Lederer-Deal: Bürgermeister Peter Höß im TS-Interview
“Ich habe mir nichts vorzuwerfen”

von Peter Posztos

Die jüngsten Aussagen vor dem Münchner Landgericht haben ein diffuses Licht auf die Aktivitäten der diversen Beteiligten im Zusammenhang mit dem “Lederer-Deal” geworfen. Altlandrat Wolfgang Gröbl, der frühere Hotelier Josef Lederer, Wiessees Wunschinvestor Thomas Strüngmann oder Bürgermeister Peter Höß – unbestritten ist, dass Sie alle gewisse Interessen hatten und diese mit Nachdruck verfolgten. Nach unserem Gespräch mit Wolfgang Gröbl haben wir nun Peter Höß interviewt.

Tegernseer Stimme: Herr Höß, können Sie den Vorwurf nachvollziehen, dass Sie bei öffentlichen Terminen oder in Gesprächen vor Investoren das Lederer-Areal schlechtgeredet haben sollen?

Peter Höß: Ich habe das Areal nie schlechtgeredet. Für mich ist es eines der schönsten Grundstücke für Hotels am Tegernsee. Aber ich habe auch ganz deutlich und wiederholt auf die Hochwasserlinie 100 hingewiesen, die beim Lederer-Areal sehr weit hineinragt. Das wäre eigentlich Aufgabe des Eigentümers gewesen, und das wurde leider unterlassen.

Tegernseer Stimme: Warum?

Peter Höß: Ich schätze mal, um den Preis für das Grundstück nicht zu gefährden.

Tegernseer Stimme: Aber weshalb kam es in der Öffentlichkeit so an, dass die Gemeinde unbedingt Thomas Strüngmann als Käufer wollte – ihn eventuell sogar bevorteilte?

Peter Höß: Herr Strüngmann hat – soweit mir bekannt ist – bereits vor mehr als fünf Jahren bekundet, einen Teil seines Vermögens in eine Hotelanlage zu investieren, um mit einem neuen Hotel dem Tourismus im Tegernseer Tal neue Impulse zu geben. Zu diesen möglichen Grundstücken gehört auch das Areal Lederer und die Kombination mit dem Spielbank-Grundstück.

“Der einzige bonitätsmäßig gut ausgestattete Investor”

Tegernseer Stimme: Wieso ist die Kombination der beiden Grundstücke so wichtig?

Peter Höß: Wenn sich etwas vernünftig einfügen soll, braucht man ausreichend Fläche. Das wäre in der Kombination mit dem Lederer-Grundstück möglich gewesen.

Tegernseer Stimme: Aber ist an den Vorwürfen was dran, dass die Gemeinde Herrn Strüngmann bei den Gesprächen bevorzugt hat?

Peter Höß: Da ist nichts dran. Herr Strüngmann war nur der einzige bonitätsmäßig gut ausgestattete Investor, der sich bisher für das Lederer-Areal interessiert hat.

Tegernseer Stimme: Wie umfangreich waren denn die Gespräche zwischen Sparkasse, Herrn Strüngmann und Gemeinde im Vorfeld der Versteigerung?

Peter Höß: Zwischen Sparkasse und Gemeinde gab es überhaupt keine Gespräche – zumindest von meiner Seite aus nicht. Zwischen Herrn Strüngmann und uns sah es so aus, dass dieser sein Interesse für das Hotel Lederer bekundet hat und eine Kaufoption für einen Teil des ehemaligen Spielbank-Grundstücks von der Gemeinde erhielt. Die Dinge haben sich dann leider anders entwickelt.

Tegernseer Stimme: Haben Sie Herrn Strüngmann geraten, auf die Zwangsversteigerung zu warten, um einen niedrigeren Preis zahlen zu müssen?

