Ein Rentner als Wiessees Prellbock
„Ich lebe von Beschwerden“

von Nicole Kleim

Wer etwas zu meckern hat, wendet sich an Hans-Gerd Lau. Er ist Wiessees erster „Beschwerdebeauftragter“. Ein Job, der so manche Überraschung mit sich bringt.

Hat immer ein offenes Ohr für Beanstandungen: Hans-Gerd Lau, Wiessees Beschwerdebauftragter.

Seit 1. April 2015 ist Hans-Gerd Lau (68) als Beschwerdebeauftragter für und in der Gemeinde Bad Wiessee unterwegs. Wenn Urlaubsgäste, aber auch Einheimische, irgendetwas  im Ort zu beanstanden haben, wenden sie sich entweder direkt an ihn oder an die Gemeinde.

„Ich lebe davon, dass Beschwerden kommen“, sagt der in Wiessee wohnende Rentner mit einem Augenzwinkern. Dafür lässt sich Lau gerne das ein oder andere Mal anmeckern. Ganz gleich, ob sich die Leute darüber aufregen, dass Radlfahrer an der Uferpromenade mal wieder das Fußgängerschild als Fahrerlaubnis interpretiert haben, oder ob die Bänke an der Bushaltestelle am Lindenplatz zu niedrig sind – der 68-Jährige hört sich alles genau an.

Dann spricht er mit der Gemeinde und macht einen Vorschlag, wie man besten mit der Beschwerde umgeht. Letztendlich liege die Entscheidung jedoch in den Händen der Rathaus-Mitarbeiter, sagt Lau. Das erfordere insgesamt ein strenges Zeitmanagement, fügt der Rentner hinzu. Spätestens vierzehn Tage nach Beschwerdeaufnahme müsse eine qualifizierte Antwort vorliegen. Wenn aufgrund von Urlaub oder Krankheit eine Antwort nicht möglich ist, dann schicke er zumindest immer einen Zwischenbericht an die Menschen heraus.

Zufriedenheit der Wiesseer das A und O

Für Lau ein Kinderspiel. Schon als Manager einer großen Versicherungsfirma habe er sich um die Beschwerden und die Qualität im Unternehmen kümmern müssen, erzählt er. In Wiessee habe er nach seiner Pensionierung einfach „Ordnung in den Ort bringen wollen“.

Deshalb sei er vor zwei Jahren auf die Gemeinde zugegangen und hat gesagt: „Ich mache das.“ Seither kümmert er sich ehrenamtlich um die Zufriedenheit der (Teilzeit-)Wiesseer. Und die schätzen sich erst glücklich, wenn sich beispielsweise die Autos in den Nebenstraßen an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten, wenn Hunde angeleint sind oder wenn sich der Lärm während der Mittagsruhe in Grenzen hält.

Burkini-Protest im Badepark

„Zwei Drittel der eingegangenen Beschwerden kommen von Urlaubsgästen“, sagt der Rentner, der Rest von Einheimischen. Sein „interessantester Fall“ habe sich im Badepark ereignet. Eine junge Araberin ging dort im Burkini – einer zweiteiligen Badebekleidung, die fast den gesamten Körper bedeckt – schwimmen. Daraufhin haben sich die Badegäste beschwert und aus Protest das Schwimmbad verlassen. Dies zu verbieten, hätte aber gegen das Gemeinde-Gesetz verstoßen, so Lau und betont:

Bad Wiessee will eine offene Gemeinde sein.

Ein anderer hatte sich über eine falsche Hütten-Beschilderung beschwert. „Geöffnet“ stand darauf. Weil der Gast aber nicht das passende Kleingeld für den Automaten am Wanderparkplatz dabei gehabt hatte, sei er in den Ort gelaufen, um die vier Euro für das Ticket zu wechseln. Als er anschließend bei der Hütte ankam, stellte er fest, dass sie geschlossen war.

Weniger Mauler im letzten Jahr

Auch der öffentliche Nahverkehr gebe immer wieder Anlass zur Kritik. Die Busse kämen zu spät oder würden an den Haltestellen vorbeifahren, so lautet der meistgeäußerte Vorwurf. Diese Problematik falle jedoch nicht in seinen Zuständigkeitsbereich, so Lau.

Auffällig sei, dass im letzten Jahr die Beschwerden deutlich zurückgegangen seien, bemerkt der Rentner. Woran das liegt, könne er allerdings nicht genau sagen. So richtig glaubt Lau sowieso nicht daran, dass die Leute weniger zu meckern haben. Und so sich er vorgenommen, „sein Bad Wiessee“ noch bis zum Ende des Jahres im Blick zu haben. Was danach kommt, weiß er noch nicht. „Eigentlich sollte es dann die Gemeinde mal selbst machen“.

Und hier die Beschwerdehotline von Hans-Gerd Lau für alle, die nicht wollen, dass der 68-Jährige „arbeitslos“ wird:

Telefon 08022 / 67 35 305 oder Handy 0172 24 19 312 oder unter hg.lau@web.de


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