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Sportangebot und Schülerheim sollen Schule gegen Konkurrenz absichern

Richtungsstreit um Tegernseer Gymnasium

Von Christopher Horn

Die geplante Eröffnung des Holzkirchner Gymnasiums im Jahr 2014 stellt das Tegernseer Gymnasium vor große Herausforderungen. Alleinstellungsmerkmale müssen her, um somit den Fortbestand der altehrwürdigen Unterrichtsstätte zu sichern. Der gebundene Ganztagszug ist aber weiterhin kein Thema – ein Schülerheim schon eher.

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Weiter kein gebundener Ganztagszug

Derzeit kommen 300 der insgesamt rund 930 Schülerinnen und Schüler des Tegernseer Gymnasiums aus Holzkirchen. Daher müssen in Zukunft Anreize geschaffen werden, die ein Abwandern des Holzkirchner Anteils an die dortige Schule verhindern. Aus diesem Grund brachte der Tegernseer Bürgermeister Peter Janssen vor kurzem zum wiederholten Male die Idee eines gebundenen Ganztageszuges ins Gespräch.

Wir brauchen eine Alleinstellungsmerkmal, doch leider wurde die Idee eines gebundenen Ganztagszuges von der Schule und den Eltern bislang stets abgelehnt. Sollte Holzkirchen den Zug einführen, werden viele Schüler dorthin abwandern, dann sehe ich für das Tegernseer Gymnasium große Probleme aufziehen.

In der Tat lehnen sowohl die Tegernseer Schulleitung, als auch der Elterbeirat dieses Modell ungeachtet der Forderungen von politischer Seite seit einigen Jahren ab und an dieser Haltung hat sich bis heute nichts geändert.

Ein Ziel der Verantwortlichen war es dabei stets, die Nachfrage nach einem gebundenen Ganztagesangebot richtig einschätzen und das alles mit den bereits vorhandenen, sehr umfangreichen Bildungs- und Freizeitangeboten der Schule abzugleichen. So betont der Vorsitzende des Elternbeirates Dr. Christoph Scholz auf Nachfrage:

Nach reichlicher Untersuchung sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass ein es im Tegerneer Tal keinen Bedarf für einen gebundener Ganztagszug gibt. In Holzkirchen würde dies eher Sinn machen, da es dort mehr Familien gibt, in denen beide Elternteile berufstätig sind, das ist im Tegernseer Tal nur bedingt der Fall.

Werner Oberholzner, Direktor des Tegernseer Gymnasiums.

Auch Schulleiter Werner Oberholzner bekräftigte bereits im Juni 2011 seine ablehnende Haltung gegenüber eines solchen Models und machte dies auch gestern nochmal auf Nachfrage deutlich.

Ein gebundener Ganztagszug bindet Lehrer, externe Kräfte, Räume und Material. Ohne dass derzeit absehbar wäre, ob und wann die Nachfrage nach einem Ganztagesangebot so hoch sein wird, dass sie dies rechtfertigt. Und nur auf Vorrat macht so etwas keinen Sinn. Leiden würden die anderen Bildungsangebote.

Oberholzner spricht sich aus den genannten Gründen auch gegen einen strikt geregelten gebundenen Ganztagszug aus. Dieser verfüge nur über wenig Flexibilität und sei so eigentlich nur in größeren Ballungsräumen umsetzbar. Darüber hinaus bietet die Schule bereits heute eine offene Ganztagesbetreuung – sprich eine aktive Förderung und Betreuung am Nachmittag – an.

Oberholzner widerspricht Janssen

Nichts desto trotz befürwortet der Schuldirektor den Ausbau des bereits bestehenden offenen Ganztagsangebotes des Tegernseer Gymnasiums mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der Schüler und in Zusammenarbeit mit den hiesigen Vereinen. Dies vor allem, um so auch den Hobbys und der Sportverbundenheit der Schüler neben einer intensiveren schulischen Betreuung noch Rechnung tragen zu können.

