Wie soll die Marktgemeinde künftig aussehen?
Holzkirchen zwischen Stadt und Dorf

von Robin Schenkewitz

Wie soll das Ortsbild von Holzkirchen aussehen? Schön natürlich, da sind sich alle einig. Doch was genau ist schön? Das liegt wieder im Auge des Betrachters. Daher hat sich der Gemeinderat auch gegen einen einheitliche Regelung entschieden. Fans von typischen oberbayrischen Dörfern mag das ein Dorn im Auge sein. Doch klar ist: Holzkirchens Gesicht verändert sich bereits.

Warum ist Holzkirchen eigentlich keine Stadt?
Wie soll Holzkirchens Gesicht in Zukunft aussehen?

Wer in Holzkirchen ein Haus bauen will, dem sind in der Art und Weise, wie das Haus aussehen soll, nur wenig Grenzen gesetzt. Denn ausschlaggebend ist in vielen Fällen einzig der Paragraf §34 Baugesetzbuch. Dieser regelt das sogenannte Einfügegebot. Demnach muss ein Gebäude sich in seine Umgebung einfügen, und zwar was die Größe angeht als auch wie das Haus genutzt werden soll. Weitere Vorgaben sind nach aktueller Rechtsprechung nicht zulässig.

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Sind diese zwei Parameter erfüllt, muss der Antrag nicht einmal im Gemeinderat behandelt werden, sondern wird gleich von der Verwaltung genehmigt. „Die Leute glauben, dass wir für die Gestaltung eines jeden Hauses zuständig sind. Aber das sind wir nicht“, erklärt der Dritte Bürgermeister Robert Wiechmann (Grüne). Daher seien Vorwürfe an das Gremium in Sachen Ortsgestaltung häufig ungerechtfertigt.

Vertrauen in Bauträger haben

Betroffen sind davon in erster Linie Grundstücke, bei denen sich eine neue Baulücke aufgetan hat, oder bei dem der ursprüngliche Bebauungsplan ausgelaufen ist. Und so kann es passieren, dass mitten in einer Siedlung mit lauter Satteldächern plötzlich ein Haus mit Flachdach entstehen kann. Verhindert werden könnte das nur, wenn sich Holzkirchen selbst eine Ortsgestaltungssatzung gäbe.

Doch das hatte der Gemeinderat erst vor Kurzem mit großer Mehrheit abgelehnt. Irmi Ammer von der SPD findet dies schade. Holzkirchen werde auch als das Tor zum Oberland bezeichnet. Daher sollte man beim Hindurchgehen auch merken, wo man sich befinde, findet Ammer. “Also nicht mehr im Vorraum von München sondern am Anfang vom Landkreis Miesbach.”

Ammer befürchtet, dass Holzkirchen ohne Gestaltungssatzung gesichtsloser werden könnte. Sie hofft hier allerdings auf die Vernunft der Bauwerber. Es dürften ihrer Meinung nach ruhig viel Glas und Holz verbaut werden. Doch das Oberland sollte als Gesamtbild erkennbar bleiben, fordert die Sozialdemokratin.

Kein perfektes Rezept

Für Vertrauen in Grundstücksbesitzer und Bauherren wirbt auch Wiechmann. „Diese haben im Zweifel sogar bessere Lösungen, als es ein alter Bebauungsplan könnte.“ Daher lehnen er und die Grünen strenge Vorgaben ab. Im Grunde geht es darum, was man möchte. Zu genaue Vorgaben würden nur Mittelmaß produzieren, glaubt Wiechmann. Will man jedoch die Qualität der Architektur verbessern, müsse man auch individuelle Vorschläge akzeptieren.

Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) glaubt, dass es nicht das perfekte Rezept für das Ortsbild gebe. Viel hänge hier vom Geschmack ab. Daher will er in erster Linie das Fachwissen unter den Gemeinderäten erhöhen. Gleichzeitig betont von Löwis jedoch, dass Holzkirchen seiner Meinung nach nie ein oberbayrisches Dorf werden wird.

Holzkirchen liegt in der Mitte zwischen touristischen Orten wie Tegernsee und der Stadt München. Und wir haben auch eine gewisse Affinität zu München. Daher haben wir gestalterisch auch mehr Freiräume.

Der nächste Schritt müsse nun sein, dass man zumindest einen gewissen Plan hege. Ein Experte könnte sich beispielsweise anschauen wie Holzkirchen derzeit beschaffen ist und dann im Einzelfall entscheiden ob, der Plan eines Bauherren sich in das Ortsbild einfüge, schlägt der Bürgermeister vor.

Investoren wollen überall bauen

Grundsätzlich sieht er den Einfluss der Gemeinde auch ohne Gestaltungssatzung gewährleistet. Schließlich könne man über Bebauungspläne immer noch eingreifen. Hier sollte die Gemeinde schon gestalterisch tätig werden, findet auch Wiechmann. Gerade wenn es um Neubaugebiet gehe. „Holzkirchen kann es sich nicht mehr leisten, dass Einfamilienhäuser auf 500 Quadratmeter großen Grundstücken gebaut werden“, so der Grünen-Politiker.

Das große Problem sei laut Wiechmann, dass sich jeden Tag Investoren in der Gemeinde melden würden, die „am liebsten von hier bis Fellach bauen würden“. Doch das wolle man nicht. Stattdessen wolle man lieber im Innenbereich verdichten. Wiechmann glaubt nicht, dass man durch weiteres Ausweisen von Bauflächen den Grundstückspreis drücken könne.

Familie Papst bleibt Holzkirchen als Pächter des "Oberbräu" am Marktplatz erhalten.
Schon die Gebäude am Marktplatz sind nicht typisch oberbayrisch.

„Diese These ist für mich durch den Speckgürtel Münchens widerlegt.“ Derzeit würden nun einmal viele Leute mit Geld in die Region ziehen wollen. Daher würde der Preis auch weiterhin konstant hoch bleiben, egal wie viele Grundstücke bebaut würden, glaubt Wiechmann.

Eine Entwicklung ist jedoch schon jetzt nicht mehr zu leugnen. Holzkirchens Ortsbild wandelt sich, auch durch den Zuzug, schon lange. So waren beispielsweise die südländischen Fassaden am Marktplatz schon damals ihrer Zeit voraus. Und dieser Wandel wird weitergehen. Man mag diesen Trend bedauern. Doch aufhalten wird man ihn wohl nur schwer können.

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