Schattenseiten des Weihnachtsgeschäfts am Tegernsee
Hotelbranche strahlt, Einzelhandel klagt

von Nadja Weber

Was für Hotels und Gastronomiebetriebe ein Segen ist, ist für viele Einzelhändler ein Fluch. Die Einschätzungen zum Weihnachtsgeschäft 2014 gehen weit auseinander. So klagt beispielsweise der Einzelhandel im Tal über katastrophalen Umsatz und sinkende Kaufbereitschaft. Doch warum bleiben Gäste und Kunden nicht nur zur Weihnachtszeit fern?

Wie in vielen anderen großen Hotels im Tegernseer Tal waren auch die Egerner Höfe ausgebucht
Wie viele andere große Hotels im Tegernseer Tal waren auch die Egerner Höfe ausgebucht.

Aus Sicht der Hoteliers und Restaurantbesitzer waren die Weihnachtsfeiertage ein voller Erfolg. „Wir waren völlig ausgebucht“ – dieses Fazit ziehen viele der bekannten Hotels im Tegernseer Tal. Dr. Andreas Greither, Inhaber des Westerhofs oberhalb von Tegernsee, zeigt sich äußerst zufrieden: „Über die Weihnachtstage waren wir völlig ausgelastet. Alle unsere 100 Betten und Reservezimmer waren belegt.“

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Greither beklagt jedoch die schlechte Wetterlage an den Weihnachtstagen. Die milden Temperaturen nahmen den Gästen die Vorfreude auf sämtliche Wintersportarten. Als nach den Weihnachtstagen dann doch der Schnee kam, war die Suttenabfahrt trotz großer Schneemengen gesperrt.

Das war katastrophal und beschämend für uns. Die Sutten war in einem kläglichen Zustand und absolut ungepflegt. Damit hat sich das Tegernseer Tal gerade in den Weihnachtsferien schlechtestmöglich präsentiert.

Laut Einschätzungen der Rottacher Hoteliers kamen trotz des fehlenden Schnees dennoch sehr viele Touristen ins Tegernseer Tal. So ist Fabien Grzimek, Vizedirektor der Egerner Höfe, mit dem Weihnachtsgeschäft sehr zufrieden. Alle Zimmer waren ausgebucht. Doch die letzten Buchungen wurden relativ spät vorgenommen. Erst im November waren die letzten freien Zimmer belegt.

Nebel verschleierte den Touristen die Sicht

Ganz andere Töne hört man von den Betreibern der Almen. Wegen dichten Nebels und milder Temperaturen hielten sich viele Besucher und Einheimische lieber unten im Tal auf. Thomas Gigl, Betreiber des Berggasthofs Neureuth, berichtet:

Über die Feiertage waren wir zwar immer voll, aber die Terrasse konnte aufgrund des schlechten Wetters nicht bestuhlt werden. Wegen Nebels und Wolken konnten die Gäste das schöne Panorama nicht genießen.

Mit dem Schnee, der nach Weihnachten in rauen Mengen am Tegernsee Einzug hielt, kamen dann auch mehr Gäste zum Rodeln und Essen auf die Alm, so Gigl weiter. Auch Utta Schönhöfer vom Panoramarestaurant Wallberg ist der Meinung, eine weiße Weihnacht hätte mehr Gäste auf den Berg gelockt.

Einzelhandel klagt nicht nur über schlechtes Weihnachtsgeschäft

Trotz der Unabhängigkeit vom Wetter hat es den Einzelhandel scheinbar am schlimmsten getroffen. Die Ladenbesitzer klagen nicht nur über ein katastrophales Weihnachtsgeschäft, sondern vor allem über fehlende Kundschaft das ganze Jahr hindurch.

„Es ist, als hätte man die Bordsteinkanten hochgeklappt“, berichtet die Inhaberin von Bayard Herrenmode in Rottach-Egern. Über fehlende Aufträge und leere Geschäfte klagen aber auch die Betriebe in Tegernsee. „Die Rosenstraße – einst die schönste Straße in Tegernsee – ist heute wie ausgestorben“, berichtet Veronica König, Inhaberin von Juves Mode Kunst Accessoires.

Die heute oft leere Rosenstraße als Fußgängerzone?  / Quelle:  M. Königsbeck, Th.Müller
Eine Idee zur Belebung? Der Tegernseer Goldschmied Thomas Müller stellt sich die heute oft leere Rosenstraße als Fußgängerzone vor / Quelle: M. Königsbeck, Th.Müller

Trotz aufwändiger Werbemaßnahmen und Aktionen komme kaum noch ein Besucher in die ehemalige Flanierstraße. „Jetzt werden die Touristen mit Shuttlebussen von den Hotels nach Rottach zum Einkaufen gefahren. Wer weiß, wie lange das die kleinen Geschäfte hier noch tragen können?“

Warum bleiben die Kunden aus?

Der Onlinehandel nimmt stetig zu und kostet viele örtliche Geschäfte Kundenaufträge. Rund ein Zehntel des gesamten Einzelhandelsumsatzes wurde 2013 online getätigt. Dabei können Einzelhändler vor allem mit Emotionalität und Service punkten. Neben dem Gefühl, das lokale Umfeld zu stärken, können sie mehr bieten als der Onlinehandel, wenn es darum geht, Einkaufen zum Erlebnis zu machen.

Vor allem weil die Händler vor Ort ein wichtiger Fixpunkt im gemeinsamen Zusammenleben sind, müssen Ideen und Lösungsvorschläge auch umgesetzt werden. Die Einzelhändler appellieren an die gesamte Region, junge Leute ins Tal zu locken oder gezieltere Vermarktungsaktionen der Regionen zu planen.

Eine valide statistische Auswertung der Besucherzahlen an den Weihnachtstagen will die Tegernseer Tal Tourismus GmbH erst Mitte Januar bekannt geben. Erst dann lässt sich statistisch belegen, wie viele Besucher tatsächlich über den Jahreswechsel am Tegernsee waren.

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