Sonnenäcker der Solidargemeinschaft Oberland

Hacken, Säen, Ernten

Von Anita Westphal

Goldgräberstimmung auf einem Acker zwischen Thann und Warngau. Die Bifänge (Kartoffeldämme) auf dem Sonnenacker werden an ambitionierte Hobbygärtner vergeben, Namensschilder in die lockere Erde geklopft. Das vordergründige Ziel ist es, sich mit der eigenen Ernte selbst zu versorgen. Doch die reichen Felder ziehen auch unerwünschte Gäste an.

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Die Sonnenäcker der Solidargemeinschaft Oberland e. V. haben sich in den acht Jahren des Bestehens schon zu einer festen Größe herangebildet. Ansprechpartnerin ist Adriane Schua, sein kurzem auch Vorsitzende des Dachvereins im Netzwerk „Unser Land“. Die Solidargemeinschaft stellt den Teilnehmern fruchtbare Ackerflächen zur Verfügung, auf denen Gemüse, Kräuter und Blumen angesät werden können. Das Motto: „Enten Sie ihr eigenes Gemüse mit dem guten Gefühl, zu wissen, wo es herkommt.“

Doch es steckt wesentlich mehr dahinter: „Menschen, vor allem auch Kinder, welche säen, wachsen sehen und ernten, entwickeln einen wesentlich intensiveren Bezug zu diesem Kreislauf und seiner Bedeutung“, erläutert die Sonnenäcker-Beauftragte. Das „Sympathie-Projekt“ geht heuer bereits ins achte Jahr. Das Interesse ist gleichbleibend hoch. Es gibt eine ganze Reihe von „Wiederholungstätern“. Vielen Menschen ist es offensichtlich wichtig, zu wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen und womit sie behandelt werden.

Glaubensfragen bei Steinen und Unkraut

Da nicken die meisten der rund 40 Menschen, die sich am vergangenen Samstag bei eisigem Wind zur Vergabe ihrer Bifänge in Holzkirchen eingefunden haben. Sie verpflichten sich ganz selbstverständlich, keinen mineralischen Dünger und chemische Pflanzenschutzmittel einzusetzen. Vier mal 25 Meter Kartoffeldamm kosten 50 Euro Pacht im Jahr.

Um die vermeintlich besten Plätze wird hartnäckig gerungen. „Das sind Glaubensfragen“, schmunzelt Schua, die sich um größtmöglichen Ausgleich bemüht. Dabei gelten bei vielen Pächtern die Erfahrungswerte aus den vergangenen Jahren. Anneliese Pautsch beispielsweise würde nie mehr die Furchen einebnen „weil die Planzen anders viel längere Wurzeln bekommen“. Größere Steine bleiben liegen, „weil sie den Boden wärmen.“

Über die Behandlung von Unkraut gibt es ziemlich kontrovers diskutierte Meinungen. Disteln müssen raus, das ist noch Allgemeingut. Aber ob Ampfer oder Wurzel-Unkräuter in den Furchen liegen gelassen werden sollten, entbrennen heiße Diskussionen. „Der Boden trocknet nicht so aus“ steht auf der einen Seite, auf der anderen: „Wenn das aussamt oder wieder anwurzelt, züchte ich noch mehr Unkraut.“ Das heißt: ab damit auf den Komposthaufen. Blatt- und Krautmasse dagegen kann man liegenlassen. Das wird im Herbst zur Bodenverbesserung wieder untergepflügt.

Die Sache mit den Rübensamen

Standardpflanzen auf den Feldern sind Kartoffeln, Karotten, Salat, Kürbisse und Zucchini. Ein Anfänger-Fehler ist es, den Ertrag zu über- oder unterschätzen. Gerade bei Zucchini kann es zu einer immensen Überproduktion kommen – oder zum Totalausfall, wenn die einzige gesetzte Pflanze verkümmert. Hybridpflanzen sind generell verboten, weil diese keine lebensfähigen Samen bilden. Viele ziehen aus den Pflanzen des Vorjahres ihre eigenen Sämereien.

Inoffizieller Spezialist dafür ist Thierry Thirvaudey. Gleich zum ersten Treffen hat er eine kleine Kiste mit Tütchen mitgebracht: „Zum Verschenken oder Tauschen“. Eine Stimme aus der Gruppe sagt anerkennend: „Der hat immer die größten Gelben Rüben.“

Unter den Teilnehmern werden auch eifrig Samen getauscht.
Unter den Teilnehmern werden auch eifrig Samen getauscht.

So verschieden die Pächter sind, so verschieden sehen auch ihre Bifänge aus. Manche sind gepflegt wie ein ordentlicher Garten, manche minimalistisch auf den Ernteertrag ausgelegt. Wasser müssen die Pächter entweder im Kanister anliefern, in einer Regentonne vor Ort sammeln – oder sie verlassen sich auf die Witterung.

Daher wurden auch am Samstag nur Claims abgesteckt, Unkraut gehackt, Wege getreten und Steine geklaubt. Für das Säen und Pflanzen ist es noch zu kalt. Immerhin hatte es die Nacht vorher noch ordentlich geregnet.
„Wir haben noch Plätze zu vergeben“, wirbt Adriane Schua.

In Holzkirchen bewirtschaften 30 Pächter insgesamt 26 Bifänge, manche auch nur einen halben. In Otterfing sind es 21 Pächter bei 20 Bifängen. Sollten die Flächen nicht ganz verpachtet werden, sät die Solidargemeinschaft Blumen. Das einzige Problem, über das sich die Pächter vehement beschweren, ist der Diebstahl an Blumen und Gemüse im Sommer und Herbst. So gern die Sonnenäcker-Beauftragte mit Rat und Tat zur Seite steht: „Da können wir leider nicht mehr tun, als Schilder aufzustellen.“


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