“Hoax-Map” widerlegt Asyl-Gerüchte

von Maxi Hartberger

Die Zutaten für die Gerüchteküche sind derzeit leicht zu finden: Asylbewerber und ein bisschen Phantasie ergeben oft die schlimmsten Vorfälle. Mit Themen der Flüchtlingskrise ist daher sensibel umzugehen. Dafür plädiert auch die Webseite “Hoax-Map”, die erfundene Geschichten dokumentiert und widerlegt. Auch Tegernsee ist mit zwei Fälle auf der Karte verzeichnet.

Auf dem Sportplatz in Tegernsee wurde im November 2015 ein Asylbewerber verletzt und gefesselt aufgefunden. Es entstanden wilde Spekulationen. / Archivbild
Auf dem Sportplatz in Tegernsee wurde im November 2015 ein Asylbewerber verletzt und gefesselt aufgefunden. Es entstanden wilde Spekulationen. / Archivbild

Hunde und Schwäne werden geschlachtet und gegessen. Frauen vergewaltigt. Gräber geschändet. Es herrscht religiöser Fanatismus. Kinder werden belästigt. Doppelmord wird von der Polizei verschwiegen… Gerüchte um Asylbewerber in Deutschland gibt es viele. Doch obwohl die Geschichten teilweise erfunden und äußerst absurd sind, verbreiten sie sich blitzschnell.

Um auf solche Gerüchte aufmerksam zu machen, aber vor allem sie zu widerlegen, hat eine junge Leipzigerin die sogenannte Hoaxmap erstellt. Eine Karte von dokumentierten Falschmeldungen. Auf der Webseite erklärt Sie den Grund:

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Die Hoaxmap ist aus dem Wunsch entstanden, eine Ordnung in die Vielzahl gestreuter Gerüchte zu bringen und die Dekonstruktion selbiger zu erleichtern.

Mittlerweile gibt es 278 Einträge und es werden immer mehr: Die Vorfälle werden auf einer Google-Maps-Karte in dem jeweiligen Ort angezeigt, dazu gibt es dann noch einen Link zu Artikel, die die Gerüchte widerlegen. Kategorien wie Raub, Mord oder Wilderei listen die zugehörigen Fälle aus ganz Deutschland auf. Allein zehn scheinbare Morde werden angezeigt – einer davon in Tegernsee.

Im November vergangenen Jahres wurde ein 24-jähriger Pakistani bewusstlos, verletzt und gefesselt auf dem Sportplatz vor der Tegernseer Turnhalle vom Sicherheitsdienst aufgefunden. Alles wies auf einen Angriff durch Dritte hin, vermutlich sogar andere Asylbewerber, die mit dem jungen Mann in der Unterkunft leben.

Gerüchte im Tal machten schnell die Runde: die Polizei habe die Öffentlichkeit nicht wahrheitsgemäß informiert, Anwohner sahen auf dem Sportplatz einen Toten, Feuerwehrmänner hätten beobachtet, wie der Pakistani in einem Sarg abtransportiert wurde – doch letztendlich war alles frei erfunden. Es stellte sich heraus, dass der pakistanische Flüchtling den Übergriff nur vorgetäuscht hatte. Grund war der Wunsch zu seinen Verwandten in eine Asylunterkunft nach Frankfurt verlegt zu werden.

Fall aus Tegernsee in der Kategorie “Verschwendung”

Doch auch ein zweites Gerücht aus Tegernsee ist auf der Hoaxmap verzeichnet: So sollen im vergangenen Jahr Asylbewerber gespendete Kleider nicht angenommen und sogar in den Dreck geworfen haben. Dazu kursierte ein Bild auf Facebook, das das Geschehen dokumentieren soll. Doch in Wahrheit handelte es sich dabei um ein Bild von dem Projekt “Haus-der-Hoffnung” in Rumänien. Es unterstützt Kinder und arme Menschen in der Region Siebenbürgen. Mit der Talgemeinde hatte das also nichts zu tun.

Sowohl Holzkirchen als auch Tegernsee erscheinen auf der Asyl-Gerüchte-Karte "Hoaxmap".
Auch Tegernsee erscheint auf der Asyl-Gerüchte-Karte “Hoaxmap”. Link.

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