Ab sofort darf die Kletterwand in Tegernsee bestiegen werden.
Seit vergangenem Jahr hat das Gymnasium auch eine eigene Kletterwand.

Ungeachtet dessen ist sich auch die Schulleitung bewusst, dass Alleinstellungsmerkmale von Nöten sein werden, um den Fortbestand der Schule langfristig zu sichern. Die Verantwortlichen setzen dabei auf ein großes Angebot an Sportkursen. Ein Weg den auch Bürgermeister Janssen befürwortet.

Doch Janssen gibt zu bedenken, dass “die Kurse von den Schülern nicht besonders stark angenommen werden”. Eine Aussage, die Oberholzner allerdings so nicht recht nachvollziehen kann.

Ich kann hier der Meinung des Bürgermeisters nicht folgen. Wir haben das Gefühl das das Angebot sehr wohl guten Anklang unter den Schülern findet. In Zeiten von G8 ist es aber schlichtweg weniger Zeit für Zusatzaktivitäten.

Viele Kurse seien “optimal ausgelastet”, wie der Direktor hinzufügt. Neben einer besonderen Vielfalt an Sportangeboten machen sich die Verantwortlichen derzeit auch Gedanken über zusätzliche Alleinstellungsmerkmale. “Wir sind in konkreten Gesprächen und werden uns demnächst klar positionieren”, so Oberholzner zuversichtlich.

Alternative Unterrichtsmethoden?

In den Debatten zwischen Elternbeirat, Lehren und der Schulleitung spielt auch ein flexibleres Fächerangebot und alternative Unterrichtsmöglichkeiten zunehmend eine Rolle. Gerade was die Unterrichtsmethodik betrifft ist man als staatliches Gymnasium jedoch eng an die Vorgaben des Kultusministeriums gehalten, wie der Elternbeiratsvorsitzende Christoph Scholz zu Bedenken gibt.

Im Rahmen des rechtlichen Spielraums gäbe es jedoch durchaus Möglichkeiten auf die Unterrichtsgestaltung einzuwirken. “Wir haben die Idee der Doppelstunden mit 45 Minuten Frontalunterricht und 45 Minuten Gruppenarbeit mit selbstständigen Arbeiten unter Betreuung durch die Lehrkraft ins Spiel gebracht. Damit könnte man schwächere Schuler besser fördern und hätte gleichzeitig ein Alleinstellungsmerkmal zu anderen Schulen”, so Scholz zuversichtlich.

Auch Softkills wie der besondere Standort der Schule und die gute Schüler-Lehrer Beziehung wollen die Verantwortlichen in Zukunft deutlicher herausstellen. Laut einer aktuellen Untersuchung, die Aufschluss über das “Klima” zwischen Lehrern, Schülern und Eltern gibt, habe das Gymnasium Tegernee im bayernweiten Vergleich besonders gut abgeschnitten, so Scholz. Auch diesen guten Ruf gilt es nun für sich zu nutzen.

Ein Schülerheim als zukunftssicherndes Projekt

Damit das Ganztagesangebot auch tatsächlich eine langfristige Auslastung bekommt, möchte man an der Schule ein Schülerheim etablieren, wie es früher bereits in Tegernsee existierte. Eine Art Internat für 50 bis 60 Schüler könnte dann entstehen, privatwirtschaftlich geführt – laut Scholz wäre das einzigartig im Umkreis von etwa 100 Kilometern.

Dabei scheint diese Idee aktueller denn je, wie uns sowohl Oberholzner als auch Scholz auf Nachfrage bestätigten. Man würde allerdings ein Gebäude brauchen, was möglichst nahe an der Schule ist und zusätzlich Personal, die die Schüler auch zu außerschulischen Zeiten beaufsichtigen.

Nach Informationen der Tegernseer Stimme gab es bereits erste Gespräche mit potentiellen Partnern über die Bereitstellung solcher Betreuer. Auch wenn die Zukunft des Gymnasiums bislang nocht nicht sicher scheint, an Ideen für die kommenden Jahre mangelt es den Verantwortlichen offenbar nicht.


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