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Der Rottacher Bürgermeisterkandidat Hermann Ulbricht im TS-Interview

„Ich wäre ein guter Bürgermeister“

Von Robin Schenkewitz

Aktuell ist Hermann Ulbricht von den Freien Wählern (FWG) noch Zweiter Bürgermeister in Rottach-Egern. Doch nach der Wahl im März würde er gerne aufsteigen und selber Rathaus-Chef werden.

Warum der 49-Jährige sich selber für geeignet hält, wieso er sich den Job überhaupt antun will, und was er mit Facebook zu tun hat, erklärt er in einem ausführlichen TS-Interview.

ulbricht

Tegernseer Stimme: Herr Ulbricht, Sie sind ja nun schon seit 2008 in der Gemeinde als Zweiter Bürgermeister tätig, haben also schon ein wenig Erfahrung. Sagen Sie, warum wird man eigentlich Kommunalpolitiker?

Hermann Ulbricht: Nun, ich bin ja hier aus dem Ort. Zur Wahl 2002 hat mich die FWG angesprochen und gefragt, ob ich nicht für den Gemeinderat kandidieren wolle. Da habe ich dann Ja gesagt, weil ich mich für unseren Ort engagieren wollte. Ich bin dann auch gleich in den Gemeinderat gekommen, und seit 2008 bin ich Zweiter Bürgermeister. In dieser Zeit ist mir aufgefallen, dass mir die Arbeit einfach Spaß macht.

„Servus, hier ist der Hermann“

Tegernseer Stimme: Ihre Wahl zum Zweiten Bürgermeister war vonseiten der CSU damals ja nicht unumstritten, da die Partei dort gerne Josef Lang gesehen hätte. Haben Sie das Gefühl gehabt, dass Bürgermeister Franz Hafner Sie im Hintergrund als seinen Nachfolger aufgebaut hat?

Ulbricht: 2008 war eine eventuell weitere Kandidatur von Franz Hafner im Jahr 2014 noch gar kein Thema. Aber natürlich hat er mich als Zweiten Bürgermeister zu vielen Treffen mit hingenommen. So habe ich zum Beispiel auch schon die ganzen Bürgermeister im Landkreis kennengelernt. Vielleicht ist das bei mir ein Vorteil, dass ich bei vielen Gemeinden anrufen und sagen kann: „Servus, hier ist der Hermann.“ Da habe ich einfach schon die Kontakte. Zu der Sache mit der CSU kann ich nur sagen, dass die Zusammenarbeit im Gemeinderat sehr gut ist. Ich kann mich tatsächlich nur an die besagte Abstimmung zum Zweiten Bürgermeister erinnern, wo wir nach den Fraktionen abgestimmt haben.

Tegernseer Stimme: Das Bürgermeisteramt ist ja eine verantwortungsvolle Position. Fühlen Sie sich bereit dafür?

Ulbricht: Ich denke schon, dass ich bereit bin. Ich habe ja auch öfters Sitzungen geleitet und die Alltagsaufgaben im Rathaus kennengelernt, wenn der Franz mal im Urlaub war. Zudem pflege ich auch mit den Mitarbeitern in der Verwaltung ein gutes Verhältnis. Das ist sehr wichtig.

Tegernseer Stimme: Warum?

Ulbricht: Weil nur so eine gute Zusammenarbeit möglich ist. Man muss mit den Leuten umgehen können, und ich bin der Meinung, dass auch sie mich die letzten Jahre bei Fragen immer unterstützt haben.

Tegernseer Stimme: Und wie sieht es mit der Kommunikation zu den Bürgern aus?

Ulbricht: Ich denke, ich bin ein Politiker, den man immer ansprechen kann. Und das will ich gerne auch in Zukunft beibehalten. Wenn man mir etwas sagen möchte, kann man das jederzeit tun. Ich bemühe mich auch, die Probleme mit Worten zu erklären, die jedem verständlich sind. Das war zum Beispiel der Fehler bei der Gmunder Informationsveranstaltung zum Hochwasser. Da hat man einfach versäumt, den Menschen in einfachen Worten zu erklären, was gemacht werden soll.

Tegernseer Stimme: Was ist dann die Konsequenz daraus?

Ulbricht: Dass man die Themen so einfach wie möglich aufbereiten sollte, damit jeder es verstehen kann. Denn erst dann können die Menschen mitreden. Jeder Bürger kann gute Ideen haben, und ich werde mich dafür einsetzen, dass diese in den Gemeinderatssitzungen ergebnisoffen diskutiert werden.

Neue Abstimmung zum Speicherteich?

Tegernseer Stimme: Wo wir gerade von guten Lösungen sprechen: Glauben Sie, dass der geplante Speicherteich auf dem Wallberg eine gute Lösung ist?

