Gmund subventioniert Freizeitangebot

von Robin Schenkewitz

Den meisten Tal-Gemeinden fiel die Entscheidung, sich an der bayernweit gültigen Ehrenamtskarte zu beteiligen, leicht.

In Gmund hingegen hat man keine öffentlichen, kostenpflichtigen Einrichtungen. Mitmachen will der Ort trotzdem. Nun sollen gewerblich betriebene Institutionen wie der Skilift, die Sommerrodelbahn und der Kletterwald „subventioniert“ werden. Ein Ansatz, der für viel Gesprächsstoff sorgt.

Ehrenamtskarten-Besitzer dürfen in Gmund wohl zukünftig vergünstigt in den Kletterwald.
Dürfen Ehrenamtskarten-Besitzer in Gmund zukünftig vergünstigt in den Kletterwald?

„Wie viele Bürger in Bayern werden denn so eine Ehrenamtkarte besitzen?“, war eine der entscheidenden Fragen auf der jüngsten Sitzung des Gemeinderates. „Das kann man derzeit nicht abschätzen“, so die Antwort des Gmunder Bürgermeisters Georg von Preysing, der allerdings von einer „überschaubaren Zahl“ ausgeht. Eine Art Ehrenamtskarten-Tourismus sei in jedem Fall nicht zu erwarten.

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„Nicht mitmachen wäre fatal“

Die Frage nach einem möglichen Ehrenamts-Tourimus war in dem Sinne berechtigt, weil sie die Grundlage für die Kosten durch die finanzielle Unterstützung der Gemeinde darstellt. Mit der Aktion soll bayernweit das Ehrenamt gestärkt und damit auch neue engagierte Bürger als Übungsleiter, freiwillige Helfer und der gleichen gewonnen werden. „Da wäre es fatal, wenn Gmund nicht mitmacht“, brachte es von Preysing auf den Punkt.

Aber leider hat Gmund nun mal kein Schwimmbad wie Wiessee, wo es am Ende nicht darauf ankommt, ob das Wasser nun für 50 oder 100 Besucher geheizt werden muss. Rein aus haushaltpolitischen Gesichtspunkten konnte sich Bürgermeister von Preysing hierbei aber auch ein „Gott sei dank“ nicht verkneifen.

Gewerbe soll mit ins Boot

Dass keine öffentlichen Einrichtungen da sind dürfe jedoch kein Grund sein, sich nicht an der Aktion zu beteiligen. “Wir suchen nun beispielsweise nach Geschäften, die Preisnachlässe für Ehrenamtskarten-Besitzer gewähren”, so der Gmunder Rathaus-Chef. Nicht zuletzt könne man auch den Ostiner Skilift, die Sommerrodelbahn sowie den dortigen Kletterwald als Akzeptanzstellen akquirieren. „Für weitere sinnvolle Vorschläge bin ich natürlich gerne zu haben“, so von Preysing weiter.

Doch anstelle von weiteren Vorschlägen, hinterfragte der Gmunder Gemeinderat zu allererst, wie man sich hier die Abrechnung der anteiligen Kosten vorstellt. „Wir müssen hier echtes Geld zahlen, wenn wir das machen“, so ein Einwurf.

Räte hinterfragen Prinzip der Gleichheit

Wolfgang Rzehak (Bündnis 90/Grüne) meint diesbezüglich: „Es ist nicht Sinn und Zweck einer Gemeinde einzelne Gewerbetreibende zu subventionieren.“ Dies würde nach Auffassung Rzehaks überdies hinaus auch zu Falschabrechnungen verleiten. Für den Grünen Gemeinderat kommt wenn dann nur eine Lösung in Frage: „Entweder alle oder gar kein Betrieb.“

Unterstützung fand Rzehak in Christine Zierer, die auch das Prinzip der Gleichbehandlung hinterfragte. Beide Gemeinderäte hätten absolut nichts gegen die Aktion und am Ende ginge es ihnen auch nicht vorrangig um die Kosten. Aber sowohl für Zierer als auch Rzehak würde die Subventionierung Einzelner eine Ungleichbehandlung darstellen.

Einwände „weltfremd“

Bürgermeister von Preysing intervenierte: „Das ist doch weltfremd.“ Es geht hier rein um sportliche Einrichtungen, die zu der Aktion passen. Dann wurden doch noch weitere Vorschläge für Akzeptanzstellen eingebracht. So man kann sich beispielsweise vorstellen, dass die Nutzung der Tennisplätze kostenlos angeboten werden könne. Auch Kurse der VHS, wie von Gemeindekämmerer Georg Glas angeregt, könnten für Ehrenamtskartenbesitzer vergünstigt angeboten werden.

Was die Abrechnung anging, preschte Gmund Zweiter Bürgermeister Georg Rabl nach vorne. Rabls Ansatz sieht vor, dass zum Beispiel die Skilift-10er-Karten, die etwa 13 Euro kosten, pauschal mit 5 Euro von der Gemeinde mitfinanziert werden. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass auch der Skilift selbst, den gleichen Betrag beisteuert.

Verwaltung soll Sache klären

Letztlich votierte der Gemeinderat nach etwas mehr als einer halben Stunde Diskussion mit 16 zu drei Stimme dafür, dass sich die Verwaltung mit den vorgeschlagenen Einrichtungen in Verbindung setzen soll, um zu klären, ob diese überhaupt bei der Aktion mit dabei wären.

Am Ende rechnet der Gemeinderat übrigens jährlich mit nicht mehr als rund 5.000 Euro an zusätzlichen Kosten. Die Teilnahme an der Ehrenamtskarte könne überdies hinaus auch vorzeitig wieder aufgekündigt werden, wenn die Kosten widererwarten doch aus dem Ruder laufen sollten.

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