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Nach Köhl-Rauswurf: Neue Vorwürfe gegen Talbürgermeister

Höß unter Beschuss

Alles andere als gemütlich verlief der gestrige Stammtisch der Wiesseer Vermieter. Es hagelte Kritik und Unverständnis über die Informationspolitik der fünf Talbürgermeister in der Causa Köhl. Sprecher Peter Höß hatte einen schweren Stand – sogar bei Freunden.

Vermietertreffen in Bad Wiessee: Bürgermeister Peter Höß, der als Sprecher der TTT in der Causa Köhl agiert, ist unter Beschuss.
Vermietertreffen in Bad Wiessee: Peter Höß, der als Sprecher der TTT in der Causa Köhl agiert, ist unter Beschuss.

Normalerweise nimmt kaum jemand Notiz vom Wiesseer Mieterverein, wenn er seinen monatlichen Stammtisch im Gasthof Post abhält. Aber gestern war alles anders, trotz gleichzeitiger Übertragung des Champions-League-Spiels der Bayern im Nebenraum. Das Thema war brisant, die Stimmung gereizt, als Steffi Erlacher in Vertretung von Bernhard Kaiser bei der Veranstaltung im kleinen Postsaal gleich auf den Punkt kam: das Ende des Arbeitsverhältnisses von TTT-Geschäftsführer Stephan Köhl, der zum 31. März seinen Stuhl räumen musste.

Erlacher verwies auf ein Schreiben Kaisers, der beruflich verhindert war, in dem dieser anmerkte, er sei vom Anruf von Höß am 1. April „kalt erwischt“ worden und habe den Rauswurf Köhl zunächst für einen Aprilscherz gehalten. Denn Höß habe mit ihm als Tourismus-Beirat seine Entscheidung im Vorfeld nicht kommuniziert, auch wenn dieses Gremium keine Entscheidungsbefugnis habe. In die gleiche Kerbe schlug auch Erlacher. Sie könne nicht verstehen, da man Köhl als sehr kompetent und mit guter Außenwirkung empfunden habe, wieso dieser über Nacht gefeuert worden sei.

Schon lange Differenzen mit Köhl

Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) bedauerte in seiner Entgegnung, „dass dieser Schritt gemacht werden musste“. Es hätte unterschiedliche Ansichten über die strategische Ausrichtung der TTT gegeben, „und dies betraf nicht nur die Führungsriege sonder auch einige Mitarbeiter. Aber sicher nicht alle Mitarbeiter, das möchte ich ausdrücklich betonen“, so Höß.

Die Entscheidung sei auch nicht spontan gewesen, sie habe sich bereits über viele Wochen abgezeichnet. Doch inzwischen gehe alles seinen Gang, alle geplanten Veranstaltungen würden stattfinden, auch der Tag des Tourismus Ende April. Doch als Höß von seinen letzten Dienstreisen nach Dornbirn und Burgau berichtete, wurde er eindringlich gebeten, sich den zahlreichen Fragen der Vermieter zu stellen. Und die hatten es in sich.

Nur vorgeschobene Gründe

Nachdem Köhl bereits nach drei Monaten wegen Differenzen bei der strategischen Ausrichtung gehen musste, wie sei diese denn bei den Talbürgermeistern? Höß wusste darauf nur als Antwort, dass es das Ziel sei, die Betten im Tal voll belegen zu können. Dies seien doch Ziele, die Köhl wohl auch wollte, kam als Erwiderung, zudem sei die Zeitspanne, in denen der TTT-Chef gekippt worden sei, doch sehr knapp.

Das seien doch alles nur vorgeschobene Gründe für seine Entlassung, war immer wieder zu hören. Mantraartig wiederholte Höß seinen Satz zu den Unterschieden bei der „strategischen Ausrichtung“. Er solle diese doch endlich benennen, wurde Höß ständig aufgefordert. Schließlich habe man doch mit Köhl ein Einstellungsgespräch vor der Vertragsunterzeichnung geführt, wo die differierenden Auffassungen schon hätten klar werden müssen.