Ulbricht: Nein, das glaube ich nicht, zumindest nicht mehr.

Tegernseer Stimme: Warum haben Sie dann dafür gestimmt?

Ulbricht: Ich habe damals mit voller Überzeugung dafür gestimmt, da sich die Leute dort oben an dem Teich erfreuen sollten. Der hat auf der Animation wirklich gut ausgesehen. In der Zwischenzeit bin ich allerdings mal auf den Wallberg hochgeradelt und habe mir die Lage des Speicherteichs vor Ort angeschaut. Da ich das Foto mit der 3D-Simulation dabeihatte, bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass die Darstellung nie und nimmer objektiv ist. Es wird auf jeden Fall eine Mauer oder sehr steile Böschung an der ehemaligen Kircherlhang-Bergstation entstehen, die sich bestimmt nicht umweltverträglich darstellen lässt.

So wie auf diesem Schaubild soll der geplante Speicherteich auf dem Wallberg einmal aussehen Bild: Gemeinde Rotach-Egern
So wie auf diesem Schaubild soll der Speicherteich auf dem Wallberg einmal aussehen / Bild: Gemeinde Rottach-Egern

Tegernseer Stimme: Sie haben also Ihre Meinung diesbezüglich noch mal komplett geändert?

Ulbricht: Ja, und ich glaube auch, dass eine große Mehrheit der Befürworter unter diesen Umständen ihre positive Meinung ändern wird, da das Foto sehr “geschönt“ ist. Daher bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass es Sinn macht, ein Schaugerüst mit den Höhenentwicklungen aufzubauen und die Sache mit realen Vorgaben nochmals im Gemeinderat zu behandeln.

Tegernseer Stimme: Kommen wir mal auf den Wahlkampf zu sprechen. Sie sind ja in vielen Organisationen wie beispielsweise der Feuerwehr aktiv. Setzen Sie fest auf diese Stimmen?

Ulbricht: Nein, überhaupt nicht. Denn meine Konkurrenten Christian Köck und Josef Bogner sind ja teilweise in denselben Vereinen dabei. Ich denke, auch wenn die Leute mich vielleicht kennen, werden sie nach persönlicher Sympathie und nach Themen entscheiden.

Tegernseer Stimme: Sie sprechen von Josef Bogner als Mit-Konkurrenten auf das Bürgermeisteramt. Sie rechnen also fest mit einem Dreier-Wahlkampf?

Ulbricht: Ja, ich denke schon, dass er noch antritt. Zumindest hatte ich bei der Nominierungsveranstaltung der Freien Wähler das Gefühl, dass er gerne will. Außerdem hat er sich ja in der Tegernseer Zeitung und der Tegernseer Stimme dementsprechend geäußert.

Tegernseer Stimme: Warum ist er dann nicht dort schon gegen Sie angetreten?

Ulbricht: Ich weiß es nicht. Aber vielleicht hat er einfach gemerkt, dass ich mehr Leute zur Unterstützung da hatte. Wäre er dort mit einer Niederlage rausgegangen, hätte es schwierig werden können, mit einer eigenen Partei noch mal neu anzutreten. So hat er sich diese Chance nicht verbaut.

„Facebook hilft beim Geschäft“

Tegernseer Stimme: Anders als viele Ihrer Kollegen sind Sie auch sehr auf Facebook aktiv. Wollen Sie das im Wahlkampf für sich nutzen?

Ulbricht: Ich bin durch das Stabhochsprungfestival dazugekommen. Denn dafür mache ich den Facebook-Auftritt. Ich finde, es ist eine gute Sache und gerade auch für mein Geschäft sehr förderlich. Wenn ich dort Bilder von neuen Kachelöfen oder beispielsweise die Servierplatten für Christian Jürgens von der Überfahrt poste, fragen mich immer viele Leute danach. Wie ich das im Wahlkampf oder als Bürgermeister verwenden sollte, weiß ich allerdings nicht. Ich werde es aber auf jeden Fall beibehalten.

Hermann Ulbricht ist unter anderem aktives Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr
Hermann Ulbricht ist unter anderem aktives Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr / Quelle: Facebook

Tegernseer Stimme: Zum Abschluss noch eine Frage, die sicherlich viele Rottacher interessiert. Werden Sie Ihr Geschäft, in dem Sie unter anderem Kachelöfen herstellen, weiterführen?

Ulbricht: Ja, das auf jeden Fall. Wir werden entweder weniger Kachelöfen bauen oder einen Gesellen einstellen. Ich habe das natürlich mit meiner Familie abgesprochen, und wir sind zu dem Schluss gekommen, dass das Amt als Bürgermeister wichtig genug ist, um meine Arbeitskraft hier aufzugeben.

Herr Ulbricht, danke für das Gespräch.

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