Hochwasserausgleich Tegernsee

Bagger am Tegernseeabfluß

Von Martin

Ergänzung vom 27. Februar / 13:10 Uhr
Mit einem 12 Meter langen Baggerarm wurden heute Vormittag am Tegernseeauslauf in Gmund Gesteinsproben entnommen. Das Ziel der Arbeiten, die im Auftrag des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim durchgeführt wurden, war es eine bessere Fakten-Basis für das anstehende Hochwasserschutz-Projekt zu bekommen.

„Der Tegernsee als natürliches Rückhaltebecken,“ so hieß es vor einem Jahr auf einer Informationsveranstaltung in Bad Wiessee. Die Pläne des Wasserwirtschaftsamtes waren damals nicht unumstritten bei Bürgern und Politikern.

Mit den nun durchgeführten Aushubarbeiten will man vor allem die natürlichen Sedimentablagerungen im Solebereich und in bis zu 70 cm tiefen Schichten untersuchen.

„Grundsätzlich entsteht durch die Fließgeschwindigkeit eine gewisse Transportenergie. Schon heute fließt die Mangfall an der Fußgängerbrücke ganz ordentlich,“ resümierte Diplom-Ingenieur Florian Barnerßoi, der die heutige Aktion verantwortete. Durch die Untersuchungen werde laut Barnerßoi vor allem festgestellt, was durch den natürlichen Abfluß im Tegernseeauslauf überhaupt ankommt und sich über die Jahre dort ablagert.

Auf den ersten Blick sei der Aushub im Uferbereich in der Nähe der Fußgängerbrücke eine „astreine Kiesgrube,“ so Alexander Thiele, der als Geotechniker mit vor Ort war. Wie genau sich das Material zusammensetzt und aus welchen Teilen des Sees die Ablagerungen angespült wurden, sollen nun genauere Untersuchungen im Labor ergeben.

Schnellerer Abfluß – besserer Hochwasserausgleich

Wesentlich für das Hauptziel – den verbesserten Hochwasserausgleich des Sees – ist, dass unmittelbar vor Eintritt eines Hochwassers der Wasserstand im See vorabgesenkt wird. Hierzu muss das Schumacher-Wehr in Gmund umgebaut und die Mangfall oberhalb des Wehres tiefer gemacht werden.

Die sogenannte Eintiefung sorgt dann in der Theorie für eine höhere Fließgeschwindigkeit womit auch mehr angeschwemmtes Gestein mittransport werden würde. „Um wie viel genau, das wird über Simulationen errechnet,“ so Florian Barnerßoi.

„So ein Projekt hat es meines Wissens nach in Deutschland bei einem natürlichen See noch nicht gegeben,“ macht Thiele klar. Viele Menschen am Tegernsee seien davon betroffen. Aus dem Grund will das Wasserwirtschaftsamt auch besonders umfassend informieren.

Derzeit befindet sich das riesen Projekt in der Vorplanungsphase. Die konkrete Umsetzung wie auch ein definitiver Zeitplan stehen noch lange nicht fest. Es geht eben nicht nur um Millionen Kubik an Wasser, sondern auch um viele Millionen an Steuergeldern.

Ursprünglicher Artikel vom 25. Februar 2011 / 11:15 Uhr
Wie kann man den Tegernsee für einen verbesserten Hochwasserschutz nutzen? Wie schafft man es Seeanlieger und Unteranlieger entlang der Mangfall vor starken Überflutungen zu bewahren? Wie reduziert man die schwersten Hochwasser auf ein erträgliches Maß?

Diese Fragen sind von Verantwortlichen und Seeanliegern bereits intensiv diskutiert worden. Vor allem die Sorge der Anlieger, dass der Tegernsee für einen Schutz der unteren Mangfall „missbraucht“ werden könnte und sie dann den Hochwasserschutz durch starke Überschwemmungen „ausbaden“ müssten, trieb die Gemeinden auf die Barrikaden. Scheinbar mit Erfolg. Denn im November letzten Jahres wurde das weiterentwickelte Konzept des Wasserwirtschaftsamtes für einen besseren und natürlicheren Rückhalt von Hochwasser im Tegernsee bereits den Gemeindevetretern vorgestellt.

Und gestern waren die Bürger aus den Tal-Gemeinden dran. In einer gut-geführten aber schlecht-besuchten Infoveranstaltung im Gasthof zur Post referierte Paul Geisenhofer, der Leiter des Rosenheimer Wasserwirtschaftsamt, über die bevorstehenden Maßnahmen.

