Bürgermeisterwahl in Gmund:
“Gmund muss weg vom reinen „Durchfahrtsort“:” Babette Waxenberger im Interview

Seit gestern ist klar: Babette Waxenberger tritt bei der kommenden Bürgermeisterwahl in Gmund für die CSU an. Das will sie in der Gemeinde verändern:

Babette Waxenberger wurde mit 96,4 Prozent zur CSU-Bürgermeisterkandidatin gewählt. / Foto: CSU Gmund

Vor etwa drei Jahren erzählte uns Babette Waxenberger: “Ich möchte mich gerne für unsere Gemeinde und Heimat einsetzen und deren Zukunft mitgestalten.” Damals wollte die Juristin in den Gmunder Gemeinderat. Jetzt geht sie als Kandidatin der CSU in die Bürgermeisterwahl.

Was hat Sie dazu bewegt, sich für die Position als Bürgermeisterin zu bewerben, und welche Vision haben Sie für unsere Gemeinde? 

Babette Waxenberger: Ich möchte die Zukunft meiner Kinder aktiv mitgestalten und Verantwortung übernehmen, unsere wunderschöne Heimat zu bewahren. Dafür möchte ich anpacken und mit neuen Ideen unter Einbeziehung von Altbewährtem das Leben in unserer Gemeinde für Alt und Jung, alteingesessen und zugereist, unter Berücksichtigung der verschiedenen Interessen, attraktiv gestalten.

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Welche konkreten Schwerpunkte oder Projekte würden Sie in Ihrer Amtszeit als Bürgermeisterin umsetzen wollen, um die Gemeinde voranzubringen? 

Waxenberger: Ich möchte junge Bürger, junge Familien und insbesondere auch Frauen motivieren, sich in die Kommunalpolitik einzubringen. Hierfür möchte ich die Themen aus der Kommunalpolitik speziell näher an diese Bürger heranbringen und sie im schnelllebigen Alltag einfacher zugänglich machen. Durch mehr Präsenz der Themen und insbesondere auch deren aktuellen Stand in den sozialen Netzwerken möchte ich der modernen Art der Informationsgewinnung Rechnung tragen.

Ferner möchte ich den Schulweg unserer Kinder und die Straßenüberquerungen auch für unsere älteren Mitbürger sicherer gestalten. Hierbei habe ich die kritischen Verkehrssituationen auf der Brücke Münchner Straße, die Gabelung Wiesseerstraße – Tölzer Straße sowie den Zebrastreifen in der Wiesseerstraße und die Kreuzung in Kaltenbrunn im Blick. Dies alles sind wichtige Verkehrswege für den täglichen Lebensbedarf vieler Bürger wie Schule, Einkauf, Bahnhof und Seezugang. 

Gmund muss weg vom reinen „Durchfahrtsort“ hin zu einem Haltpunkt für den Ausflugsverkehr werden, um so unseren Einzelhandel und die Gastronomie zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen. Wichtig hierfür wäre z.B. Anreize zu schaffen durch die Entstehung von Verleihmöglichkeiten von E-Bikes, SUPs, Langlaufskiern, Skiern etc. Auch der Ausbau weiterer Ladestationen für E-Autos wäre hier eine Idee.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf möchte ich fördern durch ausreichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Hier gilt es zunächst dem generellen Personalmangel in den Einrichtungen Rechnung zu tragen und Anreize zu schaffen für Betreuungspersonal, sich gerade in unserer Gemeinde zu bewerben und wohlzufühlen. Für sie ist bezahlbarer Wohnraum ebenso wichtig wie für die vielen jungen Familien und älteren Bürger in unserer Gemeinde. 

Mir ist wichtig, dass unsere Kinder frühzeitig Schwimmen lernen und daher möchte ich die Errichtung eines gemeinsamen Schwimmbades im Tegernseer Tal zusammen mit den anderen Talgemeinden forcieren.

Zur Stärkung einer wohnortnahen Versorgung möchte ich mich u.a. für die Ansiedlung einer Drogerie in Gmund einsetzen. Ferner möchte ich mich darum kümmern, dass auch nach dem MVV-Beitritt die kostengünstige Mobilität für unserer Senioren gesichert wird und ein einfacher und leicht zugänglicher Ersatz für den Wegfall der kostenlosen Busnutzungsmöglichkeiten geschaffen wird. Hierbei denke ich z.B. an die Einführung eines kostengünstigen Rufbusses, nach den Modellen in Holzkirchen, Valley, Otterfing und Warngau, der gerade bei unserem weitläufigen Gemeindegebiet für Jung und Alt eine gute Fortbewegungsmöglichkeit darstellen könnte. 

