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Streit ums Wiesseer Badehaus geht weiter

Gesundheitsexperte legt gegen Höß nach

Er will die Schmach nicht ruhen lassen. Der „überdimensionierte Kasten“ als neues Jodschwefelbad von Bad Wiessee sei Vorgabe der Gemeinde Bad Wiessee gewesen, wehrt sich Hans-Jörg Rippe. Das neue Badehaus neben dem Badepark schließe nach den derzeitigen Planungen „eine Kassenzulassung zwingend aus“ und sei so ein Fass ohne Boden.

Weiter Ärger um das geplante Jodbadareal in Bad Wiessee
Weiter Ärger um das geplante Jodbadareal in Bad Wiessee.

Wie berichtet, kommt es nun ziemlich dick für die Gemeinde Bad Wiessee, die noch um eine stattliche Förderung für das neue Badehaus von Architekt Matteo Thun bangt. In trockenen Tüchern ist noch nichts. Glaubt man dem ehemaligen Abteilungsleiter der AOK, Dr. Hans-Jörg Rippe, schließt er angesichts der jetzigen Konstruktion eine zwingende Kassenzulassung aus.

Rippe beriet die Gemeinde bis letztes Jahr als Gesundheitsexperte für das neue Bad. Er sollte die Zukunft des Jodschwefelbades mitgestalten. Doch im Herbst kam es zum Bruch, weil die Gemeinde ihre Jodbad-Planung selbst in die Hand nahm. Rippe sieht nun in dem gemeindlichen Konzept erhebliche Mängel und Risiken. „Das Badehaus ist nicht aus Sicht der Mediziner entstanden, sondern nur aus dem Blickwinkel der Architektur. Die Gemeinde hat niemanden, der den notwendigen Sachverstand mitbringt, was später aus einer solchen Einrichtung werden soll“, moniert Rippe nun.

Zum einen werden die notwenigen Patienten-Betreuungsnetzwerke nicht abgebildet und die baulichen Voraussetzungen entsprechen nicht den Bedingungen, die seit dem 1. Januar 2016 bundesweit gelten. Daran müsste man sich eigentlich orientieren, wenn man eine neue Einrichtung schafft.

Wenn ein Kassenvertreter diese Planungen des Badehauses genehmigen würde, dann hätte er mit seinen eigenen Bestimmungen Probleme. „Kein Vorstand einer Krankenkasse möchte für eine Ausgabe haften, die ihn selber belasten könnte“, so der ehemaligen AOK-Abteilungsleiter auf diesem Gebiet. Der schließe daraus, dass die Gemeinde die Jodbäder wohl nur Selbstzahlern anbieten wolle.

Rippe widerspricht Höß

In einem Offenen Brief von heute an Wiessees Bürgermeister Peter Höß beklagt Rippe, dass dieser „nicht richtige Aussagen“ über den damaligen Investor Joachim Heby und seine h&h Consulting AG verbreite. Höß hatte behauptet, Heby sei zwar Gewinner einer EU-weiten Ausschreibung gewesen, habe sich aber nicht an die Vorgaben gehalten.

Der Münchner Unternehmer habe einen überdimensionierten Kasten hinstellen wollen, der der Gemeinde eine gigantische Pacht von 30.000 Euro pro Monat gekostet hätte. Dem widerspricht nun Rippe: „Der Umriss des Gebäudes und der Standort waren vom Städteplaner der Gemeinde, Herrn von Angerer, vorgegeben worden“. Und die Geschoßhöhen würden ziemlich genau den Höhen entsprechen, die Architekt Matteo Thun für das Hotel und 2013 für das Ärzte- und Bäderhaus geplant habe. „Genau diese hat der Investor Heby mit aufgenommen“, so 68-Jährige.

Es sei ein Punkt erreicht, wo nun gebetsmühlenartig immer wieder dem seinerzeitigen Investor in die Schuhe geschoben werde, er hätte falsch und zu teuer geplant. „Beides stimmt definitiv nicht“, versichert der promovierte Psychologe. Es werde zwar immer mit den 30.000 Euro Miete im Monat operiert. Doch dahinter verberge sich ein Quadratmeter-Mietpreis von 21,50 Euro.

Dieser Preis schließe sämtliche notwendigen technischen Einrichtungen ein, einschließlich der Wassertechnik. „Der Mietpreis ist schon im Jahr 2012 in die ersten Dokumente zur Überprüfung der Wirtschaftlichkeit eingeflossen. Dieser Quadratmeter-Mietpreis wurde quasi von der Gemeinde vorgegeben, zudem wollte die Gemeinde diese Fläche von etwa 1.400 Quadratmetern“, rechnet Rippe vor.

Statt schwarzer Null nun jahrelange Verluste?

Was Investor Heby geplant hatte, „war kassenkonform. Dies ist Mitte September vergangenen Jahres von Heby und mir mit der AOK und den Berufsgenossenschaften in München abgesprochen worden“. Dahinter stehe ein Wirtschaftlichkeitskonzept. „Heby war bereit, der Gemeinde 2,5 Millionen Euro für das Grundstück zu zahlen und auf der anderen Seite war er bereit, neun Millionen zu investieren. Diese 30.000 Euro Miete hätte die Gemeinde gar nicht zahlen müssen, die wäre aus den Erlösen der Jodbad-Betreibergesellschaft gekommen. Die Wirtschaftlichkeitsberechnung habe so ausgesehen, dass Heby die Hälfte der Anteile der Betreibergesellschaft übernehmen wollte und damit auch zur Hälfte das Risiko“.

Vorstand Joachim Heby sei als Investor weltweit tätig, der wisse, wie man Geld verdienen könne. Die Homepage der h&h Consulting verweist als Referenzen auf Wellness-und Reha-Einrichtungen in mehreren Luxushotels. Doch für Rippe steht fest:

Eine schwarze Null wäre nach relativ kurzer Zeit erzielbar gewesen. Dem gegenüber steht heute nach Angaben des Bürgermeisters ein deutlicher Verlust auf viele Jahre.

Tatsächlich dürfte nach neuesten Berechnungen der gesamte Badekomplex ein Loch von 6,7 Millionen Euro in die Kasse des Kämmerers reißen. Die Stellungnahme durch Vize-Bürgermeister Robert Huber (SPD) zu den Vorwürfen Rippes ist knapp: „Wir erfüllen alle Auflagen hinsichtlich der Kassenzulassung“. Ansonsten würden die von Rippe aufgeworfenen Fragen zur Beantwortung durch die jeweiligen Fachplaner noch einige Tage in Anspruch nehmen.

Möglicherweise wird die angedrohte Schadensersatzklage von Heby die Wiesseer Amtsstuben noch länger beschäftigen.


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