Tierschützer retten über 4.000 Frösche im Teufelsgraben
Holzkirchner Krötenwanderung

von Peter Posztos

Der Holzkirchner Amphibienzaun hat sich bewährt. Fast 4.200 Tiere, so die Zählung der Naturschützer, wurden in wenigen Tagen vor dem Überfahren gerettetet. Damit ist die Zahl zum ersten Mal über die 4.000er Marke gestiegen – und das liegt auch am vergangenen Winter.

Jetzt beginnt wieder die Amphibienwanderung ...
Die Amphibienwanderung begann dieses Jahr um den 25. März / Archivbild

In enger Zusammenarbeit zwischen dem Bund Naturschutz, dem Straßenbauamt und Straßenmeistereien wurden auch in diesem Frühjahr wieder an den bekannten Stellen im Landkreis Amphibienzäune aufgestellt. Dort, wo sich Weiher nahe an stark befahrenen Straßen befinden, kommt es ohne Zaun normalerweise zu Tausenden überfahrener Amphibien.

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Die Holzkirchner Ortsgruppe vom Bund Naturschutz, zuständig für das Amphibien-Projekt im Teufelsgraben, ist zufrieden mit dem Verlauf der letzten Wochen. Deren Sprecher Helmut Schneider erklärt:

Die diesjährige Amphibienwanderung verlief mustergültig, sowohl was die Zahl der geretteten Amphibien als auch was den zeitlichen Ablauf betraf.

Mit fast 4200 geretteten Amphibien haben die „Fröschli-Schlepper“ erstmals die 4000er-Schwelle übertroffen. Gegenüber dem Vorjahr sei, so Schneider, die Gesamtzahl geretteter Amphibien um gut 31 Prozent gestiegen. Dabei sei die Amphibienwanderung zeitlich sehr konzentriert verlaufen. Innerhalb von nur zehn Tagen habe man 97,7 Prozent der insgesamt 4186 geretteten Amphibien über die Straße getragen.

Drei Wanderschaften pro Jahr

Amphibien versuchen, auf ihrem Wanderzug zum Laichplatz über die Straße zu kommen und werden dabei überfahren. Mehrere Wanderschaften pro Saison legen die Tiere naturgemäß zurück. Von der Biologie her sind Amphibien für ihre Entwicklung an zwei grundsätzlich verschiedene Lebensräume gebunden.

Während sie im jugendlichen Alter ausschließlich im Wasser leben, nutzen die erwachsenen Tiere zusätzlich das Land. So verbringen beispielsweise Erdkröten die kalte Jahreszeit in Winterquartieren, meist in Wäldern mit lockeren Böden, so wie in Kreuth, wo sie sich im Boden eingraben. In einer regnerischen, warmen Nacht im Frühjahr wühlen sie sich aus dem Boden und ziehen zu „ihren“ Laichgewässern. Dort erfolgen dann Paarung und Eiablage.

Nach dem Ablaichen verlassen sie das Gewässer wieder und suchen ihre Sommerlebensräume auf, schattige Hecken oder lichte Wälder. Im Herbst machen sich die Tiere wieder auf den Weg in die Winterquartiere, so dass sie dreimal im Jahr auf Wanderschaft sind. Drei Wanderschaften bedeuten gleichzeitig auch dreimal das Risiko durch Autos.

Krötenzäune retten Leben

Um dies zu verhindern, engagiert sich der Bund Naturschutz (BN) beim Sammeln von Amphibien. Die Krötenzäune werden in Kooperation von Straßenbauamt, Unterer Naturschutzbehörde und dem BN aufgebaut. Dann werden die Strecken für einige Wochen täglich von freiwilligen Helfern kontrolliert: Die Tiere, die sie hinter dem Zaun – oder in den im Boden eingelassenen Eimern – gefangen haben, werden gesammelt und auf der anderen Straßenseite abgesetzt.

Die Helferrunde vom Bund Naturschutz. Von links: Simon Goodwin, Therese Seiler, David Goodwin, Sabine Maier, Jürgen Goodwin, Stefan Schmucker, Henriette Hofmeier, vorne: Helmut Schneider mit Froschkönig – nicht im Bild: Claudia Hüttl.
Die Helferrunde vom Bund Naturschutz. Von links: Simon Goodwin, Therese Seiler, David Goodwin, Sabine Maier, Jürgen Goodwin, Stefan Schmucker, Henriette Hofmeier, vorne: Helmut Schneider mit Froschkönig.

Die Ergebnisse werden dokumentiert, um so die Population langfristig zu beobachten. Dabei zeigen laut Schneider die Zahlen der in den letzten Jahren jeweils geretteten Amphibien, dass die Entwicklung der Amphibien-Population im Bereich Teufelsgraben sehr positiv verläuft.

Womit das zusammenhängt, sei dabei schwer zu erklären. Eine Möglichkeit besteht in den relativ milden Wintern der vergangenen Jahre. Vor allem der letzte Winter war fast durchgängig rekordwarm. Eine zusätzlich Rolle dürften auch die seit inzwischen 20 Jahren alljährlich durchgeführte Schutzmaßnahmen spielen. Und damit, so der BN, werde man auch in den kommenden Jahren weitermachen.

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