Rottacher aber ohnehin voll durchgeplant. In zehn Gruppen wurde den Asylbewerbern der Ort gezeigt und das Essens- und Taschengeld bei der Gemeinde abgeholt.

„Ich bin von den Menschen positiv überrascht“, gestand Tomaschek gestern Abend. Sie seien überhaupt nicht „auf Krawall gebürstet“, sondern einfach nur dankbar aus der Tegernseer Turnhalle heraus zu sein, „die ja doch nicht optimal ist“. Jaskolla plädiert daher dafür, auch wenn es ein aktuell nicht besonders beliebter „Merkelsatz“ sei, den Flüchtlingen im Ort ein freundliches Gesicht zu zeigen: „Das tut uns allen gut“, glaubt die Gemeinderätin.

Heut treffen sich im Rathaus auch die im Helferkreis für die Deutsch-Kurse zuständigen Personen zur Abstimmung. Vielleicht schon ab morgen, sicher aber nächste Woche könnten dann die ersten Kurse beginnen, glaubt die Gemeinderätin. „Das ist ein ganz großes Thema“ so Jaskolla.

Viele Probleme mit Einkaufsladen

Kochen werden die Asylbewerber ab sofort selbst, 141,85 Euro stehen ihnen dafür monatlich zur Verfügung. Alexandra Wurmser (CSU) ist allerdings skeptisch, dass sich die Männer davon den ganzen Monat werden versorgen können.

„Auf Tage heruntergebrochen sind das 4,73 Euro. Das halte ich fast für unmöglich“, so Wurmser. Schließlich würde ja jeder sein kleines Päckchen Nudeln oder was auch immer einzeln kaufen.


Was passiert, wenn am 15. das Geld ausgeht?

Jaskolla gibt zu, dass diese Probleme natürlich auftreten können. Nicht nur, weil die Lebensmittelpreise in Rottach hoch und zudem viele der Produkte, die die Asylbewerber von zu Hause kennen, hier unter Feinkost laufen. Sondern auch, weil manche Asylbewerber das Geld für Alkohol ausgeben oder es in die Heimat schicken.

Was dann passiere, kann Jaskolla noch nicht sagen, aber: „Wir wollen in der Halle alle gleich behandeln. Daher werden wir nicht hergehen, und demjenigen einfach Geld vom Spendenkonto in die Hand drücken.“ Man werde hier sicherlich eine Lösung finden, so Jaskolla. Sie werden dann wieder berichten.

Erst einmal nicht zustandekommen wird allerdings ein geplanter Laden, den fünf Frauen errichten wollten. Dort hätten sie den Asylbewerbern ohne Gewinn Waren angeboten, die sie vorher dank größerer Mengen günstiger als im Supermarkt hätten Kaufen können. „Aber hier gibt es noch viele Probleme.“ Die Lagerung der Lebensmittel sowie Umsatz- und Gewerbesteuer würden den Helfern das Leben schwer machen. „Dabei wollen wir ja nicht das Einkaufszentrum des Oberlands werden.“

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