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CSU-Bürgermeisterkandidat Christian Köck im TS-Interview

„Rottach darf kein total überwachter Ort werden“

Von Robin Schenkewitz

Wenn am 16. März gewählt wird, dann haben die Rottacher die Wahl zwischen gleich drei Kandidaten. Neben Hermann Ulbricht und Josef Bogner geht auch Christian Köck für die CSU ins Rennen.

Im Interview erklärt der 42-Jährige Köck warum er im Gemeinderat auch mal wenig sagt, wie er aber trotzdem mit Reden der Bauwut entgegentreten will und warum er nichts von einem „Polizeiort“ hält.

Christian Köck erklärt, welche Dinge ihm am Herzen liegen und wie es in Zukunft nicht werden soll
Christian Köck erklärt, welche Dinge ihm am Herzen liegen und wie es in Zukunft nicht werden soll

Tegernseer Stimme: Herr Köck, was würden Sie als erstes im Rathaus machen, wenn Sie am 16. März von den Bürgerinnen und Bürgern Rottachs gewählt werden?

Christian Köck: Es gibt da keine bestimmte Maßnahme, die ich sofort umsetzen würde. Zunächst würde ich wohl die Themen, die wir jetzt gemeinsam mit dem Gemeinderat auf den Weg gebracht haben, weiterverfolgen und natürlich dann auch finalisieren. Denn das sind Sachen, die wichtig sind.

Tegernseer Stimme: Aber es muss doch etwas geben das Ihnen besonders wichtig ist?

Christian Köck: Natürlich. Es liegt mir sehr am Herzen, dass wir beim Thema Bauen gewisse Dinge eingrenzen können. Denn so rasant, wie es momentan voranschreitet, können wir nicht weitermachen. Da wäre fatal für kommende Generationen aber auch für den ganzen Charakter von Rottach-Egern.

Tegernseer Stimme: Und was wollen Sie dagegen unternehmen?

Christian Köck: Ich möchte mich schnellstmöglich mit dem Kreisbauamt als übergeordnete Baubehörde in Verbindung setzten und nach einer Lösung suchen. Wir müssen schauen, dass man da die Verantwortlichen auch sensibilisiert und einen positiven Dialog startet.

Tegernseer Stimme: Was meinen Sie damit?

Christian Köck: Wir tun eine Menge für den Tourismus. Aber wenn es um das Ortsbild geht, dann werden unsere Entscheidungen oft durch das Landratsamt ersetzt. Man braucht nicht glauben, dass das den Gästen nicht auffällt. Und auch für die Bürger ist so etwas kaum nachvollziehbar. Am Ende heißt es dann immer, der Gemeinderat hätte so entschieden.

Tegernseer Stimme: Wo liegen Ihrer Meinung nach die Gründe für die bauliche Entwicklung?

Christian Köck: Ich denke die sind in der Geschichte begründet. Rottach-Egern ist ja mal als Ort für 10.000 Einwohner geplant worden. Und diese Bauten dienen heute nun als Referenzpunkte. Wenn also ein Eigentümer verstirbt und die Erbengemeinschaft einen hohen Erlös erzielen will, dann wird meist an einen Investor verkauft. Und dieser möchte natürlich so groß wie möglich bauen. Wenn dann aber so kasernenartige Straßenzüge entstehen, wie wir sie beispielsweise in der Kissligerstraße haben, dann ist das irgendwann nicht mehr Rottach-Egern.

Tegernseer Stimme: Und wie wollen Sie so etwas in Zukunft verhindern?

Christian Köck: Wenn wir halbwegs Rechtssicherheit haben, dann sollten wir auch im Nachhinein mit Bebauungsplänen arbeiten. Allerdings müssen wir damit natürlich vor Gericht auch Aussicht auf Erfolg haben. Der Bebauungsplan wird zwar oft als das perfekte Instrument gegen unerwünschte Bauten dargestellt, aber das ist oft eben nicht zielführend.

Mehr für die kleinen Gastgeber tun

Tegernseer Stimme: Kommen wir zu einem anderen Thema in ihrem Wahlkampf. Sie wollen die kleineren Gästehäuser mehr unterstützen. Glauben Sie denn nicht, dass das in der Praxis schwierig wird, wenn man ein Hotel Überfahrt, die Egerner Höfe und das Bachmair am See im eigenen Ort hat?

Christian Köck: Zunächst einmal können wir uns glücklich schätzen, dass wir in Rottach so ein breites Segment haben. Wir haben die etwas exklusiveren Hotel, aber auch viele kleine Gästehäuser. Diese werden heutzutage aber oftmals von älteren Leuten betreut. Und die darf man nicht alleine lassen.

Tegernseer Stimme: Wobei muss man Ihnen denn genau helfen?

Christian Köck: Sie können sich vorstellen, dass man diesen Leuten, gerade was das Internet angeht, ein wenig unter die Arme greifen muss. Denn gerade die damit einhergehende Informationspolitik ist für die älteren Gastgeber oftmals nicht nachvollziehbar.

Tegernseer Stimme: Aber ist das Problem nicht eher, dass den Betrieben der Nachwuchs fehlt?

Christian Köck: Sicherlich ist das eines der Probleme. Der Wert der Freizeit wird immer größer. Und wer stellt sich schon gern am Wochenende in die Zimmer und putzt? Andererseits sehe ich aber auch, dass man diese Leute motivieren könnte. Wir müssen aufpassen, dass uns hier nicht zu viele wegbrechen.

