Handwerk am See: Das Kropfband und seine Geschichte

Halsschmuck mit Ansage

Die einen verbinden es mit Tradition. Die anderen erinnert es eher an Popstars der 90er. Doch das Kropfband trägt man jetzt wieder en vogue gern zum Dirndl. Was wenige wissen: zur Zeit der Französischen Revolution und danach diente es als Erkennungsmerkmal von Prostituierten.

Ob einfaches Samtband oder mehrreihige Perlenkette – die Gestaltungsmöglichkeiten für die sogenannte Kropfkette, “Collier de Chien” oder “Choker” sind schier unendlich. Das Schmuckstück ist nicht nur eine wahre Zierde für jeden schlanken Damenhals. Es gehört einfach zu jedem Dirndl – so meinen es jedenfalls Insider.

Die Geschichte des Kropfbandes in Bayern und Österreich soll seinen Ursprung im Jodmangel und einen dadurch vergrößerten Kehlkopf, auch “Kropf” (Struma) genannt, haben. Das Kropfband sollte selbigen oder die Narbe aus einer Entfernungsoperation verdecken. Aus demselben Grund sollen junge Frauen das Kropfband getragen haben, um zu merken, ob sie schwanger sind oder nicht. Denn angeblich wird bei einer Schwangerschaft der Hals der Frau dicker. Wurde das Kropfband also enger, war dies damals offenbar ein untrügliches Zeichen für baldigen Nachwuchs.

Frau zeigt, was sie hat

Bis ins 18. Jahrhundert war Schmuck in Bayern dem Adel vorbehalten. Bürger und reiche Bauern durften maximal einen Ring tragen. Kurfürst Max von Bayern erlaubte schließlich das Tragen eines Gürtels. Langsam lockerte sich das Schmuckverbot. Erst 1750 ist das Tragen von Schmuck bei Bürgern und Bauern in Mode gekommen.

Die bayerische Tracht war seit jeher der Mode unterworfen. Im 18 Jahrhundert orientierte sich die Mode an der spanischen und französischen Hoftracht. So hielt Mitte des 19. Jahrhundert das Dekolleté Einzug in Bayern. Passend zum Dekolleté kamen dann auch die Kropfbänder- und ketten. Frau zeigte, was sie hatte. „Je mehr Kettenreihen, je aufwändiger der Verschluss und je wertvoller die Verzierung, desto wohlhabender die Trägerin“, erläutert Ursula Bertele, die Chefin der Tegernseer Goldschmiede. Nur die ganz Reichen konnten sich Kropfketten aus böhmischem Granat oder Gold leisten. Die einfachste Variante war ein verziertes Samtband. Heute gibt es Kropfketten aus allen möglichen Edelsteinen und in zahlreichen Farben.

Kunst am Hals

Eine Kropfkette besteht aus mehreren dünnen Ketten-, Perl- oder Edelsteinreihen, die am Verschluss, der Vorne getragen wird, befestigt sind. Stege verhindern ein Verdrehen und Verheddern der Ketten. Das Schloss ist meist eine feine Goldschmiedearbeit aus Silber oder Gold, reich ornamentiert und mit Edelsteinen oder Perlen besetzt – schließlich ziert sie die Mitte des Halses der Trägerin. Die einzelnen Ketten sind oben kürzer und werden zur untersten Reihe hin immer länger, damit sie optimal am Hals der Frau anliegen.

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„Bei den jungen Mädchen sind kleine, schmale Kropfketten derzeit sehr beliebt. Meist sind es nur drei Reihen aus Granat, Silber, Perlen, Edel- oder Halbedelsteinen, wie Lapislazuli (dunkelblau), verschiedenfarbigen Achaten oder Peridot (grün) – jeweils passend zur Dirndlfarbe“, erklärt Ursula Bertele. „Aber im Grunde haben wir viele Möglichkeiten und verschiedene Modelle. Natürlich machen wir auch Extraanfertigungen und können somit ganz auf die individuellen Wünsche jeder Kundin eingehen. Es gibt Kropfketten für den kleinen wie für den großen Geldbeutel.“

Wichtig ist, dass die Kropfkette richtig sitzt. Daher wird bei jeder Kundin Maß genommen. „Wir können auch alte Kropfketten anpassen und wieder herrichten“, erzählt die Chefin der Tegernseer Goldschmiede, die sich seit 1886 dem Trachtenschmuck verschrieben hat. In der Meisterwerkstatt wird so für jede Frau ein individuelles Kropfband angefertigt, das später auch einmal an die Tochter oder Enkelin weitervererbt werden kann.
Weitere Beispiele der Handwerkskunst aus der Tegernseer Goldschmiede:

Die Kropfbänder können individuell angepasst werden und es gibt sie in allen möglichen Formen und Farben. / Quelle: Marion Bürkner
Quelle: Marion Bürkner
Ob drei oder acht Reihen, ob grüne Perlen oder weiße, mit filigraner Schließe oder
eher schlicht – jede Frau kann ihre Wunsch-Kropfkette zusammenstellen. / Quelle: Marion Bürkner
Die Möglichkeiten für eine Kropfkette sind unendlich groß, das fängt beim Material
der Ketten an und endet bei den unzähligen Verzierungsmöglichkeiten für die
filigrane Schließe. / Quelle: Marion Bürkner
Die Inhaberin Ursula Bertele präsentiert stolz ihre Meisterwerke. / Quelle: Marion Bürkner

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