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Spekulationen nach Selbstanzeige

In der Steuersache Ulrich Hoeneß

Von Peter Posztos

"Focus": Steuerermittlungen gegen Uli Hoeness nach Selbstanzeige

Uli Hoeneß behauptet, Steuern hinterzogen zu haben. So viel ist nach der Bestätigung seiner Selbstanzeige klar. Was das für den 61-Jährigen bedeutet, und um welche Summen es geht, ist dagegen noch völlig offen. Einerseits ermittelt die Staatsanwaltschaft hinter verschlossenen Türen, andererseits will der Wiesseer selbst nichts sagen. Verständlich, die Vorwürfe wiegen schwer. Es könnte eng werden für Hoeneß.

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Am Samstag meldete der Focus, dass der Bayern-Präsident im Januar Selbstanzeige wegen eines Kontos mit unversteuertem Geld in der Schweiz erstattet hatte. Danach überschlugen sich die Meldungen. Von „ungeheuerlichen Summen“, „Razzien“ und „Abschlagszahlungen“ im einstelligen Millionenbereich war die Rede in den Medien. Dabei ist die Faktenlage immer noch mehr als dürftig. Eine offizielle Bestätigung der kolportierten Vergehen und möglichen Summen durch Hoeneß selbst bleibt auch weiterhin aus.

Die Bild-Zeitung fragte: „Muss Hoeneß sogar ins Gefängnis?“

Grundsätzlich sieht die Rechtsprechung vor, dass es ab einer Steuerschuld von mehr als einer Million Euro keine Bewährungsstrafe mehr gibt. Allerdings, so der Gmunder Fachanwalt für Steuerrecht Christian Lennert, sei die Lage im aktuellen Fall Hoeneß nicht eindeutig. Dieser hatte sich laut eigener Aussage bereits vor drei Monaten bei den Behörden angezeigt. Lennert erklärt auf Nachfrage:

„Eine strafbefreiende Selbstanzeige ist nur dann wirksam, wenn sie erfolgt, bevor die Steuerbehörden sich mit einem Verdacht an den Schuldner gewendet haben.“

Der Schuldner müsse alles angeben, was er vor dem Finanzamt irgendwo verborgen hat, und darf vor allem auch von möglichen Ermittlungen in seine Richtung nichts wissen.

Das Anwesen von Uli Hoeneß (im Hintergrund) oberhalb von Bad Wiessee
Das Anwesen von Uli Hoeneß (im Hintergrund) oberhalb von Bad Wiessee

Im Fall Hoeneß hat diesen Umstand nun die Münchner Staatsanwaltschaft zu bewerten. Dass es am 20. März zu einer Hausdurchsuchung in der Villa des 61-Jährigen gekommen war, lasse zumindest den Schluss zu, dass der Staatsanwalt nicht überzeugt ist. „Der Vorwurf ist schwerwiegend, das ist keine Lappalie“, sagt einer der Ermittler, der namentlich nicht genannt werden möchte. Der Beamte wertet die Durchsuchung als Indiz, dass entweder die Selbstanzeige nicht rechtzeitig kam oder möglicherweise unvollständig gewesen ist.

Bis die Ermittlungen abgeschlossen sind, kann einige Zeit vergehen. Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich sagte auf Nachfrage zu einer möglichen Dauer gegenüber der TS: „Das lässt sich zeitlich nur schwer einschätzen und hängt immer auch vom jeweiligen Fall ab. Es müssen viele Dinge geprüft werden. Wie lange das dauert und vor allem zu Einzelheiten werden wir uns derzeit nicht äußern.“

Damit ist nicht nur die Dauer des Verfahrens unabsehbar. Auch ob Hoeneß nach Abschluss der Ermittlungen und einem möglichen Gerichtsverfahren tatsächlich ins Gefängnis muss oder ob er Straffreiheit erlangt, ist derzeit offen. Für die Staatsanwaltschaft ist das Verfahren dabei grundsätzlich eine Privatangelegenheit des Steuerschuldners. Bereits vor zwei Wochen wollte Heidenreich gegenüber der Tegernseer Stimme keine Einzelheiten zum schwebenden Verfahren nennen. Auch mit einer offiziellen Bestätigung hielt sich die Staatsanwaltschaft zurück.

Reputation auf dem Spiel

Doch durch die Stellungnahme des 61-Jährigen, die er höchstpersönlich am vergangenen Freitag dem Focus gegeben hat, hat Hoeneß den Fall öffentlich gemacht. Aus eigenem Antrieb, möglicherweise in der Sorge, dass die Sache irgendwann sowieso an die Presse lanciert wird. Denn unabhängig vom Ausgang des Verfahrens geht es bei Uli Hoeneß vor allem um eines: seine Reputation.

Die Hoheit über den Start der Recherchen und die ersten wohlgewählten Sätze können die öffentliche Wahrnehmung beeinflussen. Und damit vielleicht sogar Hoeneß’ Ruf retten. Dabei ist der Fall in einem Punkt klar: Hoeneß hat in großem Maße Steuern hinterzogen.

Ob dem Bayern-Präsidenten nun dadurch rechtliche Konsequenzen drohen, oder ob er ohne Strafe davonkommt, wird man sehen müssen. Und auch das Urteil aus Sicht der Bürger ist nicht eindeutig. Dabei ist der Fall, zumindest für den ehemaligen Steuer-Gewerkschafts-Chef Dieter Ondracek, klar. Der Münchner brachte seine Einschätzung zur Causa Hoeneß gestern Abend in einer ARD-Talkrunde mit dem folgenden Satz auf den Punkt:

„Bei Steuerhinterziehung bestiehlt man die Allgemeinheit. Das muss auch mal im Kopf richtig gerückt werden.“

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