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TTT-Geschäftsführer in Rottach unter Beschuss

Harsche Kritik an Kausch

Diesen Abend im Rottacher Rathaussaal wird Christian Kausch wohl nicht so schnell vergessen. Ungewöhnlich deutlich gingen vor allem zwei Gemeinderätinnen mit ihm ins Gericht.

TTT-Chef Kausch und seine glorreichen Fünf: Bad Wiessee, Kreuth, Rottach-Egern, Gmund und Tegernsee. In Rottach stand er gestern in der Kritik.

Auslöser für die Kontroverse waren der Jahresabschluss 2017 und die strategische Ausrichtung der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT). Geschäftsführer Kausch hatte bei der Bilanz für das vergangene Jahr einen Verlust von fast 93.000 Euro in den Büchern. Dies sei zum einen höheren Personalkosten durch Krankheiten und Fluktuationen geschuldet, wie auch einem Minus bei der TegernseeCard.

Die TegernseeCard berechtigt Urlauber zu Gratis-Ausflügen mit der Schifffahrt. Ein voller Erfolg, wie das vergangene Jahr und die letzten Monate zeigten. Die Kosten für die TegernseeCard übernimmt in einem Pilotprojekt bis Ende 2018 zu 80 Prozent die TTT, 20 Prozent zahlt die Schifffahrt.

Nach zähen Verhandlungen hatten sich der Freistaat und die TTT vor zwei Jahren auf einen Vertrag mit den Vermietern geeinigt. Dieser sieht vor, dass sie mit einer Umlage zur TegernseeCard beisteuern. Doch schon nach einem halben Jahr wollte laut Anastasia Stadler (CSU) die TTT für die etwa 160 Vermieter die Umlage erhöhen, weil sie nicht mehr ausreichte.. „Dies war aber nicht konform mit den abgeschlossenen Verträgen“. Schließlich sei man hier nicht auf einem Bazar, „deshalb pochten wir auf unser Vertragsrecht“.

Minus bei der TegernseeCard

Nachdem die TegernseeCard im vergangenen Jahr ein Minus einfuhr, wurden Ende des Jahres neue Verträge ausgehandelt und die Umlage im Dezember 2017 erhöht. „Als Vermieter haben wir nun die Zeche für die TegernseeCard zu zahlen“. Die Konsequenz könne nur sein, dass die Gesellschafter der TTT, die Talgemeinden, mit der Schifffahrt andere Verträge aushandeln.

Allerdings sei der Beitritt der Vermieter zu TegernseeCard eine freiwillige Sache, wie Stadler auf Nachfrage betonte. Wert legte Stadler auf die Feststellung, dass das Minus von 93.000 Euro bei der TegernseeCard deswegen nun weniger werde, „weil die TTT eine bessere Arbeit macht. Das stimmt einfach nicht“. Auch wenn Kausch versucht habe, dies darzustellen. Josef Kaiser (CSU) monierte, dass eine GmbH doch “mal ins Laufen kommen” müsse. Es gehe nicht an, dass die Gemeinden so viel für die TTT zahlen müssten: „Ich bin da nicht zufrieden.“ Andreas Erlacher (FWG) hielt dagegen. Es sei nicht die Aufgabe der TTT, ein Plus zu machen. Ihr Erfolg sei der Einsatz für den Tourismus.

Die gute Nachricht sei, entgegnete Kausch, dass es ein gemeinsam beschlossener Einmaleffekt und „keine Schräglage der Gesellschaft“ sei. „Es gibt keine Quersubventionierung“. Die TTT trage das Ergebnis allein, so dass die Gemeinden nicht noch einmal zur Kasse gebeten würden. Positiv sei auch, dass alle Kalkulationen in punkto Tegernsee Schifffahrt aufgegangen seien „und wir uns diese großartig angenommene Leistung sehr gut und nachhaltig leisten können“.

Warum Osteuropa und nicht der Alpenraum?

Als Kausch die Aktivitäten der TTT mit den vier Hauptthemen wie Aktiv, Gesundheit, Kulinarik und Brauchtum der nächsten Jahre ansprach, erwähnte er auch, dass die Montgolfiade im Januar in Bad Wiessee keine Entscheidung für die Folgejahre sei. Da müsse neu verhandelt werden. Stadler wollte mehr zu den Osteuropa-Workshops wissen, wer die Kosten dafür trage, zumal sie in der Statistik keine ausgewiesenen Osteuropäer entdecken könne.

Diese Workshops seien eine Kooperation mit der Bayern Tourismus GmbH und dem Flughafen München. „Osteuropa ist ein zukunftsträchtiger Markt“, so Kausch, der versicherte, „keinen Massentourismus zu generieren“. Hart ins Gericht mit Kausch ging Gabriele Schultes-Jaskolla (FWG). Da man in einer öffentlichen Sitzung sei, möchte sie ihre kritische Haltung gegenüber der TTT formulieren. Zuvor hatte Josef Kaiser (CSU) noch versucht, mit einem Geschäftsordnungsantrag die Diskussion abzuwürgen.

Doch die dritte Bürgermeisterin beharrte auf ihr Rederecht. Kausch wisse, dass er mit ihr ein „schwieriges und kritisches Gegenüber“ habe. Deshalb wollte sie mehr über Russland als größtes Potenzial wissen. In diesem Gremium des Gemeinderats werde seit Jahren das Auslandsmarketing der TTT angefordert. „Warum macht ihr unseren See nicht in der Schweiz, in Norditalien und Österreich bekannt?“. Dafür gebe es kein Geld, sei immer als Argument der TTT gekommen. „Jetzt wollen sie dafür aber Osteuropa und Russland aktiv bewerben“.

Pragmatisch, intellektuell oder bürgerlich?

Ihr sei jeder Gast recht, sie komme aus dem Einzelhandel und bei ihr sei jeder Kunde König. Die Frage aber sei, wo und wie investiere man das Geld für mehr Touristen. Als Beispiel nannte Schultes-Jaskolla die Zielgruppen der TTT: die „adaptiv pragmatische“, die „liberal-intellektuelle“ und die „bürgerliche Mitte“. Ob er denn diese drei Zielgruppen in einem Satz beschreiben könne, fragte sie Kausch und wo da die Osteuropäer einzuordnen wären.

Zudem wollte sie wissen, wie es Kausch gelinge, die Ausgaben für Kugelschreiber der adaptiv-pragmatischen Zielgruppe zuzuordnen, und die Ausgabe für Stoffbeutel den liberal-intellektuellen. „Da drängt sich mir der Verdacht auf, die TTT macht Aktionen, um sie dann mit einem strategischen Mäntelchen zu versehen“. Sie wisse, dass sie damit ihre Kollegen nerve.

Köck beendet “Verhör”

Diesen Ball griff offenbar ziemlich genervt Bürgermeister Christian Köck (CSU) auf. „Wir sind hier in der öffentlichen Sitzung und nicht in einem soziologischen Verhör“. In Anbetracht des umfangreichen Tagespensums und der Tatsache, dass solche Detailfragen intern zu klären seien, holte Köck wieder Kaisers Antrag auf Ende der Diskussion hervor.

Denn er möchte nicht, dass hier jemand „unnötig vorgeführt“ werde und man mit ihm „Tabula rasa“ für Dinge mache, die er nur teilweise zu verantworten hat. Man sei froh, dass Kausch das „Schiff wieder in ruhigere Fahrwasser“ gebracht habe. Eine Mehrheit von 12:7 Stimmen war für ein Ende der Debatte um Kausch. Der verließ sichtlich gestresst den Rathaussaal.


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