Generell möchte ich die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel attraktiver gestalten, wozu an unseren Bahnhaltestellen Einrichtungen zu Echtzeitinformationen bei Zugausfällen und -verspätungen wie beim MVV in München geschaffen werden sollten. Ferner möchte ich der Veränderung der Arbeitswelt mit Verlagerung vieler Arbeitsplätze ins Homeoffice durch den Ausbau eines flächendeckenden schnellen Internets in allen Gemeindeteilen Rechnung tragen. 

Die Jugend möchte ich durch die Schaffung eines Jugendparlaments in der Kommunalpolitik eine Stimme geben und mich für die Verwirklichung des Bikepark-Projekts einsetzen. Ferner möchte ich im Rahmen des MVV-Beitritts neue Möglichkeiten für die Einführung eines Nachtzugs von München an den Tegernsee ansprechen.

Wie beabsichtigen Sie, die Bürgerbeteiligung und den Dialog mit den Einwohnerinnen und Einwohnern zu fördern, um deren Anliegen und Bedürfnisse besser zu berücksichtigen? 

Waxenberger: Ich möchte die Bürger an den aktuellen Themen im Gemeinderat über Social Media zeitnah teilhaben lassen, sie hierüber auf dem Laufenden halten und ihnen auch die Möglichkeit geben, diese zu kommentieren und sich einzubringen.

Welche Herausforderungen sehen Sie für unsere Gemeinde in den kommenden Jahren und wie planen Sie, diesen zu begegnen? 

Waxenberger: Eine große Herausforderung ist sicherlich die Bewältigung des Verkehrs. Unser Ort ist das Nadelöhr des Tegernseer Tal. Diesen Standort müssen wir mehr für unseren Einzelhandel, Gewerbe und Gastronomien nutzen und den Ort für Touristen attraktiver gestalten. Hierzu gilt es die Gewerbetreibende und Gastronomen mit ins Boot zu holen.

Auch die Energiewende voranzubringen, ist ein wichtiges Thema für die Zukunft.

Hier gilt es, die Interessen aller Bevölkerungsgruppen in die Überlegungen miteinzubeziehen und die Entscheidungen der Gemeinde auch hieran zu orientieren. Eine weitere Herausforderung ist die Flüchtlingsthematik: Wir dürfen das Landratsamt als nur ausführendes Organ nicht im Stich lassen. Müssen aber – und das ist wichtig – die Interessen und Bedürfnisse unserer Bürger und insbesondere unserer Kinder in einen angemessenen Ausgleich dazu bringen.  

Welche Ideen haben Sie, um die Wirtschaft und Arbeitsplätze in unserer Gemeinde zu fördern und die Lebensqualität für die Bürger zu verbessern? 

Waxenberger: Wir müssen unsere Gemeinde für den Tourismus attraktiver machen, dadurch den Einzelhandel, die Zimmervermietung und die Gastronomie stärken, sodass hierdurch mehr Arbeitsplätze entstehen. Bezahlbarer Wohnraum ist hier auch wichtig, um den Personalmangel in der Gastronomie entgegenzuwirken und Gmund als Arbeitsort attraktiver zu gestalten. 

Wohnortnahe Arbeitsplätze sind gerade für Mütter wichtig, insbesondere auch die Schaffung von Teilzeitarbeitsplätzen, die in den genannten Bereichen realisierbar sind.

Welche Rolle spielen für Sie Umweltschutz und Nachhaltigkeit in Ihren politischen Plänen und wie möchten Sie diese in der Gemeinde umsetzen? 

Waxenberger: Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind für unsere Zukunft wichtige Aspekte, die es zu fördern gilt. Ich bin daher in der Grundschule Gmund in der Arbeitsgemeinschaft Umweltschule beteiligt. 

Ich möchte unsere Kinder an diese Themen heranführen, weswegen meine Kinder auch den Unterricht Umwelt und Nachhaltigkeit besuchen, der von unserer Grundschule gesondert angeboten wird. Ferner habe ich bereits mit einem Ranger im Landkreis Kontakt aufgenommen, um mit ihm unseren Gmunder Gipfelkids, mit denen wir regelmäßig in die Berge gehen, das Bewusstsein für die Notwendigkeit des Schutzes unserer wunderschönen Bergwelt durch mehr Verständnis der Hintergründe nahezubringen.

Wie würden Sie die Zusammenarbeit mit anderen kommunalen Institutionen, regionalen Partnern und der Bevölkerung gestalten, um gemeinsame Ziele zu erreichen? 

Waxenberger: In der Zusammenarbeit finde ich persönliche Kommunikation und regelmäßigen Austausch wichtig, um ein Miteinander zu pflegen und Synergien zu schaffen.