Peter Höß: Nein. Im Vorfeld der Versteigerung hat ja Thomas Strüngmann mit Josef Lederer Verkaufsgespräche geführt. Nur konnten sich die beiden Parteien am Ende nicht einigen. Ob es, wie von Lederer nun vor Gericht ausgesagt, zwischen Sparkasse und Strüngmann zu Gesprächen über den Kauf des Lederer gekommen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich weiß nur, dass das Wertgutachten für das Lederer-Areal 5,5 Millionen Euro erbracht hat und dass Strüngmann anfangs eine Million mehr bot.

Tegernseer Stimme: Warum hat Ihrer Meinung nach Josef Lederer da nicht zugeschlagen?

Peter Höß: Die Makler hatten ja einen Alleinauftrag, mit der Ausnahme, dass – wenn von Lederer an Strüngmann verkauft wird – keine Provision fließt. Allein daraus kann sich jeder selber rausrechnen, dass die Makler alles unternehmen, damit Herr Strüngmann nicht zum Zuge kommt. Denn da ging es um eine Summe von weit über 300.000 Euro.

“Dann wäre das Wertgutachten gefährdet gewesen”

Tegernseer Stimme: Und jetzt noch mal kurz zu dem Zeitpunkt rund sechs Wochen vor der Versteigerung, als das Schreiben von Patrick Berrendorf von der ID Projektentwicklung in der Gemeinde einging. Wenn ein Investor mit einer solchen Anfrage an Sie herantritt, warum kommt es dann nicht zu einem persönlichen Termin?

Peter Höß: Herr Berrendorf hatte nach einer belastbaren Aussage hinsichtlich der Bebaubarkeit des Grundstücks gefragt. Seine Anfrage konnten wir schriftlich beantworten. Und das haben wir auch getan.

Tegernseer Stimme: Aber warum kam es nicht zu einem Termin vor der Versteigerung?

Peter Höß: Herr Berrendorf wollte im August 2011, also sechs Wochen vor der Versteigerung, belastbare Aussagen zur Bebaubarkeit teilweise nicht bebaubarer Teile des Areals Lederer. Dies war in der Kürze der Zeit bis zur Versteigerung nicht möglich. Für belastbare Aussagen braucht es einen Bebauungsplan, dieser benötigt mindestens ein Jahr Vorlaufzeit.

Wenn wir damals allerdings nur einen kleinen Schritt gemacht hätten, dann geht Herr Berrendorf zum Herrn Lederer und sagt, die denken über eine Änderung des Baurechts nach. Drei Jahre hat es gebraucht, um für das Areal ein amtliches Wertgutachten zu erhalten. Dieses hat allen Einsprüchen des Herrn Lederer standgehalten. In dem Moment wäre es durch ein mögliches persönliches Gespräch allerdings gefährdet gewesen. Das hätte dann auch den anstehenden Versteigerungstermin unmöglich gemacht. Eventuell wäre das Areal heute immer noch nicht verkauft.

Tegernseer Stimme: Und was hätte das Risiko einer erneuten Verschiebung bedeutet?

Peter Höß: Es gab 42 Gläubiger, die teilweise aufgrund der ausstehenden Forderungen gegenüber Herrn Lederer knapp an der Insolvenz vorbeischrammten. Auch das mussten wir als Gemeinde mit in Betracht ziehen.

Tegernseer Stimme: Wäre ein persönlicher Termin mit einem solchen Investor in der Situation nicht trotzdem möglich gewesen?

Peter Höß: Es handelt sich um die Anfrage einer Projektentwicklungsgesellschaft. Das sind keine Investoren. Die kaufen beispielsweise mit aufschiebender Bedingung, versuchen entsprechendes Baurecht durchzusetzen, und suchen dann nach einem Investor und Betreiber.

“Herr Lederer hat sich den falschen Berater ausgesetzt”

Tegernseer Stimme: Hat sich Herr Lederer Ihrer Meinung nach „verzockt“, als er so kurz vor der Versteigerung das von Ihnen angesprochene Angebot von Herrn Strüngmann ausgeschlagen hat?

