Bundeswehr Uni lässt sich in der Plagiatsaffäre um den Landrat Zeit
Kreidl-Prüfung: Kein Ergebnis vor den Wahlen

von Steffen Greschner

Zweite Aktualisierung vom 01. September / 14:22 Uhr
Was von vielen vorausgesagt wurde, scheint sich zu bestätigen: die Aufklärung der unter Plagiatsverdacht stehenden Doktorarbeit von Landrat Jakob Kreidl lässt auf sich warten.

Mit einem Ergebnis der Prüfungskommission der Universität der Bundeswehr in München ist vor der Landtags- wie auch der Bundestagswahl nicht mehr zu rechnen.

“Kein fester Zeithorizont”

“Es gibt keinen Termin und keinen Zeithorizont für das Ergebnis”, sagte der Pressesprecher der Universität, Michael Brauns, auf Nachfrage. Er dürfe und könne sich dazu nicht äußern, da dies die Unabhängigkeit der Prüfungskommission untergraben würde. Auch auf die Frage, wie der weitere Verlauf nach der Prüfung aussehe und welche Konsequenzen im Raum stünden, wollte man sich uns gegenüber nur allgemein äußern:

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Die Kommission wird zu einem Ergebnis kommen. Dieses wird der Präsidentin der Universität vorgelegt, die eine Entscheidung treffen wird. Die Aberkennung des Doktortitels ist eine der Möglichkeiten aus einem Strafenkatalog. Dabei kommt es aber darauf an, wie schwerwiegend der Plagiatsfall ist.

Obwohl Landrat Jakob Kreidl recht schnell nach Bekanntwerden der Plagiatsvorwürfe auf den Doktortitel verzichtete, kann er diesen rein formal nicht einfach zurückgeben. Je nachdem, wie die Kommission entscheiden wird, kann der Titel lediglich offiziell durch die Universität aberkannt werden – unabhängig davon, ob Kreidl diesen noch öffentlich trägt oder nicht.

Mit einer Entscheidung der Universität ist vermutlich nicht vor Semesterbeginn im Oktober zu rechnen. In den Sommermonaten, einschließlich September, ist dort schlichtweg unterrichtsfreie Zeit, und sowohl Studenten als auch Professoren sind in der Sommerpause.

Aktualisierung vom 16. Juli / 17:22 Uhr
Die Universität der Bundeswehr in München prüft die unter Plagiatsverdacht stehende Doktorarbeit von Landrat Jakob Kreidl. Noch immer steht der Vorwurf des bewussten Betruges im Raum.

Das war der letzte Stand, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Sowohl die Prüfungskommission der Uni wie auch das Landratsamt schweigen sich aus.

Landrat Jakob Kreidl wartet noch immer auf das Urteil der Bundeswehr-Universität München
Landrat Jakob Kreidl wartet noch immer auf das Urteil der Bundeswehr-Universität München

„Dazu können wir uns während des laufenden Verfahrens nicht äußern“, ist die einzige Auskunft, die Michael Brauns, Pressesprecher von Kreidls früherer Universität, zum Fall geben kann. Die Kommission tage dazu nicht öffentlich und werde das Ergebnis veröffentlichen, sobald es vorliege. Wann das sein wird, lässt sich dagegen nicht voraussagen. Auch auf die Frage, ob das Ergebnis noch vor der Landtagswahl im September vorliegen wird, will man sich nicht äußern.

Auch Gabriele Dorby, Pressesprecherin im Miesbacher Landratsamt, kann keine weiteren Auskünfte geben. Man wüsste selbst gerne einen genaueren Termin, bekomme aber ebenfalls keine weiteren Auskünfte der Universität.

An der Aberkennung besteht kaum noch Zweifel

An der Tatsache, dass weite Teile der Doktorarbeit abgeschrieben waren, besteht dagegen kaum noch ein Zweifel. Schwerwiegende Vorwürfe gegen Kreidl erhoben beispielsweise Prof. Dr. Berthold Meyer und Prof. Dr. Peter Schlotter im April in einem offenen Brief.

In diesem werfen sie Kreidl „keine vernachlässigbaren Fehler, sondern bewusste Verstöße gegen das Urheberrecht“, „Vertuschung mit erheblicher Gründlichkeit“, „Diebstahl unseres geistigen Eigentums“ und „systematisches Vorgehen“ beim Abschreiben vor. Weite Teile ihrer Arbeiten dienten dem Landrat als Vorlage für seine Doktorarbeit.

Auf der Internetseite Vroniplag, die die Untersuchung ins Rollen brachte, steht die Doktorarbeit mit 90,91 Prozent plagiierten Seiten auf Rang zwei aller bisher untersuchten Arbeiten. Nur die Arbeit des Ex-Wirtschafts- und Verteidigungsministers Karl Theodor zu Guttenberg enthält prozentual noch mehr abgeschriebene Textpassagen.