Welche besonderen Erfahrungen oder Fähigkeiten bringen Sie mit, die Sie als Bürgermeisterin besonders qualifizieren? 

Waxenberger: Aufgrund meiner verschiedenen Einsatzgebiete im Rahmen meiner Tätigkeit in der Justiz seit über 18 Jahren u.a. als Richterin am Landgericht in Schwurgerichts- und Arzthaftungssachen, als Referentin für die Energiepolitik im Bayerischen Wirtschaftsministerium und als Staatsanwältin bei der Betreuung von großen Wirtschaftsstrafverfahren sowie Jugend- und Jugendschutzkriminalität bringe ich sicherlich die Fähigkeit mit, mich in neue komplexe Themen – vor allem gerade am Anfang – einzuarbeiten, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen.

Wie gehen Sie mit kontroversen Themen und Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Gemeinde um, um eine konstruktive Lösungsfindung zu fördern? 

Waxenberger: Als Richterin ist es für mich grundsätzlich eine ganz zentrale Aufgabe konträre Meinungen zu steuern, die Hintergründe zu eruieren und Meinungsverschiedenheiten zu einem Konsens zu führen, bei dem beide Seiten ihr Gesicht nicht verlieren, mit dem die verschiedenen Parteien leben und in Zukunft wieder konstruktiv miteinander arbeiten zu können.

Welche Maßnahmen planen Sie, um die soziale Integration und das Miteinander in unserer vielfältigen Gemeinschaft zu stärken? 

Waxenberger: Ich möchte durch Vernetzung der Gmunder Bürger auf einer online-Plattform gegenseitige Hilfestellungen ermöglichen z. B. bei der Unterstützung pflegender Angehöriger im Urlaubsfall, Hilfestellung beim Gassigehen mit dem Hund im Krankheitsfall, Aushelfen durch Leihomas bei der Kinderbetreuung, Unterstützung älterer Bürger bei Problemen mit dem Internet, Bildung bei Fahrgemeinschaften bei Zugausfällen etc. Hierdurch könnten auch Einheimische und Zugereiste noch mehr aufeinander zugehen.

Ferner möchte ich mich für einen kombinierten Integrationsspielplatz einsetzen, der es sowohl behinderten Kindern als auch Eltern mit Handicap ermöglichen soll, soziale Kontakte aufzubauen.

Wie schaffen Sie es, die Verantwortung als Bürgermeister-Kandidatin mit Ihrer Rolle als Mutter von zwei kleinen Kindern zu vereinbaren? 

Waxenberger: Ich habe ein gutes Zeitmanagement, das es mir auch die letzten Jahre schon ermöglicht hat, Arbeit trotz Pendelzeit, Leistungssport, Ehrenämter und Familie gut zu vereinen. Meine Mutter ist mir hier ein Vorbild, die bereits 3 Monate nach der Geburt von uns Zwillingen wieder in ihren Beruf als Medizinaloberrätin in der Kinderkardiologie am Deutschen Herzzentrum in Vollzeit zurückgekehrt ist und dennoch immer für uns da war und uns eine wunderschöne Kindheit mit sehr viel Liebe und Geborgenheit gegeben hat. Das möchte ich bei meinen Kindern genauso verwirklichen.

Welche Unterstützung erhalten Sie von Ihrer Familie, um Ihre beruflichen Ambitionen als Bürgermeisterin zu verfolgen? 

Waxenberger: Meine Familie unterstützt und bestärkt mich in meinen beruflichen Ambitionen sehr. Der Vater meiner Kinder ist eine starke Unterstützung in der Kinderbetreuung, meine beruflich sehr erfolgreiche Schwester steht mir mit Rat und Tat zur Seite und mein Vater, den meine Schwester und ich betreuen, gibt mir den menschlichen Halt in unserer Familie. 

Wie könnte Ihre Erfahrung als Mutter Ihnen helfen, die Bedürfnisse von Familien und jungen Eltern in der Gemeinde besser zu verstehen und anzusprechen? 

Waxenberger: Dadurch, dass meine Kinder die Kinderkrippe Zwergenburg und den Kindergarten im Piusheim besucht haben und ich dort immer auch von Anfang an im Elternbeirat aktiv war, meine Kinder in verschiedenen Sportvereinen aktiv sind, kenne ich sehr viele Familien, bin dadurch gut vernetzt und weiß um die Bedürfnisse der Familien. Bei meinen Ämtern in der Grundschule als Elternsprecherin der Klasse 1b und 2b und Elternbeirätin komme ich mit vielen Familien in Austausch und bekomme mit, was die Familien bewegt.

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