Hotel Lederer am See: „Aussagen der Maklerin schaden allen“

Zweite Ergänzung vom 23. September / 17:30 Uhr
Abstimmungen oder Beschlüsse gab es im öffentlichen Teil der gestrigen Gemeinderatssitzung in Bad Wiessee keine. Dennoch hatte Bürgermeister Peter Höß (FWG) seinen Ratsmitgliedern das eine oder andere mitzuteilen.

Zum Thema Zwangsversteigerung des Wiesseer Hotels Lederer am See echauffierte sich Höß über einen Artikel in der Tegernseer Zeitung.

In diesem warf die von Josef Lederer beauftragte Maklerin Evi Skofitsch der Gemeinde Bad Wiessee vor einem potenziell interessierten Investoren aus Berlin keinen Termin gegeben zu haben. Bürgermeister Höß wies diesen Vorwurf vehement zurück.

„Es gab keine konkreten Anfragen von Investoren für das Lederer am See“, stellte Höß klar und fügte an: „Projektentwickler haben angefragt und waren da. Das ja.“ Deren Tätigkeit liege aber laut Höß vielmehr darin, sich gegen (Vorab-)Provision auf die Suche nach Investoren zu machen.

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„Schade, dass einer Immobilien–Maklerin eine solche Plattform gegeben wird“, konstatierte Höß und gab zu bedenken, dass niemandem durch Äußerungen wie – Skofitsch fühle sich von Höß ausgebremst – geholfen sei.

Verkehrswert und angestrebter Verkaufpreis lagen weit auseinander

Geschäftsführer Michael Herrmann gibt auf Nachfrage zu bedenken, dass viele Misstöne erst gar nicht aufgekommen wären, hätte die Maklerin des Schlierseer Unternehmens Alpen.Immo.net für das 18.000 m² große Anwesen nicht einen Kaufpreis von 9,8 Millionen Euro aufgerufen. Dieser liegt deutlich über den vom Gericht festgesetzten Verkehrswert von 5,5 Millionen Euro.

Für die am 6. Oktober stattfindende Zwangsversteigerung des Hotels gebe es angeblich „reges Interesse“, so die Einschätzung aus dem Wiesseer Rathaus.

Ergänzung vom 13. Juli / 01:58 Uhr
Über 18.000 m² groß ist das Anwesen des ehemaligen Hotel Lederer neben dem alten Spielbankgelände in Bad Wiessee.

Insgesamt 100 Zimmer hat das einstmals “Erste Haus am Platze”. Doch seit knapp zwei Jahren ist das Hotel geschlossen, die Zwangsversteigerung seit fünf Jahren in der Schwebe.

Vor allem gegen eine Versteigerung wehrt sich der Besitzer Josef Lederer seit Jahren. Der angesetzte Verkehrswert in Höhe von 5,5 Millionen Euro ist ihm nicht hoch genug.

Die Beschwerde Lederers gegen das offizielle Wertgutachten wurde abgewiesen

Dabei weißt Lederer in immer wiederkehrenden Abständen darauf hin, dass es konkrete Interessenten für das Haus gibt. Erst im Oktober letzten Jahres bestätigte die zuständige Immobilienmaklerin Eva Maria Skofitsch, das Vorliegen eines neuen konkreten Kaufangebotes.

Jedoch lag dieses mit 6,5 Millionen Euro damals bereits näher an dem jetzt durch das Gericht bestätigten Verkehrswert von 5,5 Millionen als an der erhofften Summe von 9,8 Millionen. Eine Summe die das Schlierseer Maklerbüro Alpen-Immonet auf der Webseite offen kommuniziert.

Erste Seite des Exposes der SMG zum "Alten Spielbankgelände"

Durch die aktuelle Bestätigung des Verkehrswertes sieht sich der Besitzer ein weiteres Mal ungerecht behandelt. Gegenüber dem Merkur macht er klar, wer seiner Meinung nach für den seiner Meinung nach zu niedrigen Wert des Areals verantwortlich ist: Die Gemeinde habe das alte Spielbankgelände an Travel Charme “zum Spottpreis” verkauft. Damit hätten die Verantwortlichen den kompletten Markt an der Wiesseer Seepromenade kaputt gemacht.

Es könnte allerdings sein, dass der Verkehrswert sich auch an der erhaltenswerten Substanz der vorhandenen Häuser orientiert. Falls da nichts oder nur wenig erhaltenswert wäre, müsste man den Abriss des gesamten Areals mit einkalkulieren.

