Partysause sorgt für Ärger:
Geht der Saurüsselalm das Wasser aus? ­­

Franz Josef Haslberger und die Naturschutzvereine kommen nicht zusammen. Verzögern und Vertrösten –die Taktik schien aufzugehen. Doch jetzt meldet die Alm Wassermangel.

Vor nicht einmal vierzehn Tagen berichteten wir – wieder einmal – über den Stand der Verhandlungsrunde zur Saurüsselalm. Der Verein zum Schutz der Bergwelt und die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) haben sich gerichtlich mit dem Betonbaron und Saurüsselalm-Besitzer angelegt – und verloren. Beide Seiten wollten das Urteil nicht akzeptieren. Der Landrat, ein Mann des Kompromisses, vermittelt, lädt zu Gesprächen nach Miesbach ein. Haslberger schickt seinen Anwalt. Am Ende soll der mit einem seltsamen Vorschlag um die Ecke gebogen sein: Wenn die Gemeinde die Saurüsselalm ans kommunale Wassersystem anschließe; ja, dann käme man ins Geschäft.

Weiter feiern, weiter verhandeln?

Das ist insofern putzig, weil die Gemeinde nicht am Verhandlungstisch saß. Aber man kann es ja versuchen. Von Johannes von Miller (Grüne) auf die Wasserfrage in der letzten Gemeinderatssitzung angesprochen, antwortete Bürgermeister Robert Kühn lapidar: “Bei uns ist kein Antrag auf kommunale Wasserversorgung eingegangen.” Also nur ein Haslberger-Täuschungsmanöver?   

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Jetzt ist für die Vereine Schluss mit lustig. Man fühlt sich vom streitbaren Wiessee-König Haslberger vorgeführt. In einer gemeinsamen Pressemitteilung schreiben die Vereine: “Unter den gegebenen Umständen können wir die Vergleichsverhandlungen wegen der offensichtlich fehlenden Erfolgsaussichten nicht weiterführen. Die beteiligten Verbände werden jetzt den beschrittenen Rechtsweg fortsetzen.” Also wieder zurück ins Gericht. Derweil wird auf 1000 Höhenmeter weiter gefeiert.

Auf der Alm, da gibts keine Pause. Schon Ende Juli ist ein Event (249 Euro pro Person, Almpreise eben) mit vier Spitzenküchenchefs aus dem Tal geplant. Dafür sollen eigene Hütten für die Koch-Exzellenz im Außenbereich hochgezogen werden. Viel Restaurant, wenig Alm? Die SGT und der Verein zum Schutz der Bergwelt monieren genau solche Events. Ihr zentrales Anliegen? Eine Beschränkung der Hüttenabende auf 22:00. Nachdem das außergerichtlich nicht vorwärtsgeht, schreiben sie in der Pressemitteilung: “Insbesondere die geschlossenen Veranstaltungen dürften dann nach Beendigung des Rechtsstreits der Vergangenheit angehören.”

Blackbox Party-Hütte

Die Anzahl und Größe der Events sind von großer Bedeutung. Weil sie eben einen massiven Wasserverbrauch bedeuten. Die örtliche Quelle wird massiv belastet. Die Betreiber kündigen schon jetzt über Instagram eine kurzfristige Schließung an. Grund: Wassermangel. Wünschen sich die Saurüsselalm-Betreiber deswegen einen Anschluss an die kommunalen Quellen?

Nur: Wenn Quellen so belastet werden; dann müsste für das gesamte Gebiet ein Stresstest angeordnet werden. Wo stehen wir bei den Quellen? Bislang wurde das nur sehr rudimentär erfasst. Kühn hat für die kommunalen Quellen eben jene genauen Prüfungen in die Wege geleitet. Nur dann kann sichergestellt werden, dass eine extensive Nutzung von Wasser verantwortbar ist – für Kochevents und andere Partys.

Die Vereine vermuten, dass das aufsichtsführende Landratsamt (LRA) in Miesbach hier auffallend untätig ist. Zu viel Wohlwollen? Nicht ganz. Dort heißt es: “Wir bedauern sehr, dass die beiden Vereine die von Landrat von Löwis initiierten Verhandlungen als gescheitert erklären, denn diese liefen über einige Monate aus unserer Sicht positiv und vielversprechend.”

Das klingt? Erstmal wie immer … aber dann legt sich das LRA ins Zeug – für die Vereine und gegen den Event-Aufriss des Betonbarons: “Wir teilen die Auffassung der Vereine, dass Events wie die besagte Kochveranstaltung kritisch zu sehen sind und (gerade tagsüber) nicht mit einer klassischen (=genehmigten) Almwirtschaft in Einklang zu bringen sind.”

Und wie weiter? Antwort aus Miesbach:

“Daher prüfen wir baurechtliche und gaststättenrechtliche Schritte, auch wenn diese aufgrund des derzeitigen rechtlichen Zustandes (Urteil aus erster Instanz ist nicht rechtskräftig, daher sind 15 Sonderveranstaltungen nach wie vor erlaubt) ein eher stumpfes Schwert sein dürften.”

Als Landratsamt sehen wir es aktuell sehr kritisch, wie der rechtliche Rahmen vom Betreiber strapaziert wird.”

Ist hier jemandem der Hut geplatzt? Verliert Franz Josef Haslberger einen wichtigen Alliierten mit der Behörde in Miesbach? Fachkundige Juristen rechnen damit, dass die bisherige Genehmigung für die Events in der nächsten Instanz einkassiert wird. Die aktuellen Exzesse auf 1000 Höhenmetern haben wohl nichts mehr mit dem Genehmigten zu tun.

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