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So humorvoll verabschiedete sich Otmar Straßmüller vom Gemeinderat

Gmund – knapp an der Monarchie vorbeigerutscht

Von Nicole Kleim

Gmund Bürgermeister Georg von Preysing klang fast ein wenig sentimental, als er seinen langjährigen Weggefährten und Freund Otmar Straßmüller gestern im Gemeinderat verabschiedete. Die beiden lieferten sich einen heiteren Schlagabtausch, der nur durch Straßmüllers Begründung für sein Ausscheiden etwas gedämpft wurde.

Gut gelaunt überreichte Georg von Preysing das „symbolische“ Abschiedsgeschenk (links) Otmar Straßmüller (rechts).

Dies sei ein Punkt auf der Tagesordnung, der ihm nicht so gut gefalle, verkündete Gmunds Bürgermeister Georg von Preysing (CSU) in der gestrigen Sitzung. Gemeinderatsmitglied Dr. Otmar Straßmüller (FWG) hatte bereits im Vorfeld einen Antrag gestellt, ausscheiden zu dürfen.

Sein Rücktrittsgesuch müsse nicht mehr – wie noch vor ein paar Jahren üblich – angenommen werden, machte von Preysing zu Beginn seiner Abschiedsrede deutlich. Heute reiche es aus, wenn es der Gemeinderat zur Kenntnis nehme. Er persönlich bedauere den Rücktritt sehr, respektiere und verstehe aber die Entscheidung. Er nannte „persönliche Gründe“, die Straßmüller dazu bewogen hätten, aufzuhören. Straßmüller selbst definierte diese später genauer.

Von Preysing zu Straßmüller: „Du bist Methusalem“

Doch zunächst fuhr von Preysing fort. Trotz unterschiedlicher Auffassungen habe Straßmüller ihn immer auf den richtigen Weg geführt, lobte er die Zusammenarbeit mit seinem langjährigen Weggefährten im Gemeinderat. Seit 1984 – und damit seit fast 34 Jahren – sei der Allgemeinmediziner im Gemeinderat dabei. Man könne deshalb schon nicht mehr von einem „politischen Urgestein“ sprechen. „Du bist Methusalem“, stellte von Preysing mit Blick auf Straßmüller und einem Lächeln im Gesicht fest.

24 Jahre habe er im Finanzausschuss mitgewirkt und darüber entschieden, „was die mit unserem Geld machen“, schilderte der Bürgermeister Straßmüllers Werdegang. Seit 2008 sitze er im Ortsplanungs-, seit 2014 im Kultur-
und Tourismusausschuss. Er sei zudem Delegierter im Abwasserzweckverband und seit 2015 als medizinischer Betreuer im Gmunder Asylhelferkreis tätig gewesen, bevor er Anfang 2017 deren Sprecher wurde. Besonders „schwer aktiv“ sei er gewesen, wenn es um die italienischen Freunde Fauglias der Gemeindepartnerschaft ging.

„A gscheite Übergabe“ beim Busservice gewünscht

Von Preysing verglich Straßmüller mit einem Leistungssportler, der körperlich „abfalle“, wenn er mit seinem Sport aufhöre. „Also nicht sofort aufhören, gell?“ scherzte er. Vor allem bei den Gemeindefahrten werde er abgehen, blödelte von Preysing weiter:

Du warst immer für die Getränke im Bus verantwortlich. Ich muss eine gscheite Übergabe machen. Du musst auch eine gscheite Übergabe machen. Du musst Dir was einfallen lassen.

Er wolle keine Grabrede halten, deshalb „mache er es auch nicht so lang“, fuhr von Preysing fort. Straßmüller habe in „34 Jahren viel für die Gemeinde geleistet“. „Du hast mir Sachen mitgegeben, die mir geholfen haben“, sagte er in einem sehr persönlichen Ton zu seinem langjährigen Gemeinderatsmitglied.

Dann bekam Straßmüller sein Abschiedsgeschenk überreicht – einen handgroßen bayerischen Löwen auf einem Sockel. Von Preysing kommentierte mit einem Augenzwinkern: „Es ist vorerst nur symbolisch“ – zum einen sei die Plakette mit der Widmung auf dem Postweg „abhanden gekommen“, zum anderen würden die Schrauben fehlen, die den Löwen zusammenhalten.

Gmund kann keine Monarchie sein

Lachend nahm Straßmüller sein Geschenk entgegen und erklärte, dass der Gemeinderat ihm einmal vorgeworfen habe, „so wenig zu reden“. Das hole er hiermit nach. Er sei gerne Gemeinderat gewesen und „stolz darauf“, dass dies in Gmund möglich war, so der Mediziner. Dann folgte ein kurzer Rückblick auf sein Leben: Er sei im niederbayerischen Pfarrkirchen zu Zeiten einer nationalsozialistischen Diktatur aufgewachsen und habe noch Stalingrad miterlebt.

Seine Jugend sei vom dritten Reich geprägt gewesen, die Demokratie habe damals noch „in den Kinderschuhen“ gesteckt. In der Schule habe er dann gelernt, so Straßmüller weiter, dass die beste Staatsform die Monarchie sei, aber – mit einem „fehlerfreien Herrscher an der Spitze“. Von Preysing unterbrach: „Wie bei uns eben“. Straßmüller ignorierte den Einwand und erntete Gelächter als er unbeirrt fortfuhr:

Schorsch, da Du die Kriterien nicht erfüllst, ist bei uns eben die Demokratie die beste.

Er verstehe Demokratie im Gemeinderat so, dass er „vielen Leuten“ gerecht werde, fuhr Straßmüller fort und erinnerte an bereits verstorbene und noch lebende ehemalige Gemeinderatsmitglieder, die ihre Aufgabe mit Bravour erfüllt hatten. Stolz sei er auch auf den „stattlichen Maximilian“, der ihn 34 Jahre lang begleitet habe und der jetzt „kurz vor der Vollendung“ stehe.

Straßmüller hat Herzprobleme

Mit seinem Nachfolger werde das Durchschnittsalter um zwei Jahre sinken, erklärte das scheidende Gemeinderatsmitglied, woraufhin von Preysing spontan äußerte: „Aber das Körpergewicht steigt.“ Einen Dämpfer bekam der humorvolle Schlagabtausch zwischen den beiden, als Straßmüller den Grund seines Ausscheidens nannte: Im November habe man bei ihm eine „Herzattacke“ festgestellt. „Da sind jetzt noch ein paar Baustellen festgestellt worden“, ließ er die Ratskollegen wissen.

Von Preysing versuchte es mit Heiterkeit: „Wir haben noch irgendwo ein Ersatzteillager.“ Spätestens dann, wenn sein Sohn demnächst heirate, sehe man sich ja wieder, versuchte er sich über den Abschied seines Freundes hinwegzutrösten. Nach diesen Worten nahm der Gemeinderat die Amtsniederlegung von Straßmüller einstimmig an. Straßmüller selbst musste sich der Stimme enthalten.

Als Nachfolge-Kandidat steht nun Josef Stecher auf der Liste. Sollte er das Amt annehmen, wäre eine Vereidigung in der nächsten Gemeinderatssitzung möglich.


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