Flüchtlingshotel “trifft” besorgte Nachbarn

von Maxi Hartberger

Knapp 200 männliche Asylbewerber bewohnten in den vergangenen Monaten die Tegernseer Turnhalle. Nun soll die Halle endlich wieder frei und die Flüchtlinge unter anderem im Hotel Bastenhaus untergebracht werden – statt für Erleichterung sorgt das aber für erneute Diskussionen. Leser und direkte Nachbarn äußern Bedenken.

Künftig sollen im Hotel Bastenhaus in Tegernsee Flüchtlinge untergebracht werden - doch das sorgt erneut für Missmut bei einigen Bürgern.
Künftig sollen im Hotel Bastenhaus in Tegernsee Flüchtlinge untergebracht werden – doch das sorgt erneut für Kritik.

Die Unterbringung von rund 200 Asylbewerber in der Tegernseer Turnhalle sorgte immer wieder für Zündstoff. Doch Ende Februar endlich die lang ersehnte Nachricht: Die Flüchtlinge ziehen aus und die Halle kann wieder für Schul- und Vereinssport genutzt werden. „Es ist ein großer Erfolg für die Verwaltung, dass die Halle wieder für den Schulsport zur Verfügung steht“, so Birger Nemitz, Pressesprecher des Landratsamts Miesbach.

Eine alternative Unterkunft musste her – und die wurde vom Landratsamt Miesbach und der Stadt Tegernsee auch schon gefunden: Rund 60 Asylbewerber sollen künftig im Hotel Bastenhaus an der Münchner Straße untergebracht werden. Der Hotelpächter möchte seinen Vertrag nicht verlängern – das Gebäude würde also bald leer stehen. Ab 1. Juni besteht der Mietvertrag zwischen dem Besitzer und den Behörden. Nemitz ist zufrieden:

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Wir sehen in dieser Lösung eine deutliche Verbesserung für die Stadt Tegernsee.

Das Hotel müsse jedoch erst umgebaut werden, was noch einige Wochen im Juni in Anspruch nehmen könne. Unter anderem werde das Wasser des Indoor-Swimmingpools abgelassen und die Großküche werde zu einer Kleineren umgebaut. Es werde also kein Luxus für die Asylbewerber herrschen. Auch Friederike Enders vom Helferkreis weist darauf hin, dass das Gebäude mit bislang knapp 40 Betten künftig Platz für 60 Flüchtlinge bieten soll, „Hotel-Luxus bleibt das also nicht.“

Leser und Nachbarn äußern Bedenken

Doch nicht alle sind von der neuen Lösung für Tegernsee begeistert. Auf der TS haben Leser ihren Unmut über die neue Unterkunft zum Ausdruck gebracht. Karl Heinz Knörr schrieb unter anderem auf Facebook: „Ist doch toll. Hotel mit Seeblick, Sauna und Hallenbad. Man gönnt sich ja sonst nichts.“ Die Kommentatorin “bettie” äußert wiederum ihre Bedenken bezüglich des benachbarten Monte Mare:

Das wird lustig in der Sauna, vor allem für die Damen.

Daniela Russ, Betriebsleiterin der Seesauna Monte Mare, hat diesbezüglich eine klare Meinung. Sie stehe dem Thema gelassen gegenüber: „Wir sehen keinen Sinn in negativen Spekulationen und ebenso wird uns das seitens unserer Gäste signalisiert.“ Es habe also niemand Interesse daran, Probleme herbeizureden, wo noch gar keine sind.

Doch auch die anderen Nachbarn rund um das Bastenhaus kamen mit ihren Sorgen zu Bürgermeister Johannes Hagn. „Die Nachbarn haben Bedenken, dass es schwierig werden könnte, das ist ihr gutes Recht.“ Daher fand ein Informationsgespräch gemeinsam mit einem Vertreter des Landratsamts und den Betroffenen im Rathaus statt. „Wir wollen signalisieren, dass wir die Bedenken verstehen und uns auch direkt vor Ort einbringen wollen“, so Hagn.

Außerdem soll es eine Ortsbegehung geben, um eventuelle Beeinträchtigungen der Nachbarn abzuklären. Sollte also zum Beispiel eine Abgrenzung zwischen einem Grundstück und der künftigen Asylunterkunft nicht ausreichend sein oder Schäden aufweisen, würde das der Tegernseer Bauhof übernehmen.

Helferkreis und Stadtrat ziehen an einem Strang

„Uns ist vor allem wichtig, den Helferkreis neu zu organisieren, dass die Ansprechpartner wieder klar zugeordnet sind“, erklärt Hagn. Daher laufen derzeit auch intensive Gespräche zwischen der Stadt und dem Helferkreis. „Es wird neuartige Strukturen geben“, versichert die ehrenamtliche Helferin Enders. Das Konzept hänge dann aber von den tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort ab. Sobald die nötigen Informationen und endgültigen Fakten auf dem Tisch lägen, „werden wir uns natürlich sehr schnell wieder zusammen setzen.“ Auch besteht ein klarer Wunsch für die Belegung der neuen Asylunterkunft, erklärt Nemitz:

Bisher waren es ja zirka 200 männliche Flüchtlinge in Tegernsee, in das Bastenhaus sollen aber in hohem Maße Familien und Frauen kommen.

Auch Hagn hofft darauf, dass diese Pläne umgesetzt werden können. Trotzdem ist er sich aber bewusst, dass „man darüber streiten kann, ob ein Hotel die geeignete Wahl für eine Asylbewerberunterkunft ist.“ Doch er betont, dass er nun mal keine andere Wahl habe. „Und wenn ich zwischen knapp 60 Flüchtlingen im Bastenhaus und über 200 Männern in der Schulturnhalle entscheiden muss, fällt meine Wahl auf das Hotel”, so der Bürgermeister abschließend.

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