Bereits Mitte Januar „kein Konsens“

Dann lässt Höß die Katze aus dem Sack: Bereits Mitte Januar, zwei Wochen nach Köhls Amtsantritt als Geschäftsführer der TTT, sei es zu Meinungsverschiedenheiten mit ihm gekommen. Schon damals habe man „keinen Konsens“ geschafft. Deshalb sei es besser, wenn man sich trennt. Doch was nicht konsensfähig war, wollte Höß partout nicht sagen. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte von Köhl habe man mit ihm Stillschweigen vereinbart. Dies löste breites Unverständnis unter den zahlreichen Vermietern aus. Höß versuchte zu retten, was zu retten war und verwies auf Familien, bei denen es nicht mehr harmoniere. Da mache es dann auch keinen Sinn, gemeinsam weitere Jahre zu verbringen.

Selbst aus den eigenen Reihen kam Kritik. Parteifreundin und Gemeinderätin Birgit Trinkl (Wiesseer Block) wollte von Höß erklärt bekommen, welche strategische Ausrichtung die fünf Talbürgermeister als Gesellschafter der TTT verfolgen, nachdem er schon nichts zu den Differenzen mit Köhl sage. Auf ihre Frage ging Höß nicht ein, Trinkl hakte aber auch nicht nach.

Christian Kausch, inzwischen wiederholt Interimschef der TTT, sagte: „Es wurde sehr viel intern über die Problemstellungen geredet“. Doch welche dies waren, verriet auch Kausch nicht. Über Details zu reden, „das bringt ihnen nichts“. Dem widersprach ein Teil der Anwesenden ganz heftig. Ein Sturm der Entrüstung machte sich im Saal breit. Doch Kausch verwies auf eine Vereinbarung mit Stephan Köhl.

Höß nennt keine Vertragsdetails

Dennoch verriet Höß so viel: wenn sich ein Team nur noch mit Marketing beschäftige und nicht mit dem Gast, dann gehe es einfach nicht. In Schweigen hüllte sich Höß als Sprecher der Talbürgermeister auch zum Vertrag mit Köhl. Er wollte nichts auf den Vorhalt sagen, ob Köhls Gehalt, das er auch von den Vermietern beziehe, noch weiterlaufe, obwohl er doch zum Ende der Probezeit gekündigt worden sei. ein Gastgeber fordert:

Ein Bürgermeister muss so viel Mumm in der Hose haben, dass er sagt, was Sache ist und sich nicht immer nur auf interne Belange rausredet.

Dafür gab’s längeren Beifall. „Wir stellen hier Fragen und bekommen keine Antworten“. Das sei keine Basis für eine Zusammenarbeit. „Als gewählter Bürgermeister müssen sie hier auch mal ihren Mann stehen“. Anastasia Stadler, CSU-Gemeinderätin aus Rottach-Egern und Touristikfachfrau, bekannt dafür, dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt, beklagte, dass die derzeitige Situation desaströs für das ganze Tegernseer Tal sei. „Ihr fünf Bürgermeister habt uns in die Hand versprochen, dass wir den Weg vertrauensvoll gehen. Doch was jetzt abläuft, ist für den Beirat frustrierend. Wir sind kein Feigenblatt, lieber Peter, so geht es nicht weiter“:

Über die strategische Ausrichtung der TTT solle man sich wirklich mal Gedanken machen. „Vielleicht ist auch das System TTT Köhl vor die Füße gefallen“, fragte Stadler. Um in der Zukunft besser miteinander auszukommen, sollten sich alle Beteiligten im Tourismus mal an einen runden Tisch setzen,“ so jedenfalls geht es nicht weiter“. Langer Beifall für die engagierte Touristikerin Stadler.


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