Insolvenz bei Müller-Brot: Lieferengpass macht sich bemerkbar

Von Steffen Greschner

Zweite Ergänzung vom 20. Februar 2012 / 14:53 Uhr
Der Lieferengpass der Müller-Brot-Filialen – nicht zuletzt auch am Tegernsee – hält an. Darüber hinaus musste das Unternehmen wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und finanziellen Engpässen vor gut einer Woche Insolvenz beantragen. 1.300 Arbeitsplätze sind bedroht. Die vier Filialen rund um den Tegernsee bleiben jedoch weiterhin geöffnet.

Laut aktuellen Informationen des Handelsblatts sieht der Insolvenzverwalter die Rettung der Großbäckerei Müller-Brot weiterhin für möglich. Und ein Sprecher betont: „Im Mittelpunkt stehe nun die Finanzierung für die Zeit der Reinigung sowie den Erhalt des Filialnetzes sicherzustellen.“

Wie es konkret mit den Filialen rund um den Tegernsee weitergeht ist indes unklar. Eine Mitarbeiterin meint im Gespräch: „Für uns ist das zur Zeit keine so tolle Situation“, und ergänzt: „Vieles erfahren wir nur über die Medien.“

Bereits vor mehr als zwei Wochen, musste Müller-Brot bei der Lieferung von frischen Backwaren auf die Unterstützung anderen Bäckereien bauen. Die Tegernseer Filiale wird derzeit laut der Angestellten von mehreren Backwarenproduzenten beliefert.

Aber nicht nur bei den täglich frisch gelieferten Backwaren gibt es Probleme. Auch die Backrohlinge sind mittlerweile aus. „Die beziehen wir auch von Fremdfirmen. Da geht es um Semmeln und Brezen.“, berichte die Frau hinter der Theke und ergänzt: „Die neuen Zulieferer verdienen dran. Das ist klar.“ Trotz alldem müssen die Mitarbeiter bisher nicht auf Gehalt verzichten.

Ergänzung vom 2. Februar 2012
„Wir stehen hinter unserer Firma!“ Diese Aussage hört man häufig, wenn man mit den Mitarbeitern der Müller-Brot-Filialen am Tegernsee spricht. Viel wollen und können die Angestellten aber nicht sagen.

Die Filialleiterin in Tegernsee bringt den Unmut der Belegschaft auf den Punkt: „Wieso wird eigentlich immer auf die Kleinen losgegangen. Wir als Mitarbeiter können nichts für die Probleme. Fragen Sie die Pressestelle in Neufahrn.„

Doch von dort gibt es nichts Neues. Wartungsarbeiten, die auch mit einem Schwelbrand in Verbindung stehen sollen, seien der Auslöser für den Produktions- und damit Lieferstopp an eine Vielzahl von Filialen im Süddeutschen Raum. Wann genau die hygienischen Mängel in der Großbäckerei behoben sein werden, kann man uns nicht sagen.

Die Müller-Fililale in Bad Wiessee

Erst eine Wiesseer Angestellte stellt klar, was man so von der Pressestelle nicht zu hören bekommt:

Ab Montag erst haben wir wieder Ware vom Werk. Bis dahin wird uns die Hofpfisterei mit Brot und Backwaren beliefern. Diese Solidarisierung finde ich richtig gut. Denn ansonsten würden wir ohne einen Großteil unserer frischen Ware dastehen.

Tatsächlich geht es bei dem Lieferengpass nur um etwa ein Drittel der Produkte bei Müller-Brot. Vieles wird in den Filialen selbst aufgebacken. „Wir haben noch genügend Back-Rohlinge,“ so die langjährige Leiterin in Tegernsee.

Dieser Eindruck wird auch durch unsere kleine Tour bestätigt. In drei von vier Filialen im Tal sind die Auslagen gefüllt wie immer. Ein Engpass ist nicht erkennbar. Und somit gibt es auch keinen Grund für die Mitarbeiter in Wiessee und Tegernsee zu Hause zu bleiben. Für die Kunden der Bäckerei-Kette ist das eine gute Nachricht.

Ursprünglicher Artikel vom 2. Februar
Kein Brot und keine frischen Semmeln. Die Bäckerei-Kette Müller-Brot hat am Mittwoch mehrere Filialen im Oberland nicht beliefern können. Und auch in Tegernsee waren gestern Brot oder Krapfen Mangelware.

Der Grund für den Lieferengpass sind umfangreiche Lebensmittelkontrollen in der Großbäckerei des Unternehmens in Neufahrn. Dabei sind laut verschiedenen Medienberichten Mängel an der Hygiene festgestellt worden.

Die Müller-Brot Filiale in Tegernsee öffnet wie ihre drei Pendants in Wiessee am heutigen Donnerstag regulär.

Wie die Firma in einer Stellungnahme schreibt habe man sofort auf die Empfehlungen des Landratsamts reagiert. „Das Unternehmen hat umgehend entschieden, die Produktion freiwillig einzustellen, um die Anlagen einer umfassenden und intensiven Wartung zu unterziehen.“

Müller-Brot hat laut eigener Aussage die Produktion am Mittwoch unter anderem stoppen müssen, da es in der Produktionsanlage zu einem Schwelbrand gekommen war. Die entstandenden Lieferengpässe hätten dann auch das Oberland getroffen.

Am heutigen Donnerstag werden die vier Filialen am Tegernsee aber wie gewohnt öffnen. Laut Aussagen von Mitarbeitern vor Ort werde in Bad Wiessee und Tegernsee alles normal weiterlaufen.

Nach eigenen Angaben betreibt Müller-Brot in Südbayern 260 Filialen und beschäftigt 1300 Mitarbeiter. 115 Millionen ist der jährliche Umsatz, den das Unternehmen erwirtschaftet. Dabei vertreibt der Großbäcker seine Waren nicht nur über eigene Verkaufsstellen wie beispielsweise in Bad Wiessee. Auch Supermärkte oder Tankstellen werden beliefert.


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