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Früher Beleidigung, heute Straftat

Grapschen verboten

Eine unsittliche Berührung gilt mittlerweile als Straftat. Ein Beispiel: das klassische Grapschen. Im südlichen Oberbayern Süd stieg damit die Zahl der Sexualdelikte um mehr als 20 Prozent an.

Polizeipräsident Robert Kopp (links) vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd informierte über die Sicherheitslage. Rechts: Landrat Wolfgang Rzehak

Jede Sexualstraftat sei eine zuviel, sagt Polizeivizepräsident Harald Pickert. In einer nicht-öffentlichen Sitzung informierte er heute zusammen mit Polizeipräsident Robert Kopp über die Sicherheitslage im südlichen Oberbayern.

51 Fälle sexueller Übergriffe hätte es im Landkreis Miesbach 2017 gegeben, so Pickert. Exakt zwei mehr als noch das Jahr zuvor. Das sei zwar keine dramatische Steigerung, merkte der Polizeivizepräsident an, fiele aber in Oberbayern Süd deutlich höher aus: 681 Fälle seien hier insgesamt registriert worden. 116 Fälle mehr als noch das Jahr zuvor. Eine Zunahme um 20,5 Prozent.

Nein heißt Nein

Pickert führte das auf die umfangreiche Novellierung des Sexualstrafrechts zurück. Was früher als Beleidung galt, sei heute eine Straftat, so der Polizeivizepräsident. Darunter falle auch das klassische Grapschen. Auch ein „Nein“, das von einem Grapscher ignoriert werde, erfülle mittlerweile den Tatbestand einer Straftat. Die Strafverschärfung bei sexueller Belästigung sei unter anderem auch auf die #meetoo-Debatte zurückzuführen.
Im Landkreis sei die Anzahl der Straftaten insgesamt um zwei Prozent zurückgegangen, berichtete Polizeipräsident Robert Kopp.

Die knapp 100.000 Einwohner leben hier sicher und können sich sicher fühlen.

Von den 4.143 Straftaten (76 weniger als das Jahr zuvor), die im Landkreis registriert worden seien, würden zwei von drei Taten aufgeklärt werden, so Kopp. „Die Gefahr, erwischt zu werden, ist also größer als nicht erwischt zu werden.“ Die Aufklärungsquote läge bei 64,9 Prozent.

Im Schnitt gebe es im Landkreis 40 Straftaten pro Tag. Dabei müsse die Polizei den Spagat hinbekommen, objektive Sicherheit zu gewährleisten, und ein gewisses Maß an Sicherheitsgefühl zu vermitteln, erklärte der Polizeipräsident. Zum Teil sei man in Zivil unterwegs, um unbeobachtet zu bleiben. Die Präsenz der Polizei sei nach wie vor wichtig, betonte Pickert.

Die Einsätze in Asylunterkünften seien viel weniger geworden, berichtet Kopp. Von insgesamt 2.899 Einsätzen im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd fallen 223 auf den Landkreis Miesbach. Durch den Wegfall der Traglufthallen seien auch die körperlichen Auseinandersetzungen unter den Asylbewerbern zurückgegangen. „Kleingliedrige Unterkünfte kosten zwar Geld“, so Pickert, machen sich auf Dauer aber bezahlt.“

Gegen Wohnungseinbrüche vorbeugen

Doch nicht nur Gewalttaten treiben die Kriminalstatistiken in die Höhe. Auch iIlegale Einreisen ins Bundesgebiet stellen eine Straftat dar. Waren es 2016 noch 160.808 Straftaten gegen das Aufenthalts- und Asylgesetz, so wurden im Jahr 2017 aufgrund des Rückgangs des Flüchtlingsstroms lediglich 11.947 Straftaten registriert.

Nahmen am Sicherheitsgespräch teil (von links nach rechts): Polizeipräsident Robert Kopp, Landrat Wolfgang Rzehak und Polizeivizepräsident Harald Pickert.

