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Kreuzung in Agatharied war, ist und bleibt ein Ärgernis für Anwohner

Hupkonzerte gegen Regel-Deppen

Von Sabiene Hemkes

Es ist nicht neu, dass zwischen der A8 und der Auffahrt zum Spitzingsee zu wenig Straße für viel zu viele Autos ist. Der Verkehr auf der B307 staut sich inzwischen fast immer – mit teils heftigen Folgen. Manch Anwohner wird aber kreativ!

Der von vielen „Stau-Kreisel“ genannte Kreisverkehr auf der B307 in Hausham.

Nicht erst seit Hausham, Schliersee und Neuhaus in den Mega- Straßenbauprojekten versunken sind, stöhnen Anwohner und auch Bürger der angrenzenden Gemeinden unter der Belastung durch den hohen Durchgangsverkehr, der sich auf der B307 durch das Tal quält.

Jede Ampel, jeder Kreisverkehr, jede Kreuzung, jeder Bahnübergang lässt den Verkehr stoppen. Der Lärm und die dreckige Luft machen den Anwohnern schwer zu schaffen. Eine Fahrt aus oder in die betroffenen Orte des Schlierseer Tals will gut abgewogen sein. Kaum einer fährt einfach mal so durchs Tal. Am Wochenende oder zur Rushhour morgens und abends schon mal gar nicht.

Lösungen ja – wäre da nicht der Mensch

Viele betätigen sich als Problemlöser: Gemeinden, der Landkreis, das Straßenbauamt Rosenheim und auch die Tourismusverbände. Ein neuer Kreisverkehr am Abzweiger nach Wörnsmühl, die Verlegung der Bahnübergänge in Hausham und Schliersee und nicht zuletzt eine millionenschwere Verkehrslenkungs-App sollen Entlastung bringen. Alles gut und schön. Was aber wenn die Menschen nicht mitspielen?

Ob hier das Recht des Schlaueren oder einfach nur die Faulheit 30 Meter zu fahren zu sehen ist, liegt im Auge des Betrachters.

Ein gutes Beispiel dafür ist die neue Verkehrsführung der B307 in Agatharied/Hausham. Der Kreisverkehr, schick und teuer daherkommend, sollte für einen besseren Verkehrsfluss auf der B307 sorgen. Ergänzend wurde die neue „Rechtsabbiegerlösung“ an der weiter nördlich gelegenen Einmündung der Fehnbachstraße in die Bundesstraße – auch zur Entschärfung des dortigen potentiellen Unfallrisikos – eingeführt.

Fehnbachstraße: Sicherheitsrisiko und Ärgernis

Diese kleine Einmündung der Gemeindestraße, sowie die dahinterliegende Fußgängerampel, sorgen seit Jahren für viel Unmut und für viele Verkehrsunfällen, wie das Miesbacher Landratsamt bestätigt:

Die Einmündung zur MB 21 (Fehnbachstraße) war eine sogenannte „Unfallhäufungsstelle“. Diese werden von einer Arbeitsgruppe, bestehend unter anderem aus Polizei und Straßenverkehrsbehörden, jedes Jahr festgestellt. Der häufigste Unfalltyp waren Unfälle beim Einbiegen von der MB 21

Aufgrund dieser Einschätzung sei eine Sofortmaßnahme notwendig gewesen, eben das Linksabbiegeverbot, wie die Sprecherin des Landratsamtes weiter ausführt. Alternativ sei auch eine „Vollsignalisierung“ (Anm. der Redaktion – Ampelsteuerung) von der Straßenverkehrsbehörde geprüft worden. Diese Lösung sei aber als „nicht sinnvoll“ verworfen worden, da „sehr stauträchtig“, so die Behördensprecherin weiter.

Von der Lösung zu neuen Problemen

Die „Rechtsabbiegerlösung“ bedeutet nun, dass alle, die von Gmund auf der Staatstrasse 2076 Richtung Hausham fahren, an der Einmündung zur 307 nicht mehr links auf die B307 Richtung Miesbach fahren dürfen. Ausgenommen vom Verbot ist nur der ÖPNV, landwirtschaftliche Fahrzeuge und Rettungsdienste. Alle anderen Fahrzeuge müssen rechts Richtung Hausham abbiegen und im Kreisverkehr den U-Turn fahren.

Die leise aber deutliche Bitte einer Anwohnerin an die Verkehrsteilnehmer.

Wer hat das selbstgemalte Schild angebracht?

Ein kleines handgemaltes Holzbrettl allerdings, das unterhalb des blauen Rechtsabbiegerschildes mit Kabelbindern angebracht wurde, lässt aber den Verdacht aufkommen, dass es weiterhin noch Probleme an der Einmündung gibt.

BITTE NICHT HUPEN.

Verweilt man aber nur zehn Minuten als Fußgängerin an dieser Kreuzung, hört man warum das Schild dort angebracht wurde und wie viele die gemalte „Hup-Bitte“ ignorieren. Das ist laut. Ebenso wenige halten sich allerdings an das Rechtsabbiegergebot. Und deshalb wird gehupt.

Man kann beobachten, wie viele der „Linksabbieger“ sich ganz vorsichtig der Kreuzung nähern. Einen Blinker setzen sie dabei nicht. Dann bleiben sie stehen, um zu sehen ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt sich die 300 zusätzlichen Meter durch den Kreisverkehr zu sparen und verbotenerweise links in Richtung Miesbach zu fahren. Und das dauert manchmal so lange, dass die Gesetzestreuen dermaßen genervt sind, dass sie beginnen zu hupen.

Anwohner sind schwer genervt

„Manchmal stehen hier die Autos in zwei Spuren auf dem einspurigen Abbieger“, erzählt Anwohner Christopher Höhne der im Haus gegenüber der Kreuzung wohnt. Der Anwohner ist seit Jahren genervt von der chaotischen Situation: „Durch die neue Verkehrsführung mit dem Kreisverkehr hat sich nichts gebessert“, ergänzt Höhne.

Das „Bitte nicht hupen – Schild“ habe seine Nachbarin gemalt, berichtet Höhne weiter. Bringen würde es leider gar nichts. An manchen Tagen gäbe es an der Kreuzung ein richtiges Hupkonzert, das bis oben zum Krankenhaus Agatharied zu hören sei.

Bevor der Anwohner die Blumenkästen aufgestellt hat, haben hier einige ihren U-Turn auf der fremden Einfahrt gemacht.

Höhne weist noch auf die beiden Blumenkästen hin, die gegenüber der Fehnbachstraße in einer Einfahrt stehen:


Die Kästen hat die Hausbesitzerin aufgestellt. Denn hier sind die „ganz Schlauen“ nach dem Rechtsabbiegen reingefahren und haben gewendet. Das geht jetzt nicht mehr.

Auch wenn Höhne lachen muss, als er das erzählt, merkt man dem Mann an, wie genervt er von der aktuellen Situation ist. „Alle die hier leben haben die Nase voll und besser ist es nicht geworden durch die neue Regelung,“ sagt der Anwohner noch.

Behörde zeigt Verständnis für Anwohner – doch …

Dem widerspricht die Sprecherin des Landratsamtes: „Der Auswertungszeitraum 2018-2020 bescheinigt der Maßnahme Erfolg: „Es kommt nur noch zu vereinzelten Unfällen. Die Kreuzung ist keine Unfallhäufungsstelle mehr“.

Auch wenn man in der Miesbacher Behörde durchaus Verständnis habe für die Verärgerung der Anwohner durch die „teilweise Nichtbeachtung des Verbots“ und das Hupen, sei das immer noch besser, als hohe Sach- und Personenschäden.


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