Im Glauben an das Tal ‒ Korbinian Kohlers neue traditionelle Wege

Von Rose-Marie

Korbinian Kohler im Portrait

Das Bachmair an der Weissach wird wieder wie damals. Als die Handwerker und Bauern sich hier zum Stammtisch trafen. Auch mein Opa saß dort. Die Oma war oft ganz schön sauer, weil er sonntags den Weg nach der Kirche nicht heim gefunden hat und am Nachmittag noch immer beim Karl hockte.

Damals, als für alle klar war, dass man hier feiert ‒ und nicht woanders. Ob Tauffeier, Geburtstag oder Hochzeit: den Bachmair Karl und seine Frau Luise kannten sie alle und kamen gern zu ihnen.

Ganz so wird es nicht werden. Die Zeit kann man nun mal nicht zurückdrehen. Aber die Öffnung nach außen ist gewollt. „Die Gäste von außen sollen Besitz nehmen von unserem Haus“, sagt Korbinian Kohler, seit letztem August Eigentümer des Gasthofs und Hotels Bachmair Weissach. Die Eröffnung der Kaminlounge ist ein erster Schritt dazu: Eine öffentliche Bar gab es hier schon lange nicht mehr.

„Ich glaube an das Tegernseer Tal!“

Zurück an die Spitze will Kohler mit dem alten Namen. Er glaubt ans Tegernseer Tal und ans Hotel Bachmaier. Als gebürtiger Tegernseer will er im Tal etwas voranbringen. Das Hotel war in den vergangenen Jahren, als es sich Parkresidenz Tegernsee nannte, nicht gut gelaufen. Das soll sich jetzt ändern. Fünf Sterne schweben ihm vor für sein Hotel. Ein Ressort- und Kongresshotel und eines der führenden Luxushäuser in den Alpen soll es werden.

Luxus im Feeling eines privaten Countryclubs. Ein Mix aus bayerischer Authentizität und hoher Designaffinität. Das nennt er „belonging“. Eine deutsche Übersetzung dafür findet er nicht. Ich stelle mir vor, wie meine Oma damals beim Bachmair an der Weissach angerufen und gefragt hat, ob mein Opa noch am Stammtisch sitzt. Sonntags nach der Kirche. Um halb eins. Opa gehört zur Oma. Aber irgendwie gehört auch das Bachmair zu Opas Leben. Gute Erklärung für „belonging“, finde ich.

Kohler war viel unterwegs als Immobilieninvestor. Unzählige Hotels auf der ganzen Welt hat er von innen gesehen. Jetzt besitzt er selbst eines und schmiedet große Pläne. Er wünscht sich ein familienfreundliches Hotel mit Flair. Im eigenen Hotel soll all das Raum finden, was Familien einen angenehmen Aufenthalt beschert: einladende Atmosphäre, regionale Versorgung und professionelle Betreuung.

Für die Betreuung sorgen Kohlers Mitarbeiter. Menschen mit Bedürfnissen und Wünschen, wie er bekräftigt. Für ihn war immer schon klar, dass er irgendwann einmal ein Hotel leiten will. „Das ist ein Menschenbusiness“. „Das sind keine Roboter, sie reagieren jeden Tag anders, sie haben Bedürfnisse und Wünsche“, sagt er über seine 85 Angestellten. „Es ist wieder cool, bei uns zu arbeiten“, behauptet er. Weil die Mitarbeiter spüren, dass einer da ist, der sich um sie kümmert.

„Wir verkaufen nicht die Leistung Schlafen oder die Leistung Essen und Trinken. Es geht uns darum, dass die Leute happy sind.“

Kohler selbst arbeitet viel zurzeit. „Ich möchte mich um alles selbst kümmern“, bekräftigt er. Ihm macht das Spaß. Und als Hotelierneuling muss er auch den kompletten Hotelbetrieb verstehen lernen. Also kümmert er sich von den strategischen Themen bis hin zur Begrüßung der Gäste um alles selbst.

Auch der Bachmair Karl und seine Frau Luise begrüßten ihre Gäste stets persönlich. Das gehörte einfach dazu. Und auch Kohler war bei seiner Entscheidung für das Hotel wichtig, dass die Größe überschaubar bleibt. „Reisen, das ist eine emotionale Welt“, sagt er. „Mich interessiert jeder Gast.“ Und auch Kohler möchte jeden persönlich begrüßen – wie die Bachmaiers. „Wir verkaufen nicht die Leistung Schlafen oder die Leistung Essen und Trinken. Es geht uns darum, dass die Leute happy sind.“

Tegernsee-Express, Hubschrauberlandeplatz, Topdestination Tegernseer Tal

Damit das so ist, muss man im touristischen Bereich neue Wege einschlagen, gerade wenn man das Tegernseer Tal voranbringen möchte, erklärt Kohler. Ein Tegernsee-Express, der ohne Zwischenhalt vom Münchner Hauptbahnhof zum Bahnhof Tegernsee fährt, ein Hubschrauberlandeplatz oder ein markantes architektonisches Alleinstellungsmerkmal würden das Tal zu einer Topdestination im weltweiten Tourismus etablieren und es wieder in einen Wettbewerb auf Augenhöhe mit Sylt oder St. Tropez setzen.

An Sylt und St. Tropez erinnern im Bachmair zumindest schon mal das Spa, der Wellness- und Schwimmbadbereich. Früher war dort der Laurenzikeller untergebracht. Der Saal, in dem die Kriegskinder in den Sechzigern rauschende Bauernhochzeiten feierten. Bei Hirschbraten, Kuchenbuffet und Musik vom Alpenquintett.

In bin gespannt, wie sich das Bachmair Weissach in den nächsten vier Jahren entwickelt. Dann feiern meine Eltern ihre Goldene Hochzeit. Vielleicht auch wieder im voll besetzten Saal bei Blasmusik und Kuchenbuffet. Wie früher der Opa nach der Kirche.


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