Ursprünglicher Artikel vom 26. März 2013, mit der Überschrift: „Ich vertraue dem Urteil meiner Universität“
Im Laufe des heutigen Vormittags überschlugen sich die Ereignisse. Laut der Internetplattform VroniPlag soll Landrat Jakob Kreidl Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben. Nun hat sich Kreidl selbst zu Wort gemeldet.

In einer ersten Reaktion zeigt sich der Landrat, der gleichzeitig das Amt des Landkreis-Präsidenten bekleidet, von dem gegen ihn erhobenen Plagiatsvorwurf „überrascht“ und ist sich laut eigener Aussage keiner Schuld bewusst.

Jakob Kreidl ‒ hier in einem Interview des BR aus dem vergangenen Jahr ‒ wehrt sich gegen Plagiatsvorwürfe

„Ich bin davon überzeugt, dass ich während der gesamten Dissertation gründlich recherchiert und die Quellen entsprechend der Promotionsordnung angegeben habe“, so der CSU-Politiker in seiner Erklärung. Die Stellungnahme Kreidls im kompletten Wortlaut kann man hier nachlesen.

Vertreter der Onlineplattform VroniPlag hatten in einer ersten Prüfung auf 103 der insgesamt 287 Seiten kopierte Stellen gefunden. Auf manchen Seiten soll Kreidl 75 Prozent der Inhalte abgeschrieben haben. Der Landrat betont hingegen, die Dissertation in den fünf Jahren „eigenständig und im regen Austausch“ mit seinem Doktorvater geschrieben zu haben.

Ein Politikstudium mit 44 Jahren

Kreidl (60) begann seine politische Karriere im Jahr 1984 als Mitglied des Fischbachauer Gemeinderats. Schnell wurde er Kreistagsmitglied und ab 1994 auch Landtagsabgeordneter. Im Jahr 2008 wurde er schließlich zum Landrat des Landkreises Miesbach gewählt; zuvor übte er dieses Amt bereits in stellvertretender Funktion aus.

Bereits 1996 nahm der Diplomingenieur ein Politikstudium an einer Münchner Hochschule auf. Nachdem er dieses im Jahr 2000 erfolgreich abgeschlossen hatte, promovierte er an der Universität der Bundeswehr München zum Thema „Der Kosovo-Konflikt. Vorgeschichte, Verlauf und Perspektiven. Zur Stabilisierung einer Krisenregion“. Doktorvater und Universität bewerteten diese Arbeit damals mit „magna cum laude“, der zweitbesten Note.

Universität will Plagiatsvorwurf prüfen

Die Universität gab am heutigen Nachmittag bekannt, die Plagiatsvorwürfe gegen Kreidl untersuchen zu wollen. Auch der Landrat unterstützt ein solches Vorgehen:

„Da mir die Universität der Bundeswehr in Neubiberg den Doktorgrad verliehen hat, werde ich sie um erneute Überprüfung der Arbeit bitten und mich dem Urteil der Universität unterwerfen.“

Kreidl macht außerdem deutlich, „dass es zu keinem Zeitpunkt meine Absicht gewesen ist, gegen die Promotionsordnung und im Speziellen gegen die Zitierregeln zu verstoßen“. Der Ausgang des Verfahrens ist derzeit nicht absehbar.

Die roten und schwarzen Striche zeigen laut VroniPlag Seiten der Doktorarbeit von Jakob Kreidl, die Plagiate enthalten.

Auch der Gmunder Bürgermeister und Stellvertreter des Landrats Georg von Preysing zeigte sich von den gegen Kreidl erhobenen Vorwürfen überrascht: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er betrogen hat, man muss nun die nächsten Schritte abwarten“, so von Preysing gegenüber der Tegernseer Stimme.

Preysing: „Es gilt die Unschuldsvermutung“

Darüber hinaus stellt der CSU-Politiker die bislang gute Arbeit des Landrats heraus und macht deutlich, dass für Kreidl, wie auch für jeden anderen, zunächst die Unschuldsvermutung gelte. Eines ist für von Preysing jedoch klar: „Sollte sich der Vorwurf bewahrheiten, ist das nicht in Ordnung.“ Die anderen Talbürgermeister waren heute für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Ob Kreidl seinen Doktortitel behalten kann, wird der Ausgang der anstehenden Untersuchung zeigen. Festzustellen ist, dass auch andere prominente Politiker, die sich einem Plagiatsvorwurf ausgesetzt sahen, zunächst ihre Unschuld beteuerten.

Die meisten mussten am Ende auf Druck der Universitäten allerdings ihr Fehlverhalten eingestehen und bekamen ihren Titel aberkannt. Ob Annette Schavan, FDP-Spitzenpolitikerin Silvana Koch-Mehrin oder Karl-Theodor zu Guttenberg ‒ die meisten der Doktoren a. D. mussten im Anschluss auch von ihren Spitzenämtern zurücktreten.

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