Mit Sorge betrachtete Pickert die Zahl der Wohnungseinbrüche. Waren es 2016 insgesamt 44 Fälle im Landkreis, so registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 46. In 14 Fällen seien die Täter bereits beim Einbruchsversuch gescheitert. „Gelingt der Einbruch, hat man es mit Profis zu tun – oft mit internationalen Tätern oder Reisegruppen“, sagt Pickert. Knapp die Hälfte der Einbrecher scheitere nämlich an den Sicherheitsvorkehrungen.

Ein Einbrecher will’s leise machen

Ein Erfolgsrezept, um die Täter zu überführen, sei die Auswertung der DNA-Spuren am Tatort. Oft müssten internationale Haftbefehle erlassen werden. Profi-Einbrecher bräuchten maximal drei bis vier Sekunden, um Haus- oder Terrassentüren mit einem Stemmeisen aufzubrechen. Da die Täter „leise sein wollen“, wie Pickert betonte, sei die Wahrscheinlichkeit gering, dass eine Scheibe eingeschlagen werde.

Für die 41 Einbrüche in Geschäfte, Büros oder Arztpraxen sei die Ermittlungsgruppe „Tresor“ zuständig gewesen. Mit Erfolg, wie Pickert erklärte. Auch die Zahl der Diebstähle sei erneut zurückgegangen. Von 13.670 erfassten Straftaten im Jahr 2016 reduzierten sich die Fälle im Jahr 2017 um 1.629 (11,9 Prozent) auf 12.041 Fälle. Das sei mit Abstand die niedrigste Zahl von Diebstahlsdelikten seit Gründung des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd im Jahr 2009.

Trickbetrüger immer gewiefter

Im Landkreis gab es im vergangenen Jahr 27 Diebstahlsdelikte weniger als 2016 – insgesamt 861. Im Vergleich zu 2008 mit 1.124 Taten ebenfalls ein „deutlicher Rückgang“, wie Pickert hervorhob. Die Gewaltkriminalität wie Mord, Totschlag, Vergewaltigung oder Raub stellt sich nahezu unverändert dar. 1.686 Straftaten (2016: 1.685) gab es im gesamten Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd – ein Delikt mehr als im Vorjahr. Im Landkreis Miesbach waren es 669 Fälle. Davon 105, bei denen Zuwanderer involviert waren.

Auch bei der Straßenkriminalität – also bei körperlichen Auseinandersetzungen – konnte ein Rückgang verzeichnet werden. Waren es 2008 noch 843 Fälle im Landkreis, so seien es 2016 insgesamt 623 gewesen – und im vergangenen Jahr 571. Insgesamt wurden 8.067 Delikte erfasst (2008: 12.112). Im Vergleich zum Vorjahr sind das 435 Fälle weniger.

Zugenommen hätten Trickbetrügereien. Opfer seien vorwiegend ältere Menschen, sagt Pickert. Ständig werde der Modus geändert. War es früher der „Enkeltrick“, mit dem man versuchte, die Senioren um ihr Erspartes zu bringen, so würden sich die Täter mittlerweile als „falsche Polizeibeamte“ ausgeben.

Landrat fühlt sich sicher

Die Schleierfahnder, die am Irschenberg auf der Jagd seien, hätten in der Vergangenheit „sehr häufig“ Rauschgift im Kilobereich sichergestellt, machte Pickert weiter deutlich. Hier sei die „klassische Kontrolle“ entscheidend, um dem Rauschgiftschmuggel Herr zu werden. 2017 hätte es insgesamt 373 Fälle im Landkreis gegeben. 2016 waren es noch 443.

Es sei gelungen, die Sicherheit an 365 Tagen zu gewährleisten, stellte Pickert abschließend fest, selbst „wenn es noch Potential nach oben gibt, und der Aufgabenbereich größer geworden ist“. Und auch Grünen-Landrat Wolfgang Rzehak hob die gute Zusammenarbeit mit der Polizei hervor: „Ich als Landrat fühle mich hier sicher.“


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