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Heute ist "Tag der Zivilcourage"

Hey Du, mit der grünen Jacke – hilf mir!

Von Maxi Hartberger

Ob ein Verkehrsunfall, eine Schlägerei oder die Belästigung einer Frau – auch im Tegernseer Tal ist in manchen Situationen Zivilcourage gefordert. Doch was genau bedeutet Zivilcourage? Und wie kann ich in brenzligen Situationen anderen Menschen wirklich helfen?

Filmen statt eingreifen – oft ist die Lust an der Sensation größer als der Wille zu helfen. / Foto: dpa/Schimkus

Der 19. September ist der Tag der Zivilcourage, der vor acht Jahren in Bremen durch den Verein ‘Tu was! Zeig Zivilcourage! e.V.’ ins Leben gerufen wurde. Mit dem Ziel, darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig Zivilcourage in unserer Gesellschaft ist, und wie sich jeder Mensch für andere einsetzen kann: „Jeder kann überall dazu beitragen – ob Klein oder Groß -, dass wir uns alle geschützt, verstanden und geborgen fühlen.“

Für Simon Horst vom Bayerischen Roten Kreuz beginnt dieses Engagement schon im Kleinen: „Alltagssituationen sind oft schon gute Beispiele, in denen Zivilcourage Anwendung findet: Einem älteren Menschen sicher über die Straße helfen, einer gestützten Person beim Aufstehen unterstützen und so weiter.“ Jeder könne die Augen offen halten und „wird täglich Situationen erkennen, in denen Zivilcourage zum Tragen kommen kann“, so Horst vom Kreisverband Miesbach.

Zivilcourage kann also in den kleinsten Momenten gezeigt werden, doch meist ist sie in Notsituationen gefordert. Auch hier im Landkreis wird man immer wieder damit konfrontiert – egal, ob beim Autofahren, beim Feiern oder beim Einkaufen. Jederzeit kann es zu einer Notsituation kommen und oft sind die umstehenden Menschen zunächst überfordert. „Das ist ganz normal“, erklärt Jürgen Thalmeier, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Dennoch gibt es für solche Situationen gewisse Regeln oder Leitlinien, an die man sich halten kann.

Mitmenschen auf Situation aufmerksam machen

„Niemand kann erwarten, dass eine körperlich unterlegene Person beispielsweise in einen handgreiflichen Streit zwischen mehreren Leuten geht“, so Thalmaier. Das Gegenteil ist der Fall: „Grundsätzlich sollte man sich nie selbst in Gefahr bringen, das ist das Allerwichtigste.“ Die beste Art zu helfen sei selbst Hilfe zu holen.

„Wenn man eine ungewöhnliche Situation beobachtet oder an einem Verkehrsunfall vorbei kommt, immer zuerst die 110 oder 112 wählen. Die Einsatzzentrale gibt den Fall dann entweder an die Polizei, ans BRK oder die Feuerwehr weiter. Bei beiden Nummern kommt man an der richtigen Stelle durch“, versichert Thalmaier.

Grundsätzlich müsse man zunächst immer erst die Situation einschätzen, bevor man selbst zu Hilfe eilt. „Nur eingreifen, wenn man sich selbst nicht gefährdet“, lautet die Devise. Doch was tun, wenn die Situation äußerst heikel ist, wie beispielsweise bei einer Schlägerei oder der Belästigung einer Frau? In so einem Fall sollte man umstehende Personen ansprechen und um Hilfe bitten:

Am wirkungsvollsten ist es, jemanden direkt anzusprechen: ‚Hey du, mit der grünen Jacke, bitte hilf mir!‘

So könne man mehrere Personen auf den Fall aufmerksam machen, ohne sich allein der Situation auszusetzen. Auch bei einem Verkehrsunfall gebe es laut Thalmaier einige grundsätzliche Vorgaben, denen jeder folgen könne. Erst vor Kurzem kam es zu einem scheren Verkehrsunfall auf der B472, als ein 81-jähriger Waakirchner mit seinem Auto gegen einen Baum krachte (wir berichteten).

Nicht gaffen, sondern reagieren

„An einem solchen Unfall sollte man nicht einfach nur vorbeifahren und gucken.“ Die erste Regel lautet, die Unfallstelle abzusichern – beispielsweise durch Warnblinklicht oder Warndreieck. „Danach sofort die 110 oder 112 anrufen. Dort bekommt man dann weitere Instruktionen und Fragen gestellt, wie beispielsweise, ob die verletzte Person noch ansprechbar ist.“ In diesem Zusammenhang plädiert Thalmaier erneut, den Erste-Hilfe-Kurs aufzufrischen.


Die meisten machen ihn nur zum Führerschein und danach nie wieder. Jedoch kann man sich darin auch fortbilden und in Unfallsituationen besser und ruhiger reagieren.

Für die Polizei sei Zivilcourage ein wahnsinnig wichtiges Thema: „Wir sind stolz auf Menschen, die Engagement zeigen und Hilfe leisten.“ Erst vor kurzem habe ein 14-jähriges Mädchen ein örtliches Flüchtlingskind aus dem Chiemsee gerettet. „Das war schon etwas ganz Besonderes.“

Dennoch seien das eher die medienwirksamen Fälle. Insgesamt beobachtet beispielsweise das BRK, „dass immer mehr Menschen sich für Ihre Umwelt und Mitmenschen scheinbar weniger interessieren und die alltäglichen Prioritäten anders gelagert sind“, erklärt Horst. So komme es häufig dazu, dass Menschen nicht helfen und sogar soweit gehen, dass sie Hilfe eher ver- beziehungsweise behindern. „Missachtung der Bildung einer Rettungsgasse, Gaffer, Angriffe auf Hilfskräfte“ – um nur einige Beispiele zu nennen.

„Sechs Regeln für Zivilcourage“

Dass jeder aber seinen Beitrag leisten und helfen kann, davon ist auch die Initiative überzeugt, die den Tag der Zivilcourage ins Leben gerufen hat: „Egal, ob als Verein, Gemeinde, Schule, Uni, Kindergarten – jeder von uns kann Zivilcourage lernen, weitergeben und darüber sprechen“, so das Motto der Initiative. Unter dem Leitspruch „Schau nicht weg! Bleib fair!“ stellte die Initiative eine Art Regelwerk für richtiges Verhalten in Notsituationen auf:

  1. Ich beobachte genau, mit all meinen Sinnen, damit ich erkenne, worum es tatsächlich geht und um mir einen Überblick zu verschaffen.
  2. Die Kunst zu helfen bedeutet auch, dass ich mir Hilfe bei anderen Menschen hole. Ich bleibe ruhig und rufe einen Arzt, Rettungsdienst, Polizei, Feuerwehr oder andere Hilfe.
  3. Ich halte Abstand! Das körperliche Eingreifen ist immer das allerletzte Mittel und wird nur eingesetzt, wenn eine erhebliche Gefahr für Leib oder Leben des Opfers besteht.
  4. Ich suche mir Mitstreiter, weil es mir dann leichter fällt, eine Situation zu beeinflussen und weil es für mich sicherer ist, wenn ich Unterstützung habe.
  5. Das Opfer hat Priorität! Manchmal reicht es nur da zu sein und mit dem Opfer zu sprechen, manchmal muss ich Erste Hilfe leisten.
  6. Ich bin Zeuge: Ich spreche aus, was ich beobachtet habe und sorge mit meiner Aussage dafür, dass die Straßen, dass unsere Umgebung, unsere Umwelt und somit unsere Gesellschaft ein Stück sicherer werden.


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