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“Hans, wir haben ein Problem“

Knapp 100 Jahre hat es gedient, inzwischen ist das nicht denkmalgeschützte Feuerwehrhaus in Tegernsee ein Sicherheitsrisiko. Umbau oder Abriss? Eine scheinbar unlösbare Mammutaufgabe. Bürgermeister Johannes Hagn rief daher gestern den Stadtrat zu einer Sondersitzung zusammen.

Erneut diskutierte der Stadtrat über die Zukunft des Tegernseer Feuerwehrhauses.
Erneut diskutierte der Stadtrat über die Zukunft des Tegernseer Feuerwehrhauses, diesmal öffentlich.

Das große Interesse der Bürger gestern Abend war dem Thema angemessen, schließlich ging es um eines der schönsten Feuerwehrhäuser Bayerns, erbaut 1927. Dreimal wurde an- und umgebaut: 1980, 1988 und 1992. Dennoch genügt es den heutigen Standards für Feuerwehrhäuser nicht mehr. Zudem ist bei dem Gebäude zwischen Hochfeld- und Karl-Theodorstraße zu berücksichtigen, dass es bislang auch noch sechs Mietwohnungen beherbergt, die überwiegend mit Helfern der Feuerwehr belegt sind, so Bauamtsleiterin Bettina Koch.

Doch im Vordergrund standen die sicherheitsrelevanten Aspekte, die der Altbau nicht mehr gewährleisten würde. Bevor Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) in die dann letztlich zweieinhalbstündige Diskussion einstieg, betonte er, dass er bei der ersten öffentlichen Sitzung Wert darauf lege, die Bürger „ausgiebig zu informieren“.

So bekamen sie mit, wie es um den „prägenden und emotionalen“ (Martina Niggl Fisser, BürgerListe)) Feuerwehrstützpunkt, einer von dreien im Landkreis Miesbach, bestellt ist. Bislang sind dort sieben Einsatzfahrzeuge und zwei Anhänger untergebracht. Neue Löschzüge mussten bisher in der Höhe aufwändig den zu niedrigen Garagentoren angepasst und die Böden dafür tiefer gelegt werden. Daher sei das Feuerwehrhaus nicht mehr zeitgemäß. Die äußere Optik täuscht, so Koch, denn im Inneren sei die Arbeit der Einsatzkräfte unter diesen Bedingungen nicht mehr vertretbar.

Endlose Mängelliste

Damit auch die Öffentlichkeit nachvollziehen könne, wo der Schuh drückt, ging Hagn auf einzelne Mängel ein:

Der Platz bei der Ausfahrt der Fahrzeuge und den Wänden ist so gering, dass dort Einsatzkräfte eingezwickt werden könnten. Bei den modernen Fahrzeugen reichen die Deckenhöhen nicht mehr aus, um die Löschzüge entsprechend mit Dreifachleitern nach derzeitigen Anforderungen auszurüsten. Die Hallen seien in der Länge so vollgestellt, dass man über Deichseln falle. Sollten die Unimogs aus dem Jahr 1986 ersetzt werden, passen die neuen nicht mehr rein.

Unzulässig sei auch, dass die Drehleiter in der Waschhalle untergebracht sei. Für Frauen seien auch keine eigene Duschen und Umkleiden vorhanden, „das ist nicht mehr zeitgemäß“, so Hagn. Für einen Einsatztrupp von zwölf Kräften gebe es keinen Ruheraum für Großschäden wie Hochwasser und Stürme.

„Die Kräfte liegen dann in der Fahrzeughalle oder in der Werkstatt auf dem Boden“. Dies sei auch wegen der Dieseldämpfe nicht zulässig, eine Absauganlage für Fahrzeugabgase fehle komplett und kontaminierte Kleidung könne nicht getrennt aufbewahrt werden.

Ein Prüfbericht der Staatlichen Feuerwehrschule habe ergeben, dass das Gerätehaus nicht den Unfallverhütungsvorschriften entspreche und erhebliche Sicherheitsmängel aufweise. „Deswegen müssen wir als Stadt tätig werden“, schilderte Hagn die Ausgangslage. Später meinte er, sollte der Altbau erhalten werden, bestehe nicht die Möglichkeit, die Breite und Höhe der Tore den gesetzlichen Forderungen anzupassen.

Was bleibt denn von der schönen Fassade übrig, wenn wir wegen der Vorgaben in der Höhe die Balkone wegreißen und die Bemalungen zerstören würden?

Außerdem müssten auch die Geschossdecken angehoben werden, gab der Rathauschef zu bedenken. „Das geht schlicht nicht mit der Statik, da fällt uns das Haus zusammen“. Flankenschutz bekam Hagn vom Kommandanten der Feuerwehr, Wolfgang Winkler. „Wir haben ein Sicherheitsproblem“. Um dies zu verdeutlichen, sei er auch mit seinen Kollegen hier.