Dabei zeigten sich die anwesenden Bürgermeister ein wenig Enttäuscht über die Ressonanz unter den Bürgern. Nur wenige hatten den Weg in den großen Saal gefunden. Und somit blieben auch die meisten Plätze leer. Zumindest der Präsentation und der Aussagen dazu tat das aber keinen Abbruch:

Die größten Veränderungen stehen Gmund bevor

Durch das neue Wehr verringern sich die Hochwasser des Tegernsees

Das Ziel des Projektes ist die schon vorhandene hochwasserreduzierende Wirkung des Sees noch weiter zu verstärken und sie so optimaler auszunutzen. Erreichen möchte man damit zweierlei:

1. Die Anlieger am See sollen seltener von großen Hochwasserereignissen betroffen sein.

2. Aber auch die Unterlieger im unteren Bereich der Mangfalltal sollen von den Maßnahmen profitieren.

Wesentlich für die verbesserte Rückhaltewirkung des Sees ist, dass unmittelbar vor Eintritt eines Hochwassers der Wasserstand im See vorabgesenkt wird. Hierzu muss das Schumacher-Wehr in Gmund umgebaut und die Mangfall oberhalb des Wehres tiefer gemacht werden.

„Die Gefahr eines Leerlaufens des Sees ist nicht gegeben“

Bei entsprechender Steuerung des Wehres wird durch diese Maßnahme im See ein Volumen von drei Millionen Kubikmeter als Rückhalteraum geschaffen. Ein 100-jähriges Hochwasser am Tegernsee kann damit bis zu einem circa 20-jährigen reduziert werden. Oder besser gesagt: Es ist bei einem starken Hochwasser möglich den Seewasserspiegel um circa 30 Zentimeter niedriger zu halten, als es ohne Wehr und Vertiefung möglich wäre. Gleichzeitig verringert sich im unteren Mangfalltal die Höhe der Hochwasserwelle um ca. 20 cm.

Die genauen Maßnahmen sehen vor das Schuhmacherwehr komplett neu aufzubauen. So dass es in jeglicher Hinsicht flexibel gesteuert werden kann. Desweiteren wird sich die Vertiefung der Mangfall, angefangen beim Seeauslauf, keilförmig zum Wehr fortsetzen und dort eine Tiefe von 1 Meter erreichen. Als zusätzliche Maßnahme sind in Gmund Hochwasserschutzmauern bis zu einer Höhe von maximal 80 cm geplant. Dies betrifft konkret aber nur die Anlieger entlang der Mangfall oberhalb des Wehrs.

In früheren Planungen war noch von zwei Wehren die Rede gewesen. Das zweite im Bereich der Gmunder Eisenbahnbrücke hatte man aber im Rahmen der überarbeiteten Planung eingespart.

Entscheidend bei allen Überlegungen ist, dass der Seeauslauf unangetastet bleibt und der See somit seinen natürlichen Tiefststand nicht unterschreiten kann. Somit ist auch „die Gefahr eines Leerlaufens des Sees nicht gegeben“, so Paul Geisenhofer.

Die Befürchtungen der Seeanlieger flossen in die neue Planung

Die Verantwortlichen haben bereits auf der vorangeganenen Präsentation betont, dass man – trotz jahrelanger Vorabeit – immer noch am Anfang des Projektes steht. Als nächstes muss nun ein Vorentwurf erstellt werden, in dem auch diverse Varianten für die konkreten Maßnahmen geprüft werden. Auf einen genauen Termin für die Fertigstellung will man sich im Wasserwirtschaftsamt dann auch nicht festlegen lassen. Dafür sei das Projekt und die Auswirkungen zu komplex, wie Paul Geisenhofer Ende November betonte.


Die nächsten Planungsschritte wollen wir mit einer ganz intensiven Beteiligung der Gemeinden und der Betroffenen angehen. Unser Ziel ist es, dass durch sehr offene Planung auch eine Lösung entsteht, die von allen Gemeinden am See getragen wird.

Auch die Bürgermeister und die Gemeinderäte der Talgemeinden stehen dem Projekt „wohlwollend“ gegenüber. Alle betonen jedoch wie maßgeblich eine weitergehende Einbindung der Gemeinden und der Anlieger sei.

Dabei stellte Peter Janssen bereits auf der vorangegangenen Präsentation klar, dass sich mit der neuen Planung – ohne zweites Wehr – die größten Befürchtungen einiger See-Anlieger („Die unten schützt man vor Hochwasser, dafür lässt man die Tegernsee-Anlieger untergehen“) glücklicherweise erledigt haben.

Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes erklären den Bürgern die Auswirkungen

Nach der gestrigen Vorstellung ging es dann in die Fragerunde, bei der die drängendsten Fragen direkt an den aufgebauten Stellwänden beantwortet wurden. Dabei wurde nochmal betont, wie langwierig das Projekt ist. Und dass aus dem Grund auch niemand Angst haben muss, von neuen Entwicklungen überrollt zu werden.

Vor allem in Gmund lägen die erforderlichen baulichen Maßnahmen in einem städtebaulich sensiblen Umfeld. Und somit sind gerade da Workshops und Gespräche mit der Gemeinde und den betroffenen Bürgern vorgesehen.


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