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Gemeinderat verweigert Klaudia Martini die Gefolgschaft

Wiessee setzt weiterhin auf Strüngmann

Klaudia Martini forderte in ihrem Antrag eine Abkehr von Thomas Strüngmann und eine Rückabwicklung des 2012 geschlossenen Kaufvertrages mit der Gemeinde über das Spielbankgelände in Bad Wiessee. Die SPD-Rätin legte sich dafür gestern Abend leidenschaftlich ins Zeug. Doch selbst in den eigenen Reihen stieß sie auf Widerstand.

Was soll mit dem ehemaligen Grundstück der Spielbank Bad Wiessee passieren?
Strüngmann soll das ehemalige Spielbankareal weiterhin entwickeln dürfen.

In ihrer Begründung des Antrags zur Rückabwicklung des Kaufvertrages, der ein Volumen von 4,7 Millionen Euro hat, zog Klaudia Martini am Ratstisch alle Register ihrer Redegewandtheit. Sie sprach von der Unwürdigkeit, wie es nun immer noch an der Seepromenade aussehe. Es sei auch nicht erforderlich, dass Strüngmann als Eigentümer des Spielbankgeländes auch noch nach dem Lederer-Areal greife.

Auf jedem Grundstück könnten Hotelbauten entstehen. „Beide Grundstücke sollen nicht in eine Hand gelangen“, wetterte Martini, „mir ist inzwischen der Kragen geplatzt“. Dies war ihrer Rechtfertigung anzumerken. Die von Strüngmann versprochene Entwicklung sei weit und breit nicht in Sicht. „Wir verkauften an Strüngmann, weil wir im Glauben waren, jetzt passiert was“. Zudem habe die Gemeinde die Kosten für die planerischen Ideen vorgestreckt, „weil die Eigentümer nicht in die Puschen kamen“.

“Nicht abhänig machen”

Ihr sei auch nach etlichen Jahren nicht bekannt, was die Grünwalder RDR-Gruppe mit dem Lederer-Hotel vorhabe. Hier könne sie sich einen Erhalt des betagten Gebäudekomplexes vorstellen. „Damit bliebe ein wesentliches Element unserer Seepromenade erhalten“, so Martini in ihrer Philippika.

Dabei erwähnt sie auch, dass die Kinder von Thomas Strüngmann die eigentlichen Eigentümer des Grundstücks seien und ihr Vater nur Handlungsbevollmächtigter. „Wir können uns nicht von Einem abhängig machen“. Sie ist der Ansicht, dass der Kaufvertrag mit Strüngmann eine Rückabwicklung ermögliche, wenn die Gemeinde einen Bebauungsplan vorlegen könnte.

Kein Geld für einen Rückkauf

Keine Unterstützung bekam Martini diesmal von Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block). Er habe zwar ein gewisses Verständnis für Martinis Ungeduld. Er glaubt auch, dass auf Grund ihres Antrages die Gespräche von Strüngmann und RDR nun konstruktiver und zielführender geführt würden.

Von RDR habe er erfahren, dass man an einer Wiederinbetriebnahme des Hotels Lederer kein Interesse habe. Gleichzeitig machte Höß in Richtung Martini gewandt auch klar, dass im Haushalt keine Mittel für einen Rückkauf vorhanden seien. „Wir müssten einen Kredit aufnehmen“.

In Kürze Einigung der Grundstückseigentümer?

Hoffnung keimte am Ratstisch, als Höß ankündigte, dass „in Kürze eine Einigung der beiden Grundstückseigentümer auf eine Planung“ erfolgen würde. Es sei ihm glaubhaft bestätigt worden, dass ein städtebaulich schönes Hotel entstehen würde. Mit dieser Ankündigung von Höß hatte es Martini schwer, ihre Gefolgsleute noch zu mobilisieren, auch die der eigenen Partei. Robert Huber will Strüngmann noch eine gewisse Frist einräumen.

„Bitte kommen sie endlich in die Gänge, mehr kann man uns nicht abverlangen“, so Huber. Mitunterzeichner Fritz Niedermeier und Birgit Trinkl (Wiesseer Block) argumentierten, sie hätten Martinis Antrag unterschrieben, damit Bewegung reinkomme. Nun gebe es eine neue Entwicklung, die man nach allen Seiten prüfen solle.

Kurt Sareiter, Fraktionssprecher der CSU, hält zwar eine Rückabwicklung für möglich, da er den Notarvertrag kenne. Doch er warnte vor „Schnellschüssen“ des Gemeinderates. Seine Fraktion setze lieber auf weitere Gespräche mit Strüngmann. „Ich glaube, dass man sich auf Strüngmanns Wort verlassen kann“, ergänzte Florian Sareiter. Ins gleiche Horn stieß auch Rolf Neresheimer (ranBW): „Wir können so nicht mit Strüngmann umspringen und ihn vor den Kopf stoßen. Wir müssen mit ihm kooperieren“.

Martini unterliegt

Einzig die fraktionslose Beate Meister sprang Martini zur Seite: „Nach vier Jahren sollte eine Rückabwicklung möglich sein“. Doch es half nichts. Martinis Antrag wurde mit 13:2 Stimmen niedergestimmt. Einmütigkeit herrschte dagegen beim Kompromissvorschlag des Bürgermeisters, der eine Rückabwicklung juristisch erst einmal durch die Verwaltung prüfen lassen will und damit augenscheinlich auf Zeit spielt.

Denn das Ergebnis soll dann auf der nächsten Sitzung bekanntgegeben werden. Bis dahin hofft Höß offenbar, dass Strüngmann zu einem Gespräch mit den Fraktionssprechern bereit ist und die Karten endgültig auf den Tisch legt. „Dann schauen wir weiter“, orakelte Fritz Niedermeier (FWG).


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