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Tegernsee gibt Gutachten zur Schwaighofbucht in Auftrag

Hagns Alternativen gegen Verschlammung

Die Aktion „Rettet den Tegernsee“ mit ihren 1.200 Unterschriften kann nun einen Erfolg verbuchen. Bayerns Finanzminister Markus Söder hat Gespräche mit den Fachbehörden erlaubt. Gegenüber der TS nennt Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn erstmals drei Lösungsvorschläge gegen die Verlandung der Schwaighofanlage.

Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn sieht drei Lösungsvarianten für die Schwaighofbucht.
Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn sieht drei Lösungsvarianten für die Schwaighofbucht.

„In der Tegernseer Bürgerversammlung wurde von den “Schwaighofer Stiefkindern“ lebhaft darüber Klage geführt, dass ihre Ufergefilde als klägliche Unrat- und Schuttabladeplätze dienten, wüste Anblicke böten und elenden Gestank entsendeten“. Dies ist nicht etwa ein Zitat aus der jüngsten Bürgerversammlung in Tegernsee, es stammt vom Februar 1950, wie ein Zeitungsausschnitt von damals belegt.

Söder soll Abhilfe schaffen

Schon seinerzeit war die Verschlammung evident. Vor über 60 Jahren wurde der Hausmüll noch mit Erde und Kies abgedeckt und „gewisse unangenehme Auswirkungen durch Kalkeinstreuung bekämpft“. Doch das Problem blieb: die Verlandung. Um diese zu stoppen, forderte die Initiative um Traudl Eberwein und Andreas Scherzer und weiteren 1.200 Unterstützern im vergangenen Herbst Söder auf, die Schwaighofbucht wieder in einen ansehnlichen Zustand zu versetzen.

Ihre Forderung, da der tiefe Schlamm das Baden in der Bucht verleide: den Bereich auszubaggern, um die Verlandung zu stoppen. Doch für Bürgermeister Hagn gibt es weitere Alternativen, wie er der Tegernseer Stimme erklärt, denn die Entfernung von etwa 20.000 Tonnen Schlamm wäre nicht nur unbezahlbar, eine Verklappung im See könnte auch zum Fischsterben führen. Hagn ist es ein Anliegen, die „drei Möglichkeiten der Herangehensweise“ publik zu machen.

Wohin mit dem Schlamm?

„Die eine ist, den Schlamm zu entfernen“, so Hagn. „Dies auf dem Landweg zu machen, ist schlechterdings unmöglich.  Zuvor müsste er an Land gebracht und getrocknet werden. Er kann auch nicht so einfach auf die Felder gestreut werden, denn möglicherweise enthält der Schlamm Schadstoffe. Dies müsste aufwändig festgestellt werden.“

Als andere Möglichkeit sieht Hagn nur noch das Verklappen des Schlamms im See. Wenn dies geschehe, bestehe aber die Gefahr eines großen Fischsterbens, da der Schlamm möglicherweise anaerob ist, das heißt: Sauerstoffzehrend. Hagn weiß wovon er spricht, er stammt aus einer alteingesessenen Tegernseer Fischerfamilie.

„Geprüft werden muss noch die Konsistenz des Schlamms, können solch große Mengen überhaupt verklappt werden, welche Nachteile hätte dies für die Fischerei? Denn der Fischbestand ist in den letzten 20 bis 30 Jahren erst mühevollst aufgepäppelt worden.”

Daher kommt es für mich nicht in Frage, dass wir den Schlamm in den See kippen, wenn hier mit einem Fischsterben zu rechnen wäre. Auch bei einer langsamen Verklappung ist mit Schlammwolken zu rechnen, die sich durch die Strömung großflächig verteilen können.

Hagns Fazit: Das Prüfungsergebnis des Schlamms entscheide, ob die Verklappung überhaupt möglich ist. Dann müsse man sich auch noch die Kosten dafür ansehen.

„Die zweite Möglichkeit ist, wir lassen den Status quo, lassen es weiter zuwachsen und kümmern uns nicht weiter darum“, erklärt Hagn. Dann müsse man in 10 bis 30 Jahren die Bucht möglicherweise wieder auffüllen.

Natürlicher Lebensraum als Attraktion?

„Am sympathischsten wäre mir die dritte Alternative, wenn die Verklappung nicht in Frage kommt: mit dieser Verlandung in den kommenden Jahrzehnten aktiv umzugehen. Sie ist allerdings bislang weder ausgesprochen noch geprüft. Als Beispiel nenne ich die Ringseeinsel“, erläutert Hagn seine Idee.

Die Ringseeinsel, die Hagn als Vorbild einer Buhne für die Schwaighofbucht dient.
Die Ringseeinsel, die Hagn als Vorbild einer Buhne für die Schwaighofbucht dient.

Dort seien große Anstrengungen unternommen worden, sie als Naturschutzgebiet mit einer Renaturierung wieder aufzuwerten. Es gebe wieder große Schilfzonen um den See, zum Vorteil des Fischbestandes. „Denn das Entfernen des Schilfgürtels führte auch zur drastischen Dezimierung der Fangquoten. Der Fischbestand konnte nur noch durch Zucht am Leben erhalten werden“.

Eine solche Buhne wie an der Ringseeinsel könnte sich Hagn auch in der Schwaighofbucht vorstellen, um das Entstehen eines besonders wertvollen Habitats, eines Lebensraums, zu dokumentieren, womöglich sogar mit Schautafeln. Davon hätten sowohl die Bevölkerung als auch die Touristen etwas.

Gutachten zu Schlamm und Schilf

„Wenn wir diesen Weg gehen, muss aber vorher klar sein, dass alle an einen Tisch müssen, auch die Anwohner. Denn sie sehen sich, wenn sie einen Steg haben, direkt mit der Verlandung konfrontiert. Sie müssten dann in einer vernünftigen Art und Weise ihre Stege verlängern dürfen. Dies müsste den Anliegern in Aussicht gestellt werden, damit man sie auch mit ins Boot bekommt. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass man diesen Bereich in einer Art Buhne abgrenzt, um die Zukunft des Rudervereins zu sichern, der am Tegernsee immer mehr an Bedeutung gewinnt“, beschreibt Hagn den Zwischenstand der Gespräche, die mit dem Wasserwirtschaftsamt, den Fischereifachberatern und mit der Schlösser- und Seenverwaltung geführt würden.

„Jetzt sind wir bei der ersten Stufe des Tätig werden angelangt. Wir werden demnächst die entsprechenden Gutachten zum Schlamm und Schilf in Auftrag geben“, stellt Hagn in Aussicht. Am 28. Dezember habe er von Söder eine Antwort auf die übergebenen Unterschriftenlisten erhalten. „Seitdem laufen die Gespräche mit den Fachbehörden“.

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