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Vom Tegernsee mit dem Ballon über die Alpen

In 5.000 Metern Höhe Richtung Venedig

Von Klaus Wiendl

Mit dem Heißluftballon über die Alpen gilt als das absolute Highlight. Dabei sind die Alpenüberquerungen nur selten machbar, da die Wetterlage optimal sein muss. An den vergangenen Tagen passte es. Und vier Tal-Bewohner erlebten dabei einzigartige Bergsichten.

Die Alpenüberquerung als einmaliges Erlebnis / alle Bilder: Ballooning Tegernsee

Ursprünglich sollte die Fahrt über die Alpen am Tegernsee gestartet werden. Doch das Team von Michael „Michi“ Unger musste nach Unterwössen in den Chiemgauer Bergen ausweichen. Die Windrichtung machte es nötig, erzählt Pilot Andreas Götschl, „weil eine leichte Ostwind-Komponente herrschte, so dass es nicht ganz geradeaus über die Alpen gehen würde, also von Nord nach Süd, sondern leicht schräg“.

Der Wind oben wurde mit etwa 70 Stundenkilometern gemessen. „Wenn wir da am Tegernsee gestartet wären, hätten wir den Gardasee überqueren müssen. Dafür wäre die Strecke wegen des Gasverbrauchs aber zu weit gewesen“.

Im Luftraum von Flugzeugen

Erleben wollten dieses Abenteuer für 1.300 Euro, zwei Passagiere aus Gmund, zwei aus Kreuth und ein Gast aus Norddeutschland. Alle warm eingepackt, denn am frühen Morgen war der Himmel noch bedeckt, die Wettervorhersagen verhießen jedoch Gutes.

Zunächst mussten die Flugbegeisterten mit etwa Minus 30 Grad rechnen, da eine maximale Höhe von bis zu 6.000 Metern nicht auszuschließen war. Denn ein Ballon nimmt am normalen Flugverkehr teil, wie Götschl erklärt.

Im kontrollierten Luftraum haben wir ständigen Kontakt mit den Flugverkehrsstellen. Wir werden da auch in der Höhe zwischen anderen Luftfahrzeugen gestaffelt. Daher ist ein Transponder, ein Funk-Kommunikationsgerät, unerlässlich, der uns auf dem Radar sichtbar macht.

Zwei weitere Ballone trafen sich zum Gruppenflug in Unterwössen, Teams aus Bad Griesbach in Niederbayern und Österreich. Kurz nach acht Uhr hoben sie ab, erzählt Pilot Götschl aus Rottach-Egern.

Sauerstoffmasken zur Sicherheit

„Weiter südlich mussten wir dann durch eine Nebelbank“, so der passionierte Bergsteiger. Als sich die Nebel lichteten, seien sie bereits über den Dolomiten geschwebt. „Wir sind über die Drei Zinnen und die Marmolada geflogen“. Künstlicher Sauerstoff stand in dieser Höhe von 5.000 Metern auch zur Verfügung, den sich vor allem Pilot Götschl gelegentlich sicherheitshalber durch die Nase zuführte.

Als dann die südlichen Alpen Italiens überquert waren, hätten sie noch den Südzipfel des Gardasees erkannt, anschließend sei es sehr flach geworden. Unweit von Treviso, knapp 80 Kilometer vor Venedig, suchte sich Götschl einen Landeplatz. Um 13 Uhr, nach fünf Stunden Flug, setzt der Ballon dann auf einer Wiese südlich von Bassano del Grappa auf. Interessiert hätte sich dort niemand für sie. Niemand sei vorbeigekommen, nur wenig später Michi Unger mit seinem Verfolgerfahrzeug samt Hänger.

Anschließend habe er seine Teilnehmer zu einem „Einkehrschwung im Hotel eingeladen“. Am nächsten Tag ging’s mit dem Auto zurück an den Tegernsee. Wie langweilig ist das dagegen, wird sich wohl so mancher Abenteurer noch mit den Eindrücken von oben gedacht haben.

Eindrücke von der Überquerung / alle Bilder: Ballooning Tegernsee

Mit Rückenwind nach Süden
Pilot “Andi” Götschl (im Vordergrund)

Überflug der 3.300 Meter hohen Marmolada.

Die Dolomiten
Einschweben in Venetien
Kurz vor der Landung in Bassano del Grappa.


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