Investoren zeigen sich kritisch – vor allem das freie Spielbankgelände nebenan stört

Und gerade zur Bausubstanz haben sich im vergangenen Oktober bei einer Besichtigung des Hotels einige Teilnehmer der Investorenveranstaltung kritisch geäußert. Vor allem die derzeitige Bebauungsform wurde als nicht mehr zeitgemäß bezeichnet. “Zu zersiedelt und von der Bausubstanz prinzipiell schwierig”. Und auch das freie Spielbankgelände nebenan war ein Thema. “Wenn da ein neues Hotel entstehen sollte, liegt das alte im Schatten. Was das für die Bewertung bedeutet, ist ja klar.”

Dabei ist das knapp 10.000 m² große Spielbankgelände tatsächlich ein wenig das Zünglein an der Waage. Es gehört der Gemeinde und die würde am liebsten ein zukunftsfähiges Konzept mit einem neuen Leithotel für Bad Wiessee auf dem kompletten Areal sehen. Bürgermeister Höß präferiert eine integrierte Lösung. Eine Lösung bei der das alte Hotel Lederer eigentlich nur stört.

Doch knapp wird es für Lederer so oder so. Der Versteigerungstermin rückt durch den Beschluss des Amtsgerichtes Wolfratshausen immer näher. Ein echter Käufer muss her, oder das Haus kommt für den angesetzten Verkehrswert in Kürze unter den Hammer.

Ursprünglicher Artikel vom 02. Oktober:

Anwesen Lederer am See

Am zweiten Investorentag der SMG standen gestern weitere Grundstücke und potentielle Investitionsobjekte auf dem Programm. Das Hotel Lederer war dabei das letzte Objekt, welches die Investoren im Tegernseer Tal zu sehen bekamen. Und Peter Höß, der Wiesseer Bürgermeister, machte durch seine Präsentation auch relativ schnell klar, dass die Gemeinde eigentlich nicht interessiert ist an einer isolierten Bestandslösung.

Zum Verständnis:
Das Anwesen Lederer am See wird in absehbarer Zukunft zwangsversteigert. Bis dahin hat Josef Lederer aber noch Zeit das komplette Gelände inklusive Hotel zu verkaufen. Es liegt schon ein konkretes Kaufangebot vor. Allerdings im Bereich von 6,5 Millionen Euro. Laut Listenpreis wären allerdings 9,8 Millionen fällig. Und Lederer möchte verständlicherweise einen Kaufpreis erzielen, der näher an den 9,8 als an den 6,5 Millionen liegt. Dafür ist es aber wichtig, dass er nicht nur das Gelände sondern auch die Gebäude “an den Mann bringt”.

Die Gemeinde wiederrum will für das komplette Areal am See (Hotel Lederer + Altes Spielbankgelände) einerseits ein zukunftsfähiges Konzept mit einem neuen Leithotel für Bad Wiessee, dass optimalerweise auch eine interessante Zielgruppe anzieht. Andererseits strebt sie für die beiden Grundstücke eine integrierte Lösung an, in dem das derzeitige Hotel nur eine untergeordnete Rolle spielt. Böse Zungen behaupten, die Gemeinde möchte das Hotel am liebsten abgerissen sehen.

Aber hören wir zuerst was der Bürgermeister zu sagen hat und wo er die Prioritäten setzt:

Die Interessen sind klar. Aber wie sehen das die “Käufer”?

Die Situation ist eigentlich relativ eindeutig. Und das trotz der konträren Interessenslagen aller Beteiligten.
Bürgermeister Höß hat zumindest nie einen Hehl daraus gemacht, was die Gemeinde dort vor hat. Und aus Sicht Bad Wiessees macht eine langfristig angelegte, integrierte Gesamtlösung inklusive ihres Neben-Grundstücks durchaus Sinn.
Josef Lederer sieht das natürlich anders. Sein Ziel liegt in der Maximierung des Verkaufserlöses. Und auch das ist nachvollziehbar.

Entscheidend wird am Ende sein, wie die Investoren die Lage einschätzen und was bei Ihren Kalkulationen rauskommt. Zumindest auf der gestrigen Veranstaltung gab es einige, die unter anderem direkt mit Josef Lederer, konkrete Gespräche geführt haben. Andere Investoren machten jedoch deutlich, dass Ihrer Meinung nach die derzeitige Bebauungsform nicht mehr zeitgemäß ist. “Zu zersiedelt und von der Bausubstanz prinzipiell schwierig”.
Vor allem das noch freie Gelände nebenan war ein Thema. “Wenn da ein neues Hotel entstehen sollte, liegt das alte im Schatten. Was das für die Bewertung bedeutet, ist ja klar.”

Es kann davon ausgegangen werden, dass die Gemeinde die Karte “Altes Spielbankgelände” spielen wird. Ob das vor oder nach einer Zwangsversteigerung passiert, wissen nur die Beteiligten. Dass jedoch die Basis für zielführende Gespräche zwischen Gemeinde und Lederer nicht mehr existiert, ist nach den eindeutigen Worten von Peter Höß auch allen anwesenden Investoren klar geworden.

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