Aufreger des Jahres Platz 3: Georg Bromme
Im Zweifel fürs Ego

von Robin Schenkewitz

Vor rund zwei Wochen wählten die TS-Leser die Aufsteiger und Aufreger des Jahres 2014. Auf das Treppchen der talweiten Aufreger schaffte es auch der ehemalige Sparkassen-Chef Georg Bromme. Sein maßgebliches Wirken am und im System Miesbach sowie der lose Umgang mit Sparkassengeldern verschaffte ihm dabei deutschlandweit Aufmerksamkeit.

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Georg Bromme: Nummer 3 der TS-Aufreger des Jahres.

Vor zwei Wochen hat die TS-Redaktion die Leser dazu aufgerufen, über die Aufsteiger und Aufreger des Jahres 2014 abzustimmen. Die Redaktion hatte jeweils zehn Kandidaten zur Auswahl gestellt. Über 1.200 Leser haben sich an der Abstimmung beteiligt.

Auf Platz 3 der Aufsteiger hatten die Leser Wolfgang Rzehak gewählt. Nun folgt das Gegenstück dazu: Platz 3 unter den Aufregern ist dieses Jahr Ex-Sparkassenchef Georg Bromme geworden.

Großzügiges Sponsoring unter Bromme

Bromme wurde erst nach seiner Amtszeit so richtig bekannt. Dann nämlich, als auch sein Name immer öfter in Verbindung mit den Affären um Jakob Kreidl und dem System Miesbach fiel. Prüfbericht um Prüfbericht deckte nacheinander die Machenschaften von Bromme auf und hinterließ ein Bild der Geldverschwendung auf Seiten des Bankhauses.

„Was dem Landkreis nutzt, nutzt auch der Sparkasse“, so Brommes Motto, während er das Geld „unters Volk“ brachte. Und so investierte er die Gelder der Sparkasse in verschiedenste Projekte, die sowohl die Prüfer der Regierung von Oberbayern als auch die der Sparkasse selbst mittlerweile als unrechtmäßig einstufen.

Darunter beispielsweise der Kauf der Geitauer Alm in Bayrischzell. 2006 erwarb die Kreissparkasse die 1.330 Meter hoch gelegene Immobilie. Samt Renovierung entstanden der Sparkasse dabei Kosten in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro. „Offizieller“ Grund: Man wollte der damals in Geldnot steckenden Gemeinde Bayrischzell einen Gefallen tun. Dies sei jedoch keine Maßnahme, die in den Aufgabenbereich der Sparkasse falle, urteilten die Prüfer im Nachhinein.

Teures Nachspiel?

Ebenso verhält es sich mit dem Kauf des Psallierchors im ehemaligen Kloster Tegernsee. Die Sammlung mit über 11.000 Büchern sollte der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. Inklusive der Planungskosten hat die Sparkasse im Auftrag von Bromme rund 1.750.000 Euro ausgegeben.

Und das sind nur die Highlights unter einer Vielzahl von zweifelhaften Ausgaben, die unter der Regie Brommes von der Sparkasse getätigt wurden. Es wurden auch die Renovierung des Landratsbüros oder die Geburtstagsfeiern von Jakob Kreidl und Arnfried Färber bezuschusst. Zudem erhielt ein Schießstand in Achenkirch, bei dem der passionierte Jäger Bromme selbst oft schießen ging, eine Zuwendung im fünfstelligen Bereich.

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Stolz präsentiert Sparkassenchef Georg Bromme den Psallierchor.

Mittlerweile versucht das Geldinstitut das zweifelhafte Erbe Georg Brommes wieder zu veräußern. Doch das scheint gar nicht so einfach zu sein, wie die Bemühungen der vergangenen Monate zeigen. Zudem haben die jetzigen Verantwortlichen der Sparkasse den klaren Auftrag erhalten, Rückforderungen an ihren ehemaligen Chef zu stellen.

Für 934.000 Euro soll Bromme selber aufkommen. Weitere 4,37 Millionen Euro werden auf Bromme und die anderen Verwaltungsräte umgelegt. Für Bromme könnte die Geschichte also noch ein teures Nachspiel haben. Und so kommuniziert dieser nur noch über einen Anwalt mit seinem früheren Arbeitgeber. „Eine solche existenzvernichtende Haftung ist aus unserer Sicht untragbar. Wir weden Herrn Bromme dagegen verteidigen“, erklärte Brommes Anwalt Otto Gaßner gegenüber der Tegernseer Stimme im Oktober.

Bromme selbst scheint an seinen Praktiken von damals offenbar nichts Anstößliches zu finden. So sieht er sein Verhalten weiter als Dienst am Landkreis und dementsprechend beispielsweise den geplanten Verkauf der Bücher des Psallierchors als Barbarei.


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