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„Der König ist tot, es lebe der König“

Hans Leo gibt Chefposten in Naturkäserei ab

Die 12. Generalversammlung der Naturkäserei im Seeforum von Rottach-Egern stand ganz im Zeichen personeller Veränderungen: Hans Leo tritt als Chef und Geschäftsführer ab. In seiner letzten Rede konnte er nach Jahren roter Zahlen nun eine positive Bilanz vermelden. Und auch seine Nachfolger stehen bereits fest.

Hans Leo (v.l.) übergibt seine Ämter an Sophie Obermüller und Franz
Stuffer / Quelle: Klaus Wiendl

Noch begrüßte Hans Leo als Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer der “Naturkäserei TegernseerLand eG” die versammelten 350 von inzwischen 1.732 Genossenschaftsmitgliedern. Doch nach vielen Jahren an der Spitze der Naturkäserei legte er gestern Abend beide Ämter nieder. „12 Jahre nach Gründung und neun Jahre nach Geschäftsbeginn stehe ich für beide Ämter nicht mehr zur Verfügung“. Er habe es als einmalige Chance gesehen, beim Start der Naturkäserei dabei sein zu können und diese auch zu leiten. „Wenn wir nicht so loyale und fachkundige Mitarbeiter hätten, die die Voraussetzung für eine positive Weiterentwicklung sind, dann hätte ich mich zu dem Schritt auch nicht entschlossen“. Sein Nachfolger als Geschäftsführer wird ab 1. Juli Franz Stuffer, der es damit vom Käsemeister im Jahr 2009 bis an die Spitze des Unternehmens brachte. Als Betriebswirt ist Stuffer bereits seit Herbst vergangenen Jahres stellvertretender Geschäftsführer. Wiedergewählt in den Aufsichtsrat wurde Landwirt Rainer Bierschneider.

Überschüsse, aber noch keine Dividende

Hans Leo wies in seiner Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr auf eine Steigerung des Gesamtumsatzes von sechs Prozent auf nun 5,4 Millionen Euro hin. Unter dem Strich kam bei einer Bilanzsumme von knapp 7,3 Millionen Euro ein Jahresüberschuss von knapp 200.000 Euro zustande (im Vorjahr: 41.000 Euro), der zum endgültigen Abbau des Verlustvortrags reicht. Am Ende bleibe ein Gewinn von 65.000 Euro. „Und dies gegen den Trend“, betonte Leo, denn überall lese man, dass eine Umsatzsteigerung nur mit einer Steigerung der Milchmenge möglich wäre. Dies aber treffe für die Menge der Heumilch nicht zu, sie sei annähernd stagniert. Dafür seien aber die Produkte „qualitätsmäßig ausgebaut“ worden, was zu höheren Preisen geführt habe. „Wir setzten nicht auf Quantität, sondern auf Qualität“. Auch damit lasse sich ein „positiver Umsatz generieren“. Dafür würden ihre Landwirte auch einen um 12 Cent höheren Preis für die Heumilch bekommen als konventionelle Erzeuger.

Widerspiegeln würde sich die Erfolgsgeschichte der Naturkäserei auch in den zahlreichen Prämierungen der Produkte. Inzwischen habe ihr guter Ruf auch Japan erreicht. „Die bestellen nun fleißig“, frohlockte Leo. Neu im Sortiment ist die Heumilch statt in einer Plastik- nun in einer braunen Glasflasche. Die Abfüllung geschieht auch nicht mehr per Hand, sondern mit einem halbautomatischen Milchabfüller, der eine Arbeitskraft weniger erfordere. Am Ende seiner letzten Rede als Chef der Naturkäserei, “das Amt war mir eine Ehre”, gab’s langen Applaus. Nur mit Mühe konnte Leo Tränen unterdrücken.

Aufsichtsrats-Chef Josef Bogner meinte: “Der König ist tot, es lebe
der König” / Quelle: Klaus Wiendl

Für ihn als Vorstandschef schlug Leo die ehemalige Aufsichtsrätin und Landwirtin Sophie Obermüller vor. „Der König ist tot, es lebe der König“, meinte Josef Bogner als Chef des Aufsichtsrats. Er freue ihn, dass sich Obermüller zur Wahl stelle. Nicht nur mit ihrem Hof im Ortsteil Schärfen sei sie von Anfang an bei der Naturkäserei dabei, sie habe sich dort auch um Vermarktung und Führungen gekümmert, erklärte Obermüller bei ihrer Bewerbungsrede. Obwohl sie und ihre Familie um ihre Existenz fürchten mussten, als ihr Hof im Dezember 2014 abbrannte, und sie in „jeder Hinsicht an die Grenzen gekommen ist“, sei sie aber „mit jeder Schwierigkeit im Leben stärker geworden“. Über die Hilfsbereitschaft der Menschen damals sei sie immer noch dankbar. Diesen Helfern zu Ehren würde sie gerne ihre ganze Kraft und Energie in das neue Amt stecken. „Dies ist meine persönliche Motivation“.

Volksbegehren Artenvielfalt sorgt noch für Gesprächsbedarf

Persönlich treibe sie auch an, so Obermüller, dass die Landwirtschaft gerade mit dem Volksbegehren Artenvielfalt noch nie so im Fokus der Öffentlichkeit gestanden habe. Doch „Fakt“ bleibe, dass im Alpenraum eine Alm- und Landwirtschaft betrieben werde, die „absolut umweltverträglich und enkeltauglich ist“. Vor allem im Tegernseer Tal haben Landwirte schon vor zehn Jahren den „Weitblick“ durch aktives Handeln gehabt und die Naturkäserei „als wahren Schatz“ gegründet. Langer Beifall. Obermüllers einstimmige Wahl zur Chefin der Naturkäserei war nur noch Formsache.

Einer der ersten Gratulanten war Kreuths Bürgermeister Josef Bierschneider. Zumal auf seinem Gebiet auch die Käserei steht, „auf die ich sehr stolz bin“. Schließlich verbinde auch die Nachhaltigkeit als Philosophie der Käserei die des Bergsteigerdorfs Kreuth. Womit auch Bierschneider nicht am Thema Artenschutz vorbeikam. Es sei zwar lobenswert, wenn die Schöpfung erhalten bleibe, aber die Landwirte hier hätten mit schwierigeren Voraussetzungen wie auf dem flachen Land zu kämpfen. Sie müssten nun „mehr Einschränkungen über sich ergehen lassen“.

Kauf heimischer Produkte empfohlen

Es genüge aber nicht, nur eine Unterschrift unter eine Liste zu setzen, „man muss es auch leben“. Dann müsste eben auf Fern- und vor allem Schiffsreisen verzichtet werden, wo viel in die Umwelt abgelassen werde. (Beifall) Auch in den eigenen Gärten sollten die Unterzeichner der Artenvielfalt gerecht werden. Im Sinne der Naturkäserei wäre es, nicht beim Billigproduzenten einzukaufen, sondern vor Ort. Nur so würde den Landwirten ein Wirtschaften ermöglicht.

Das Gesicht der Naturkäserei sei Hans Leo, dem Bierschneider für die gute Zusammenarbeit dankte. Diese Idee aber würde auch seine Nachfolgerin Sophie Obermüller leben. „Hans, du kannst getrost den Stab an Sophie weitergeben, sie führt die Naturkäserei in deinem Sinn weiter“. Als Dank bekam Leo Hosenträger mit einem gestickten Logo der Naturkäserei, damit er diese immer vor sich hertragen könne.

350 Genossenschaftsmitglieder folgten der Einladung zur
Generalversammlung / Quelle: Klaus Wiendl

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