Tegernseer Stimme: Ist das Ihrer Meinung nach ein Versäumnis der TTT?

Christian Köck: Ich glaube schon, dass man vonseiten der TTT hier besser auf die Gastgeber zugehen muss. Es ist zwar schön, wenn ab und zu eine E-Mail kommt, aber vielleicht sollte man gezielter auf die Menschen zugehen, wenn man weiß, dass es da Defizite in dem einen oder anderen Bereich gibt. Ich habe hier schon mit Herrn Overs gesprochen, und er ist da auch teilweise meiner Meinung.

Tegernseer Stimme: Warum hat man es denn Ihrer Meinung nach bis jetzt noch nicht geändert?

Christian Köck: Man liest es ja auch in den Medien immer wieder. Es ist natürlich schöner, wenn man sich mit einem großen Projekt schmücken kann. Und diese Projekte haben natürlich auch ihr Gutes. Aber dabei dürfen wir den Stamm nicht vernachlässigen. Denn die kleinen Betriebe haben uns erst groß gemacht.

Kein blinder Aktionismus

Tegernseer Stimme: Kommen wir doch zu einem ganz aktuellen Thema. Wie sehen Sie derzeit die ansteigende Kriminalität im Tal allgemein und in Rottach-Egern im Besonderen?

Christian Köck: Das ist natürlich ein brandheißes Thema. Aber ich finde wir sollten da nicht in blinden Aktionismus verfallen. Mir hat gerade in der Außendarstellung die massive Kritik an der Polizei nicht gefallen.

Tegernseer Stimme: Wie meinen Sie das?

Christian Köck: Wir haben mittlerweile gewisse Vermögenswerte am See. Und die dadurch entstehenden Probleme kann die Polizei mit ihrer aktuellen Personalstärke nicht lösen. Jetzt gibt es natürlich einige die sagen, wir brauchen mehr Polizei, aber mindestens genauso viele die sagen: Moment mal, wir wollen ja nicht rund um die Uhr überwacht werden. Wir fühlen uns dann nicht mehr wohl.

Alleine in der Rottacher Seestraße kam es in den vergangenen zwölf Monaten zu einigen Einbrüchen.
Alleine in der Rottacher Seestraße kam es in den vergangenen zwölf Monaten zu diversen Einbrüchen.

Tegernseer Stimme: Und wie ist Ihre Meinung?

Christian Köck: Es gibt ja den Begriff des Polizeistaats. Nun, ich möchte Rottach-Egern nicht zu einem Polizeiort machen. Aber ich begrüße es, wenn die Bürgermeister an das Innenministerium herantreten, um die Polizei in Wiessee moderat aufzustocken. Es ist schon wichtig, dass wir hier ein Signal setzen.

Tegernseer Stimme: Was würden Sie den Bürgern sonst noch raten?

Christian Köck: Viele beschäftigen ja heutzutage einen Hausmeisterservice. Warum dann nicht auch einen privaten Sicherheitsdienst engagieren? Ich möchte da überhaupt nicht polemisieren, aber ich glaube für jemanden mit unternehmerischem Geschick wäre jetzt nicht die schlechteste Zeit, um so einen Sicherheitsdienst zu eröffnen.

„Gemeinderäte sind keine Berufspolitiker“

Tegernseer Stimme: Nun wurden Sie bei ihrer Nominierung von der Parteispitze als sehr wortgewandt beschrieben und wussten in Ihrer Rede ihre Parteifreunde durchaus zu überzeugen. Im Gemeinderat reden Sie dagegen eher wenig. Wie kommt das?

Christian Köck: Es gibt natürlich immer gute und schlechte Tage. Wenn ich mich nach neun Stunden in der Arbeit an den Gemeinderatstisch setze, da ist der Akku bei zum Teil 30 Tagesordnungspunkten manchmal auch einfach leer.

Tegernseer Stimme: Wird aber nicht von Bürgern erwartet, dass Sie trotzdem konzentriert sind?

Christian Köck: Man darf nicht vergessen, dass das Amt des Gemeinderates immer noch ehrenamtlich ausgeübt wird. Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Bürger sehr selbstgerecht sind und bei uns dieselben Maßstäbe wie bei Berufspolitikern anlegen. Grundsätzlich ist es aber natürlich so, dass wenn ich etwas zu einem Thema beizutragen habe, dann sag ich auch was dazu. Bei manch anderem Kandidaten habe ich aber eher das Gefühl, dass die Hand nur hochgeht, weil ich auch etwas gesagt habe. Ich ändere mein Verhalten aber nicht, nur weil Wahlkampf ist. Ich sage nur etwas, wenn ich auch etwas zu sagen habe.

Tegernseer Stimme: Würden Sie denn auch bei einer verlorenen Wahl im Gemeinderat bleiben?

Christian Köck: Natürlich wäre ich enttäuscht, aber ich glaube das wäre jeder. Trotzdem gibt es für mich keine Alternative. Ich bin auf der CSU-Liste an 1 gesetzt und werde somit auch als Gemeinderat weiter für den Ort arbeiten. Dazu kommt, dass ich noch in einem Alter bin, wo ich, wenn ich mir das noch einmal antun möchte, auch beim nächsten Mal wieder als Bürgermeisterkandidat antreten könnte.

Tegernseer Stimme: Herr Köck, vielen Danke für das Gespräch.

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