Drei Modell-Favoriten

Damit sich dies ändert, gab die Stadt eine Machbarkeitsstudie bei der Münchner Regierungsbaumeisterin Claudia Schreiber in Auftrag. Ein schwieriges Unterfangen, denn die Möglichkeiten für die Bebauung sei begrenzt und Alternativstandorte scheiden aus.

Eingezwängt zwischen den beiden Straßen, dem fallenden Gelände, dem Spielplatz, dem künftigen Seminarhotel, dem gegenüberliegenden Parkplatz der Grundschule und der angrenzenden Wohnbebauung, der Vorgabe von 28 Stellplätzen, gelang es Schreiber dennoch, in 16 Alternativvorschlägen ein Feuerwehrhaus mit und ohne Altbestand einzupassen.

Variante mit bestehendem Feuerwehrhaus und seitlich vorgelagertem Neubau. Links davon sind 28 Stellplätze geplant.
Variante mit bestehendem Feuerwehrhaus und seitlich
vorgelagertem Neubau. Links davon sind 30 Stellplätze geplant.

Selbst sprach sich die Architektin für Neubauten aus, bot aber auch einen aufwändigen Umbau das Altbestands mit einem seitlich vorgelagerten Neubau für 4,26 Millionen Euro an, der 5 Löschzüge aufnehmen könnte. Doch diese Lösung verfing nur bei den Stadträten der BürgerListe.

Martina Niggl-Fisser, Heino von Hammerstein und Florian Kohler würden für den Erhalt des alten Feuerwehrhauses und der benötigten Fläche für den Anbau auch die Hochfeldstraße opfern. „Die ist nicht unbedingt erforderlich“, so Niggl-Fisser. Kohler: „Den Parkplatz an der Schule könnte man auch als Stellplatz für die Feuerwehr nutzen“. Eine „echte Kröte“ sei der Wegfall des Kinderspielplatzes, so von Hammerstein, „wir sollten uns sehr überlegen, ob wir diesen opfern wollen“.

Wiedervorlage und Bürgerveranstaltung

Die Mehrheit im Stadtrat konzentrierte sich auf zwei Neubau-Modelle von Schreiber. Eine „Kompaktlösung“ für 5,8 Millionen Euro, der den Altbestand ersetzen und in der Fläche überbauen würde. In dem „Riegel“ wäre Platz für zehn Einsatzfahrzeuge und eine Waschhalle. Ihre Planer würden sich für eine L-Form aussprechen.

Sie würde mit 6,2 Millionen Euro zwar die teuerste sein, aber die optimalste, weil die „Variante L“ mehr Flächen im Erdgeschoß wie im Keller habe und die Bebauung zur Grundstücksgrenze niedriger ausfalle. Wie im Kompaktmodell gebe es im Obergeschoß Büros, Schulungs- und Aufenthaltsräume, sowie die Möglichkeit von zwei bis drei Wohnungen, die von der Stadt Vergabe waren.

Anstelle des Altbaus, die Kompakt-Variante, die alle sicherheitsrelevanten Anforderungen erfüllt.
Anstelle des Altbaus: die Kompakt-Variante, die alle sicherheitsrelevanten Anforderungen erfüllt.

„Wenn wir das alte Feuerwehrhaus behalten, handeln wir uns unkalkulierbare Kosten ein und haben trotzdem ein altes Gebäude“, erklärte Peter Schiffmann (SPD), „das können wir vergessen“. An die dann wieder „alte Hüttn“, erinnerte Andreas Obermüller (FWG), „damit wir in 10 oder 20 Jahren nicht wieder was hinstopseln, brauchen wir eine nachhaltige Lösung. Das muss passen, da dürfen wir nicht auf jeden Euro schauen“. Norbert Schußmann (CSU):

Die Idee mit der Unterbrechung der Hochfeldstraße überzeugt mich überhaupt nicht, weil wir diese immer mal als Parallelverbindung brauchen.

Vor 100 Jahren habe man in Tegernsee ein neues Feuerwehr gebaut, „warum nicht jetzt wieder, wenn die Maße einfach nicht mehr passen“, so Fraktionssprecher Schußmann als ehemaliger Aktiver der Feuerwehr, „ich sehe hier zum Abriss keine Alternative“.

„Wie machen wir weiter“, fragte Hagn in die Runde, nachdem „alle Argumente“ ausgetauscht seien. Man verständigte sich, die eingebrachten Vorschläge, die sich für den Erhalt des betagten Gebäudes aussprachen, dennoch zu prüfen und bei einer der nächsten Sitzungen erneut zu diskutieren. Zudem werde es eine Bürgerveranstaltung geben. Für Thomas Mandl (SPD) das Stichwort:

Heute war es eine gute Diskussion und eben ein Unterschied zum alten Stadtrat.


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