So wird die Brauerei aussehen

Hoppes neue Bierwelt in Waakirchen

Bitter für Bierbrauer Markus Hoppe, wenn leere Bierkästen fehlen. Und ebenso bitter, wenn nur “ein einziger Fehler” dem Jungunternehmer bei seiner geplanten Brauerei in Waakirchen das Genick brechen würde. Doch falls gar nichts mehr geht, hat Hoppe zumindest noch eine letzte “Option”.

Markus Hoppe in seinem Waakirchner Bierlager.

Der Platz für die geplante Brauerei von Jungunternehmer Markus Hoppe (27) in Waakirchen steht fest: Direkt am Ortseingang soll sie gebaut werden, auf einer 3.000 Quadratmeter großen, bislang noch unbebauten Fläche. Seit 2013 hatte der 27-Jährige nach einem geeigneten Grundstück gesucht.

Seit der Bebauungsplan nun aufgestellt und der Flächennutzungsplan vom Waakirchner Gemeinderat entsprechend geändert und abgesegnet wurde, seien immer wieder Kleinigkeiten am Plan korrigiert worden, berichtet Hoppe. In der nächsten Sitzung am kommenden Dienstag gehe es jetzt darum, die einzelnen Baudetails genehmigen zu lassen.

Wenn alles gut laufe, könne die Bauplanung nach der zweiten öffentlichen Auslegung im Juli beim Landratsamt eingereicht werden. Theoretisch wäre es dann laut Hoppe möglich, im September/Oktober mit dem Aushub für die Brauerei zu beginnen. Sorgen bereite ihm allerdings die Jahreszeit.

Sollte es in der Zeit frieren, müssten wir einen Baustopp einlegen.

Deshalb überlegt Hoppe derzeit, den Baubeginn auf März nächsten Jahres zu verlegen. Einfach ohne Genehmigung mit dem Bau anzufangen, komme für ihn dagegen nicht in Frage, erklärt der Jung-Unternehmer. Weil ihm „ein einziger Fehler das Genick brechen könne“, wie er sagt, halte er sich auch an jede vorgegebene Frist.

Sein Vorhaben finanziert er bislang aus dem Vermögen seiner eigenen Marke „Hoppebräu“. Und der Absatz seiner Craft-Biere, die er mit ganz besonderen Aromahopfen braut, wächst von Jahr zu Jahr. Wenig Säure und bis zu vierzigmal soviel Hopfen wie in normalen Bieren – das hat die „Wuid-Serie“ der Marke Hoppebräu entscheidend geformt.

Hoppe-Brauerei – Seitenansicht.

Doch der gute Verkauf seiner Biere hat auch einen Haken: Es hapert am Leergut. Zur Zeit kann der Bierbrauer sein Bier nicht abfüllen, weil er keine leeren Kästen mehr hat. Die seien zwar bestellt, so der 27-Jährige, werden aber erst Mitte Juli geliefert. Deshalb habe er schon überlegt, wieder auf Frucade-Kästen umzusteigen, so wie in der Anfangsphase.

Leer – und teuer

Wenn ein Kunde seinen leeren Kasten nicht wieder zurückbringt, zahlt Hoppe drauf. Ein leerer Kasten koste ihn plus Pfand um die fünf Euro. Zuzüglich der leeren Flaschen investiere er insgesamt zehn Euro, sagt er. Oft sei es ein „reines Zahlenjonglieren“. Insgesamt hat er 15.000 Kästen im Lager. Heuer sollen noch 5.000 dazukommen.

Wie schnell Geld verschwinden kann, hat er auch bei seinem jetzigen Vorhaben bemerkt. Ungefähr 30.000 bis 35.000 Euro hat er allein für Gutachten und Architekten bezahlt, ohne dass auf dem Grundstück selbst viel passiert wäre. Einen Kredit musste er bisher noch nicht aufnehmen. „Das wollte ich nie.“ Vielleicht fördert die Regierung von Oberbayern sein Bauvorhaben. Die Fördergelder sind immerhin schon beantragt.

Und das sieht eine große Brauereianlage samt Schankwirtschaft, Außentanks, Biergarten, einem Büro und einer eigenen Wohnung vor. Auf dem Areal soll das Bier gebraut, gegärt und gelagert werden. 15 Zapfhähne sollen aus einer Schieferwand ragen. Durch ein riesiges Fenster darf jeder Gast dann auf die Biertanks schauen und von einem Balkon aus auf die Bierproduktion blicken.

Jeder Besuch ein „Biererlebnis“

Durch eine Kooperation mit der Whiskey-Brennerei Slyrs reifen die Biere seiner Edelserie künftig in Holzfässern. Führungen durch sein Sudhaus sind ebenfalls in Planung. Jeden Freitag soll „Zwicklbier“, das heißt ungefiltertes Bier, ausgeschenkt werden. „Griabig“ soll’s eben sein.

Wer allerdings die Gastronomie künftig betreiben soll, weiß Hoppe noch nicht. Am liebsten würde er es selbst machen, aber dann hätte er keine Zeit mehr zum Brauen. Komplett verpachten mag er aber auch nicht. Vorstellen könne er sich einen Partner, der ein Fixum samt Umsatzpacht bekomme, bei dem er aber immer noch ein Mitspracherecht hätte. Vor allem bei der Personalauswahl, den Lieferanten und den angebotenen Gerichten. Denn die sollen vor allem eines sein: regional. Schließlich züchtet seine Familie Bio-Rinder.

Markus Hoppe mit den Plänen der Brauerei.

Und weil Markus Hoppe die nächste Zeit wohl auf Urlaub verzichten muss, hängt er sich und seinen Gästen eben Bilder von „Traumgegenden“ an die Wände, wo er schon gearbeitet und Bier gebraut hat. Wie beispielsweise auf Mauritius, in Japan oder auf dem Kreuzfahrtschiff Aida.

Doch bis es soweit ist, braut Hoppe weiter in Grafing bei der Brauerei Wildbräu-Grandauer. Hier sollen auch künftig die Flaschen abgefüllt werden. Dem Waakirchner ist klar, dass jetzt „fünf harte Jahre vor ihm liegen.“ Und noch mindestens 20 weitere vergehen werden, bis er im finanziellen Bereich mit dem Hals aus der Schlinge ist.

Er lächelt. Wir auch. Unser Blick fällt auf die vielen kleinen bunten Flaschen, die hinter ihm in übereinander gestapelten Kästen lagern. Wir sehen, es bleibt ihm eine Option: Zur Not kann er sich betrinken.

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