Agatharied-Chef erklärt Epidemie

von Maxi Hartberger

Das Kreiskrankenhaus in Agatharied befindet sich im Ausnahmezustand: wegen einer Noro-Virus-Epidemie können nur noch Notfälle behandelt werden. Doch wie konnte sich der Virus so rapide ausbreiten und wie viele Menschen sind betroffen?

Geschäftsführer Michael Kelbel erklärt die aktuelle Lage im Krankenhaus Agatharied. / Quelle: khagatharied.de

Gestern Abend wurde die Nachricht über eine Epidemie im Krankenhaus Agatharied in einem Schreiben des Gesundheitsamts des Landratsamts Miesbach bekannt: „Aufgrund einer sprunghaft angestiegenen Anzahl von Durchfallerkrankungen, die teilweise mit heftigem Erbrechen und schwerer Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens einhergehen, ist das Krankenhaus Agatharied derzeit am Rande seiner Kapazitätsmöglichkeiten.“

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Wie Geschäftsführer des Krankenhauses Michael Kelbel auf Nachfrage erklärt, komme dieses Noro-Virus im aktuellen Fall zur Unzeit. Zwar sei jedes Krankenhaus zu dieser Jahreszeit in Alarmbereitschaft, doch derzeit sei Agatharied ohnehin schon gut ausgelastet. „Im Moment sind durchschnittlich rund 330 unserer 350 Betten belegt“, so Kelbel. Das sei jahreszeittypisch, da sich Patienten im Winter gerne operieren lassen. „Dazu kommen aufgrund der guten Schneelage die ebenfalls jahreszeitlich typischen Winterverletzungen“, wie zum Beispiel Skiunfälle.

Der Umgang mit Noro-Infektionen stellt ein Krankenhaus insofern vor besondere Herausforderungen, da ein Patient bereits in der Inkubationszeit hoch ansteckend ist, obwohl er selbst von der Krankheit noch nichts bemerkt hat. Dazu kommt, dass dieses Virus hoch ansteckend ist und bereits ganz wenige Virus-Partikel ausreichend für eine Ansteckung sein können.

Eine Verbreitung kann daher mit den üblichen Hygiene-Maßnahmen nur bedingt verhindert werden. „Die Durchführung der stringenten Hygiene-Maßnahmen wird zusätzlich erschwert, wenn das Krankenhaus sowieso schon fast voll belegt ist und damit eine Isolierung von betroffenen Patienten behindert wird“, erklärt Kelbel die aktuelle Epidemie vor Ort. Neben Patienten haben sich außerdem auch Mitarbeiter infiziert. Damit steigt zusätzlich „die Arbeitsbelastung für die anderen Mitarbeiter signifikant.“

Besucher trugen Noro-Virus ins Krankenhaus

Wie viele Personen insgesamt betroffen sind, kann Kelbel nur schwer beantworten, „da sich die Lage quasi stündlich ändert.“ Heute früh seien 29 Patienten aufgrund der Symptomatik in stationärer Versorgung gewesen. Neben den Patienten seien zwölf Mitarbeiter erkrankt und weisen die Symptome Durchfall und/oder Erbrechen auf.

Das Virus kam über mehrere Wege in das Kreiskrankenhaus. „Bestätigt sind zwei sogenannte Index-Patienten, bei denen nachgewiesen werden konnte, dass die Infektion durch Angehörige beziehungsweise Besucher erfolgt ist.“ Es könne aber nicht verhindert werden, dass das Virus auch unter den Patienten übertragen wird.

Wir müssen derzeit davon ausgehen, dass die Mehrzahl der Noro-Infektionen aufgrund mangelnder persönlicher Hygiene von Patient zu Patient stattgefunden haben.

Bereits gestern wurden alle notwendigen Maßnahmen getroffen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Aufgrund der extrem angespannten Situation und um mehr Spielraum für die Isolierung von infektiösen Patienten zu erhalten, wurden nicht so dringende Behandlungen, wie geplante Operationen oder Herzkatheteruntersuchungen, um einige Tage verschoben.

Dennoch werden „selbstverständlich alle Notfallpatienten wie bisher rund um die Uhr aufgenommen.“ Das Risiko, dass sich diese Patienten im Krankenhaus ebenfalls mit dem Noro-Virus infizieren, sei laut Kelbel grundsätzlich deutlich niedriger, „als dass man sich im Supermarkt oder am Stammtisch ansteckt.“

Eigentlich normal für diese Jahreszeit

Trotz der akuten Situation „dürfen Patienten selbstverständlich weiter besucht werden,“ wie Kelbel betont. Dennoch sei wünschenswert, wenn dabei ein paar Dinge berücksichtigt werden. Dazu gehört, auf Besuche zu verzichten, wenn man sich selbst nicht wohl fühlt, oder wenn gar eine Infektion vorliegt. „Auch sollten gängige Hygiene-Maßnahmen wie die Händereinigung und die Händedesinfektion selbstverständlich sein.“

Eigentlich handele es sich um eine normale Situation für diese Jahreszeit, doch aktuell wird sie „dadurch überlagert, dass unser Krankenhaus voll belegt ist. Nur dies zwingt uns zu den veröffentlichten Maßnahmen, die sich dramatisch anhören.“ Es könne deshalb weder von einem Aufnahmestopp gesprochen werden, noch ist die Behandlung von Notfallpatienten in irgendeiner Weise eingeschränkt.

Unser Hauptproblem besteht eigentlich darin, dass der Jahreszeit geschuldet auch viele Mitarbeiter erkrankt sind. Dies in Verbindung mit der hohen Auslastung erschwert die Situation tatsächlich.

Trotzdem geht Kelbel davon aus, dass sich die Situation über das kommende Wochenende deutlich entspannt. „Immerhin sind die Patienten und unsere betroffenen Mitarbeiter meistens nach zwölf bis 24 Stunden wieder symptomfrei und nach weiteren 48 Stunden ist die Ansteckungsgefahr nur noch minimal.“

Man könne sich selbst am besten vor dem hochansteckenden Virus schützen, indem man konsequent Händehygiene betreibt, „da das Virus vorwiegend durch Kontakt mit kontaminierten Flächen übertragen wird.“ Überall, wo viele Menschen unterwegs sind und ihre Keime auf allen möglichen Oberflächen hinterlassen, ist deshalb Vorsicht geboten. Also immer dran denken: Nach dem Einkaufen oder der Busfahrt – zu Hause sorgfältig Händewaschen. „Das ist die wichtigste Maßnahme zu Vorbeugung“, erklärt Kelbel abschließend.


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