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Der Neubau des Feuerwehrhauses kommt langsam aus den Startlöchern

Grüne wollen sparen – abgelehnt!

Ein Antrag der neuen Fraktion der Grünen zum Neubau des Feuerwehrhauses in Tegernsee stand gestern im Stadtrat zur Diskussion. Wunsch der Neu-Räte Staudacher und Janssen: Es muss günstiger werden. Das gab Ärger.

So sah ein erster Entwurf der Pläne für das neue Feuerwehrhaus aus Nur Arbeitsproben, kein endgültiger Entwurf! / Quelle: Claudia Schreiber

Fast eine halbe Stunde trug die neue Stadträtin Ursula Janssen ihre Bedenken und ihre Vorschläge für die Fraktion der Grünen im stickigen Quirinal-Saal vor. Fast dreizehn Millionen Euro für ein Feuerwehrhaus – das sei entschieden zu viel. Andere Gemeinden bekämen es günstiger hin.

Wenige Meter von ihr saß der, den es betraf: Feuerwehrkommandant Winkler. Der schüttelte immer wieder mit resigniertem Blick den Kopf. Nach einem länglichen Rückblick Janssens, der für die meisten fad war, schließlich waren sie dabei, kam die Ärztin auf den Punkt. Tegernsee sei die kleinste Gemeinde, der Haushalt sei angespannt wegen Corona, der Neubau unterliege einer Kostenexplosion und zudem habe sie eine Finanzierungslücke entdeckt. Kurz: Es müsse eine erhebliche Einsparung beim Bauvorhaben her, dies sei nur durch eine massive Verkleinerung des Baukörpers um zwei Garagen inklusive Keller möglich.

Zudem soll mehr mit anderen Gemeinden beim Brandschutz kooperiert werden, “die Drehleiter aus Rottach-Egern kann auch in Tegernsee zum Einsatz kommen”. Zudem wäre eine mögliche Gefahrenquelle bei der (Hochfeldstraßen)-Ausfahrt, die in der Nähe des Kindergartens und der Schule sei, damit eliminiert.

Der Unmut war groß

Nun begleitet der Themenkomplex Neubau Feuerwehrhaus den Stadtrat schon seit Jahren. In mannigfaltigen Sitzungen, Gremien und Klausuren wurde jedes Detail besprochen, wer wollte, konnte sich im Vorfeld über das Thema bei der Feuerwehr selbst wie auch in der Verwaltung schlau machen. So war dann der Ärger bei jenen, die das Prozedere schon eben lange mitmachten, groß.

Rudolf Gritsch von der CSU machte seinem Ärger auch in einem langen Vortrag Luft. Es sei “beschämend und unverschämt, hier jetzt so ein Fass aufzumachen”, wütete er. Zu lange habe man dieses Projekt vor sich hergeschoben. Er wolle jetzt Nägel mit Köpfen machen. Zustimmung erhielt er von Anton Lengmüller (FWG), der von Janssen und ihrem Grünen-Kollegen Marcus Staudacher wissen wollte, welche Summe denn die Grünen mit ihren Vorschlägen einsparen würden. Die Antworten der beiden Neu-Räte blieben nebulös.

Zudem schienen sich die Grünen weder im Vorfeld bei der örtlichen Feuerwehr selbst, noch bei anderen Berufsfeuerwehren kundig gemacht zu haben. Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) sprach von knapp 80.000 Euro pro Garage Kostenersparnis, wies aber auch darauf hin, dass sich die Förderung bei einer Verkleinerung des Baukörpers auch verringere. Die Einsparungen für den geringeren Aushub wollte er nicht beziffern.

Antrag abgelehnt – so soll das Feuerwehrhaus aussehen

Auch der Zweite Bürgermeister, Michael Bourjau (FWG), nahm sich viel Zeit, um die Sicht seiner Fraktion darzustellen. Am Ende wolle man nun bauen, gleichwohl seien die Kosten schon sehr hoch, ob man nicht einen externen Experten dazu holen wolle, der die laufenden Kosten immer wieder kontrolliere, meinte er. Er selbst wolle das Gremium wie auch die Verwaltung nicht überfordern. Bauamtsleiterin Bettina Koch verwies nüchtern auf die Zusatzkosten für einen solchen Experten, die schnell mal “300 bis 350.000 Euro kosten könnten”. Nach längerer Diskussion und einer eingehenden Antwort der Verwaltung auf jeden Kritikpunkt der Grünen wurde der Antrag abgelehnt, das Angebot der FWG zu Protokoll genommen.

Es folgte eine erste Vorstellung der Gestaltung und eine damit verbundene Diskussion über die Materialien, die für die Außenfassade genutzt werden könnten. Hier entschied sich der Stadtrat mehrheitlich für eine Betonfassade am Gerätehaus selbst und einer Holzvariante für die darüber liegenden Gebäudeteile. Bürgermeister Hagn sprach sich für eine exotische Holzbearbeitung aus: Shou Sugi Ban. Dabei wird die Oberfläche des Holzes so abgeflämmt, dass die Fassade einerseits zwar sehr wartungsarm ist, aber eben pechschwarz daherkommt. Hierzu gab es keinen Beschluss.

Dennoch scheint der Neubau langsam, aber sicher Fahrt aufzunehmen. Der anwesenden Architektin Claudia Schreiber lag sehr daran, die Stadträte am Prozess teilhaben zu lassen, warb immer wieder dafür, nachzufragen, wenn etwas unklar oder schwer zu verstehen sei. Das Gremium dankte es ihr mit zweifelhaften Sätzen wie “Ich habe es mir schlimmer vorgestellt.” Demokratie kann schon mühsam sein, wenn Eitelkeit und Selbstdarstellung auf realistische Bauvorhaben treffen. Es ist für die Freiwilligen zu wünschen, dass sie endlich ihr neues und modernes Haus bekommen. Sie haben es verdient…


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