Gmund will weiter wachsen

Gewerbeansiedlungen klar im Vorteil

Von Martin

Das kleine Gmunder Gewerbegebiet in Festenbach wächst und wächst. Der Bauausschuss hat nun der Schreinerei Raßhofer grünes Licht für eine Erweiterung im Außenbereich gegeben. Holz und allerlei Baustoffe lagern derzeit noch im Freien. Dafür soll nun ein neues Lager entstehen.

Aber kommt es einem nur so vor, oder werden Gewerbetreibende grundsätzlich und im speziellen auch in Gmund privaten Bauherren gegenüber bevorzugt? „Baurecht ist nicht starr“, sagt Gmunds Bauamtsleiterin Christine Lang und ergänzt: „Wir versuchen natürlich, dass sich Gewerbe im Ort ansiedelt und hier auch bleibt.“

Gewerbesteuer ist ein wichtiger Posten im Haushalt

Durch die Ansiedlung von Gewerbe lässt sich Geld verdienen, und das nicht zu knapp. Gerade die Entwicklung der Gewerbesteuereinnnahmen hat Bürgermeister Georg von Preysing Anfang 2011 noch große Sorgen bereitet. Ist sie doch seit 2009 von 3,7 Millionen auf 1,3 Millionen Euro in 2011 gesunken. Auch ein Grund warum sich von Preysing damals vehement für die Erhöhung des Hebesatzes aussprach.

Das Gewerbegebiet in Ortsteil Festenbach ist laut Bauamtsleiterin Lang seit 1999 von der Gemeinde als solches ausgewiesen. Ein Bürgerentscheid mit einer 70-prozentigen Mehrheit führte damals dazu. Seither haben sich unter anderem eine Spenglerei, ein Malerbetrieb und eine KFZ-Werkstatt angesiedelt.

Die in Gmund-Festenbach beheimatete Schreinerei Raßhofer will erweitern.

Die Schreinerei Raßhofer gibt es schon seit 30 Jahren. 1999 ist der Familienbetrieb nach Festenbach umgezogen. Und die Geschäfte scheinen so gut zu laufen, dass Firmenchef Johann Raßhofer (53) expandieren will. „Das Lager soll nicht nur der Unterbringung dienen, sondern auch unseren Mitarbeitern die Arbeit erleichtern und ganz allgemein die Arbeitsbedingungen verbessern“, so Raßhofer, der hofft noch dieses Jahr mit der Erweiterung seines Betriebs beginnen zu können.

Die Erlaubnis hat er zumindest nach dem nun gültig gewordenen Beschluss der Gemeinde. Offen ist noch die formale Erlaubnis des Landratsamtes zur Änderung des Bebauungsplans. Denn eigentlich dürfte die bebaute Grundfläche des Geländes von maximal 3.000 Quadratmetern laut aktuellem Bebauungsplan nicht überschritten werden. Die Pläne der Schreinerei tun dies aber um 680 Quadratmeter.

Doch das ist nicht weiter tragisch. Die Gemeinde setzt laut Bauamtsleiterin Lang vieles daran es den ortsansässigen Betrieben so einfach wie möglich zu machen. „Ziel ist es natürlich diese im Ort zu halten“, sagt Sie und ergänzt: „Das versuchen wir bei privaten Bauanträgen natürlich genauso.“

Doch müsse man bei Wohnhäusern auch die Belange der Nachbarschaft berücksichtigen. Eine Genehmigung hier, ein neues Haus dort und die umliegenden Immobilienbesitzer kommen mit ähnlichen Begehrlichkeiten daher.

Bewilligung für Hausbauer nicht so einfach

So war es in der Bauausschusssitzung im Februar kaum verwunderlich, dass bei dem Antrag zu einer Wohnimmobile am Setzbergweg eine eingehende Ortsbesichtigung beschlossen wurde. „Die Höhenverhältnisse sind aus den Bebauungsplänen nicht ersichtlich. Es geht auch um ein Gebiet auf einer Anhöhe“, erklärte damals Bürgermeister Georg von Preysing und legte den Gremiumsmitgliedern eine Vertagung der Angelegenheit nahe, inklusive Vororttermin mit Schaugerüst.

Einen solchen Vororttermin brauchte es bei der Schreinerei Raßhofer nicht – hier verzichtete das Gremium auf eine Begutachtung der Lage. „Das Baurecht ist kein starres Recht“, meint Lang. Doch gerade aufgrund der Änderungen bei der Nutzung privater Wohnimmobilien in den vergangenen Jahrzehnten brauche es den prüfenden Blick der Gremien.

So ist beispielsweise die durchschnittliche Größe einer Wohnung von 50 auf rund 100 Quadratmern angewachsen. Andererseits seien die durchschnittlichen Grundstücksflächen privater Eigenheime von 1.000 auf im Schnitt 600 Quadratmeter geschrumpft. Das läge nicht nur an den Kosten. „Wer will heute noch einen Garten vor dem Haus pflegen“, gibt Lang einen beispielhaften Grund für den Rückgang an.

Gewerbe wird nicht grundsätzlich bevorzugt

Bei jedem Bauantrag müsse man immer den Einzelfall betrachten. Von einer Bevorzugung des Gewerbes gegenüber Wohnflächen will Lang hier nicht sprechen, „Man kann es aber sicher auch nicht absprechen“, sagt Lang. Generell geht es am Ende halt auch um die Gewerbesteuer für die jeweilige Gemeinde.

In jedem Fall will sich Gmund fit für den Flächenbedarf der Zukunft machen und hat einen neuen und überarbeiteten Flächennutzungsplan für den Innenbereich der Gemeinde in Auftrag gegeben. Bis dieser fertig gestellt ist, werden allerdings noch zwei bis drei Jahre vergehen. So die Information aus dem Rathaus.

Ein Memminger Büro digitalisiert aktuell den derzeit gültigen Flächennutzungsplan von 1994. Auch sämtliche Änderungen und Anpassungen sollen laut Lang darin eingearbeitet werden. Dann werden auch wieder neue Bebauungsgebiete für Private und Gewerbetreibende geschaffen werden.


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