Peter Höß: Er bereut es bestimmt. Und ich glaube, er hat sich wieder einmal den falschen Beratern ausgesetzt. Was er jedoch sich und der Gemeinde damit angetan hat, das hätte es alles nicht gebraucht.

Tegernseer Stimme: Sind Ihnen persönlich Fehler unterlaufen, und was würden Sie beim Lederer-Deal rückblickend anders machen?

Peter Höß: Ich habe mir grundsätzlich überhaupt nichts vorzuwerfen. Aber in einem Punkt hätten wir etwas anders machen müssen: Wir hätten bereits früher eine Vorkaufsrechtssatzung erlassen sollen, dann hätten wir in den Kaufvertrag hineingrätschen können. Zu dem Zeitpunkt, wo Lederer an RDR verkauft hat, gab es diese Satzung nicht. Zwischenzeitlich gibt es eine für das Areal Lederer und angrenzende Grundstücke. Das hätte uns einige Probleme erspart.

Tegernseer Stimme: An welchem Preis orientiert sich ein solches Vorkaufsrecht der Gemeinde?

Peter Höß: Am Preis, der zwischen Käufer und Verkäufer vereinbart wird. Den Preis muss der Ausüber des Vorkaufsrechts akzeptieren.

Tegernseer Stimme: Wird Thomas Strüngmann das Lederer-Areal ihrer Meinung nach doch noch erwerben?

Peter Höß: Ich hoffe es, aber kann es nicht sagen. Aber wenn man das Glück hat, hier am Tegernsee einen Investor zu haben, der nachhaltig investieren will – zum Wohle des Tals –, da kann ich nicht verstehen, wer da was dagegen haben sollte.

Tegernseer Stimme: Herr Strüngmann hat ja im Dezember das Spielbank-Grundstück von der Gemeinde gekauft. Wie wurde der Preis für das Gelände festgesetzt?

Peter Höß: Der Preis für das Spielbank-Grundstück lehnte sich an den Vertrag mit Travel Charme an. Dieser Quadratmeterpreis wurde nochmals von einem vereidigten Sachverständigen überprüft und bestätigt. Ein anderer vereidigter Sachverständiger hat für die bebaubaren Flächen des Lederer im Übrigen einen ähnlichen Preis angesetzt.

“Private Gelder sind zu keiner Zeit geflossen”

Tegernseer Stimme: Bei einigen Vorwürfen schwingt auch mit, dass das Grundstück eigentlich mehr Wert wäre. Dass also Herr Strüngmann von Ihnen bevorteilt wurde.

Peter Höß: Dazu kann ich nur sagen, dass auch ein Herr Gröbl beispielsweise wissen müsste, dass für Wohnbebauung ganz andere Quadratmeterpreise bezahlt werden als für Hotelbebauung. Wir wollen allerdings eine Hotelbebauung zur Verbesserung der Infrastruktur von Bad Wiessee.

Tegernseer Stimme: Aber können Sie versichern, dass die Verbindung zu Herrn Strüngmann immer und ausschließlich zum Wohle der Gemeinde war und dass nie private Gelder geflossen sind?

Peter Höß: Ja, das kann ich versichern und beeiden. Private Gelder sind zu keiner Zeit geflossen und werden auch nie fließen.

Tegernseer Stimme: Auch ein Herr Gröbl hat laut eigener Aussage kein Geld für den Verkauf an RDR erhalten. Trotzdem kritisieren Sie seine Rolle in diesem privaten Geschäft. Warum?

Peter Höß: Wolfgang Gröbl hat einem befreundeten Makler mit der Perspektive auf einen Beratervertrag bei der RDR geholfen. Dabei hat er meiner Meinung nach die Interessen der Talgemeinden und des Landkreises zur Verbesserung der touristischen Infrastruktur missachtet. So, wie er sich verhalten hat – er, der lange Staatssekretär war und in seiner früheren Funktion als unser Landrat –, das gehört sich ganz einfach nicht.


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