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Raubüberfall in Rottach - ein Kommentar

Hinter hohen Hecken ist jeder unsichtbar

Von Steffen Greschner

„Die Leute müssen sich wieder sicher fühlen“, sagt Rottachs Zweiter Bürgermeister Hermann Ulbricht. Angst geht um im Tal seit dem Überfall vom letzten Mittwoch. Jetzt will er mit der Polizei sprechen.

Ob die wirklich helfen kann, steht auf einem anderen Blatt. Selbst die doppelte Anzahl Streifenwagen sieht in der Dr.-Scheid-Straße nur Hecken. Hohe Hecken, die Blicke fernhalten. Egal, ob von Kriminellen, Passanten oder Polizisten.

Hohe Hecken bieten nicht nur Schutz vor fremden Blicken.
Hohe Hecken bieten nicht nur Schutz vor fremden Blicken.

In Berlin kennt man sich aus mit Kriminalität. Berlin ist gefährlich, zumindest mit dem Blick aus dem beschaulichen Tegernseer Tal. In Berlin werden Menschen auf offener Straße überfallen, Autos auf- und in Wohnungen eingebrochen. In Berlin macht sich die Polizei Gedanken, wie Sicherheit wiederhergestellt werden kann.

Die Forderungen der Ordnungshüter sind simpel: weg mit den Hecken, dunklen Ecken und ruhigen Wegen. Keine Sträucher neben Hauseingängen und keine undurchsichtigen Eingangstüren. Sicherheit wird durch Sichtbarkeit geschaffen, so das Kredo. Je mehr hinschauen, desto besser. So handhaben es auch andere Städte an ihren sogenannten Kriminalitätsschwerpunkten.

Rottach-Egern als Kriminalitätsschwerpunkt zu bezeichnen, ist dabei zum Glück noch übertrieben. Aber die Zunahme der Einbruchsdelikte gibt mehr als Grund zur Sorge. Angelockt werden die Täter durch den nicht gerade heimlichen Reichtum im Tal. Einfach gemacht wird es ihnen durch den Versuch, ebendiesen und sich selbst zu verstecken. Hinter hohen Hecken, Mauern und Toren.

Noch weiter einmauern wird nicht funktionieren

Dieser gefühlte Schutz schützt nicht die Opfer, sondern vor allem die Täter. Wer hinter der Hecke ist, ist unsichtbar. Wer es ins Haus geschafft hat, muss keine lästigen Blicke mehr fürchten. Mit beängstigender Ruhe – bei aller Brutalität – sind allem Anschein nach auch die Täter vom vergangenen Mittwoch vorgegangen. Die Chance, entdeckt zu werden, war gering. Egal, wie viele Streifenwagen an der Hecke vorm Haus auch vorbeifahren.

Dabei hatte die Kontrolle der Nachbarschaft beim Überfall vom vergangenen Mittwoch glücklicherweise zumindest zum Teil funktioniert. Aufmerksamen Nachbarn und einer besorgten Tochter ist es zu verdanken, dass die beiden Opfer bereits nach 16 Stunden gefunden wurden. Nicht auszumalen, was sonst passiert wäre.

Der jetzt reflexartige Ruf nach der Polizei greift darum zu kurz. Absolute Sicherheit werden die Ordnungshüter nicht bieten können. Es braucht das Umdenken eines jeden Einzelnen. Mehr Kontakt und Gemeinschaft, mehr Sichtbarkeit auf den Grundstücken – ein wachsamer Blick vom Nachbarn schräg gegenüber sticht jeden Streifenwagen aus. Noch weiter einmauern wird als Sicherheitskonzept zumindest nicht funktionieren. Es schützt die Falschen.

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