Glashütter Steinbruch in der Kritik: Bewohner wenden sich an Landtag

Von Peter Posztos

Ergänzung vom 9. Dezember / 1:47 Uhr
Noch im Juli war der Kreuther Bürgermeister Josef Bierschneider überzeugt, dass sich beim umstrittenen Glashütter Steinbruch alles zum Guten wenden wird. „Ich gehe davon aus, dass wir eine breite Lösung finden,“ so Bierschneider auf Nachfrage.

Doch mittlerweile hat sich die Situation eher verschärft denn entspannt. Die „Krisen-Gespräche“ zwischen Gemeinde und Anwohnern hätten zwar stattgefunden. Gebracht haben sie scheinbar aber nichts. Wie der Merkur berichtet wollen die Glashütter nun mithilfe des SPD-Landtagsabgeordneten Florian Ritter eine Petition an den Vorsitzenden des Landwirtschafts-Ausschusses übergeben.

Der Steinbruch oberhalb des Kreuther Ortsteils Glashütte.

Etwas mehr als die Hälfte der 80 Einwohner des Kreuther Ortsteils hätten das Schriftstück unterzeichnet. Und die Bewohner verlangen weitreichende Entscheidungen vom Landtag: Dieser soll den Beschluss aus 2005 aufheben und die Nutzung des Steinbruchs verbieten.

Dabei geht es um fehlende Schriftstücke, nicht eingehaltene Vorgaben und eine Genehmigung, die nie auf einen „Abbau im großen Stil“ ausgelegt war.

Vor allem die Belastung durch den Schwerlastverkehr, der Kies und Schotter aus dem Steinbruch mitten durch die bewohnten Gebiete transportiert, wird in der Petition anschaulich dargestellt.

Dabei machen die 45 Unterzeichner ihre Position klar: „Ein Vorrang der Ausbeutung der Landschaft, durch einen privaten Staatsforst vor der Lebensqualität und dem Fremdenverkehr als dauerhafte Grundlage für die örtliche Wirtschaft, ist für uns nicht akzeptabel.“

Viele Fragen, viele Antworten

Dabei ist auch klar, viele der Fragen, die die Anwohner in ihrer Petition nun stellen, wurden Florian Ritter bereits im September im Rahmen einer schriftlichen Anfrage beantwortet. Damals meinte das Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten beispielsweise zum Einwand „der Abbau diene nicht mehr dem Eigenbedarf „:

Der Eigenbedarf für den forstlichen Wegebau (erhebliche Vorteile durch Verwendung heimischen Materials auch hin­ sichtlich des Naturschutzes) und Zwecke der Wildwasser­verbauung, insbesondere für den Hochwasserschutz, sind hier besonders wichtig.

Zudem ist es ein Anliegen der regionalen Wirtschaft, mit regionalen Rohstoffen versorgt zu wer­den. Die Verwendung für Dritte ist insbesondere bei Koppelprodukten (z. B. eigene Verwendung der Flussbausteine für den Hochwasserschutz, anfallender Schotter wird veräußert) we­gen geringer Lagermöglichkeiten sinnvoll und notwendig.

Und auch den Vorwurf, der Steinbruch befinde sich im sogenannten „Natura-2000-Gebiet Mangfallgebirge“, kontert das Amt mit einer knappen Antwort. „Der Steinbruch selbst liegt außerhalb des Natura­-2000­-Gebietes. Lediglich die Zufahrt verläuft auf einer bestehenden Straße durch das Gebiet.“

Es wird also spannend zu sehen sein, ob Florian Ritter den Glashüttern tatsächlich helfen kann oder sich die Bewohner nicht in einen „aussichtslosen“ Kampf verrennen. Zu wünschen wäre es ihnen, dass Sie mit ihrer Petition tatsächlich eine Wende im Streit um ihren ungeliebten Steinbruch herbeiführen könnten.

Ursprünglicher Artikel vom 15. Juli mit der Überschrift: „Glashütter Steinbruch in der Kritik: Ich gehe davon aus, dass wir eine breite Lösung finden“

Josef Bierschneider informierte im Gemeinderat

Der Steinbruch in Glashütte beschäftigt die 80 Bewohner des Kreuther Ortsteils direkt an der österreichischen Grenze. Alleine zehn von Ihnen hatten gestern Abend den Weg in die Kreuther Gemeinderatssitzung gefunden.

Denn das Thema ist hoch-emotional. Den Anwohnern geht es einerseits um die Sicherheit ihrer Kinder und vor allem um die Reduzierung der immer stärker werdenden Lärm- und Staubbelastung.

In einer Idylle wie Glashütte ein doppeltes Problem.

Nachdem es bereits am 07. Juli ein Treffen mit Anwohnern, Forstbetrieb und Gemeindeverwaltung gegeben hatte, wollte Bürgermeister Josef Bierschneider gestern Abend über den aktuellen Stand informieren.

Derzeit ruht der Betrieb im Steinbruch. Der Leiter des zuständigen Forstbetriebes hatte in einem Schreiben Anfang der Woche angekündigt, dass der Abbau bis zur endgültigen rechtlichen Klärung erstmal eingestellt werde.

Offen ist vor allem die Frage, in wieweit das Landratsamt den Steinbruch in dieser Form hätte überhaupt freigeben dürfen. Das Genehmigungsverfahren aus dem Jahre 2005 sah eine Einbeziehung der Anlieger vor. Diese wurden jedoch nach vorliegenen Kenntnissen nicht befragt.

Martin Walch von der SPD machte klar, was die seiner Meinung nach wichtigsten Punkte sind:

Wir müssen klären, ob es eine rechtswirksame Genehmigung hätte geben sollen. Zumindest die gewerbliche Nutzung muss verhindert werden. Und auch die Taktung sollte eingeschränkt werden.

Laut Bierschneider prüft das Landratsamt derzeit den damaligen Vorgang. Kann jedoch die Unterlagen von vor sechs Jahren nicht finden. Weshalb sich auch die weitere Prüfung verzögert.

Der Bürgermeister wies darauf hin, dass möglicherweise ein nachträgliches Genehmigungsverfahren durchgeführt werden muss. Für diesen Fall hat die Gemeinde vorgesorgt und eine Art Forderungskatalog an das Landratsamt geschickt. Darin sind alle Punkte enthalten, die bei einer erneuten Genehmigung des Steinbruchs eingehalten werden müssten. Das Hauptziel: Der Schutz der Glashütter Bürger.

Vor allem der Emissionsschutz ist den Bürgern ein großes Anliegen. Ob Staub oder Lärm. Die Belastung war in diesem Jahr sehr groß. Und auch das Argument des Staatsforstes, dass es „nur“ maximal 35 Fahrten sind zählt laut einem anwesenden Glashütter nicht.

Für mich besteht eine Fahrt aus hoch und runter. Denn der Lader kommt zweimal an meinem Haus vorbei. Das sind also keine 35, sondern 70 Fahrten.

Ob es am Ende zu einer geringeren Taktung oder sogar einer Alternativtrasse kommt, ließ Bierschneider offen. Das Versprechen der Gemeinde Kreuth hinter den Glashütter Bürgern zu stehen, hatte er zwar mitgebracht. Aber wie sich die Verhandlungen mit dem Forstamt entwickeln, konnte auch er nicht sagen.

Wir unterstützen die Bürger soweit es rechtlich möglich ist. Und ich gehe davon aus, dass wir eine breite Lösung finden, die allen hilft.


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