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Wiessees Bürgermeister zur Zukunft des Jodbad-Areals

Höß sieht keinen Mangel an guten Investoren

Von Klaus Wiendl

Die Zukunft rund um das Jodbad-Areal beschäftigt viele Wiesseer. Einige denken, die Gemeinde um Bürgermeister Peter Höß baut Luftschlösser und wird keinen Geldgeber für die ambitionierte Planung des Stararchitekten Mattheo Thun auftreiben.

Im TS-Interview geht Höß näher auf die offenen Fragen rund um die Suche nach einem oder mehreren Investoren ein. Dabei stellt er noch mal klar, dass für ihn ein Abriss des Badeparks alternativlos sei.

Peter Höß ist zuversichtlich, einen geeigneten Investor für die Therme zu finden.
Peter Höß ist zuversichtlich, einen geeigneten Investor für die Therme zu finden.

Tegernseer Stimme: Laut den Ausschreibungsunterlagen der Gemeinde für die Neugestaltung des Jod-Schwefelbad-Areals sollten Investoren ihr Interesse bis 28. Oktober 2013 bekunden. Wie viele ernsthafte Bewerber haben sich gemeldet?

Peter Höß: Es haben sich 15 Investoren – keine Hotelketten, sondern mittelständische Unternehmen – für Hotel und Therme gemeldet. Sie sind in der engeren Auswahl, es gibt aber noch keinen heißen Favoriten. Wir wollen in der zweiten Januarhälfte zusammen mit dem Ortsplaner Eberhard von Angerer die Eingänge prüfen und bewerten. Auch die Bonität der Bewerber wird von einem Spezialisten einer großen Anwaltskanzlei abgeklopft.

Tegernseer Stimme: Könnte das relativ kurze Erbbaurecht von 66 Jahren ein Hemmschuh werden?

Peter Höß: Die Thematik Erbbaurecht ist natürlich für den einen oder anderen Interessenten durchaus ein Hemmschuh. Wenn es dieses Erbbaurecht nicht gäbe, dann würden sie uns das Jod-Schwefelbad aus der Hand reißen wie warme Semmeln. Wir haben zwar in die Bewerbungsunterlagen 66 Jahre reingeschrieben, aber es könnten auch mehr sein, zum Beispiel 99 Jahre. Das wäre verhandelbar und ist kein Dogma.  

Tegernseer Stimme: Wenn ein Investor nicht vollends auf den Entwurf Ihres Architekten Matteo Thun abfährt, wo wären Sie kompromissbereit, wo könnten Sie an Ihrem Konzept Abstriche machen?

Peter Höß: Ich könnte mir vorstellen, dass wir mehrere Investoren haben, einen Spezialisten für den medizinischen Bereich und einen Hotelbetreiber samt neuem Bad. Der angrenzende Wohnbereich ist bei den bisherigen Besprechungen noch nicht ins Gewicht gefallen. Ein Investor sollte an der Grundkonzeption festhalten, wenn er aber sagt, statt 150 will er nur 120 Zimmer, dafür größer und exklusiver, dann ist das für mich auch in Ordnung. Detailplanungen gibt es auch noch nicht.

Bisher wurden 560.000 Euro für die Planung ausgegeben

Tegernseer Stimme: Und wenn ein Investor beispielsweise lieber ein Satteldach statt dem geplanten Flachdach hätte?

Peter Höß: Mit einem Satteldach würde es um eine Etage höher werden, was es aber nicht soll. Wenn er dagegen auf ein Stockwerk verzichtet, dann kann es auch ein Satteldach sein. Aber bei der Größe des Bauwerks ist eben ein Flachdach optimaler. Aber es kann auch etwas ganz anderes sinnvoll sein. Wir haben bewusst noch keine Planung im Detail gemacht. Am Dach soll es jedenfalls nicht scheitern.

Tegernseer Stimme: Bei der letzten Bürgerversammlung vor einem Jahr wurden als bisherige Planungskosten 250.000 Euro genannt. Auf wie viel addierte sich der Betrag bis zur Fertigstellung des Konzepts?

Peter Höß: Unter dem Strich ergaben sich bisher 560.000 Euro. Es sind darunter Kosten für Anwälte, die Planer Matteo Thun und die Wiener Hotel-Consultingfirma PKF, unseren Städteplaner von Angerer, die Baugrund-Altlastenuntersuchung, die Verkehrsstudie, die Untersuchung der Heilquellen und Besichtigungsfahrten des Arbeitskreises. Dieser Betrag soll dann an den Investor weitergereicht werden.

Der Badepark in Bad Wiessee ist mittlerweile ein großes Zuschussgeschäft für die Gemeinde.
Der Badepark in Bad Wiessee ist mittlerweile ein großes Zuschussgeschäft für die Gemeinde.

Tegernseer Stimme: Ist ein Abriss des Badeparks verhandelbar, nachdem durch die Bürgermeisterkandidatur von Rolf Neresheimer der Erhalt mittlerweile ein Politikum geworden ist?

Peter Höß: Der Badepark ist im Kern 45 Jahre alt und müsste nicht nur aus energetischen Gründen saniert werden, die ganze Hülle ist schlecht isoliert. Insgesamt würde diese Umstrukturierung über 12 Millionen Euro kosten – so war die Kostenschätzung bereits 2007. Jetzt dürfte es wesentlich mehr sein. Dies ist eine Größenordnung, die die Gemeinde einfach nicht stemmen kann. Auch beim Brandschutz müsste nachgerüstet werden. Da wissen wir noch gar nicht, welche Überraschungen da kommen könnten. Das Defizit bringt das Schwimmbad, die Sauna gleicht es ein wenig aus. Besser ist es daher, nun mit dem Hotel ein neues Bad zu bauen und eine doppelte Nutzung zu organisieren: zu bestimmten Zeiten exklusiv für Hotelgäste, in den anderen Zeiten eine für die Allgemeinheit.

Talgemeinden beteiligen sich an Betriebskosten

Tegernseer Stimme: Glauben Sie, dass sich ein nahtloser Übergang vom Abriss des Badeparks zur Inbetriebnahme der Therme mit Schwimmbecken verwirklichen lässt?

Peter Höß: Ja, es ist so vorgesehen. Die anderen Talgemeinden beteiligen sich jetzt nicht an den hohen Betriebskosten, weil einige sagen, wie Wiessee einst noch Gewinne mit der Spielbank machte, hätten wir auch nichts davon gehabt. Jetzt müsst ihr eben mit eurem Problem Badepark allein fertig werden. Allerdings, so sagten mir die anderen Bürgermeisterkollegen, wenn das Sportbecken kommt, wollen sie sich an den Betriebskosten beteiligen. Weil sie sich der Verantwortung für die Kinder, Schüler und Rettungsdienste im Tal nicht entziehen wollen. Diese Zusage ist da.

Tegernseer Stimme: Wer benutzt eigentlich den Badepark?

Peter Höß: Im Verhältnis zu allen Besuchern ist der Anteil aus Wiessee bei 10 Prozent, dies ergaben Zählungen im vergangenen Jahr. Die meisten Besucher kommen aus dem gesamten Tal, aber auch aus Bad Tölz bis Wolfratshausen. Richtung Miesbach, Irschenberg und Schliersee haben wir allerdings Marktanteile verloren. 


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